DER SONNENMANN

Mit 52 Jah­ren wagt der So­lar­un­ter­neh­mer Pa­trick Ho­fer-no­ser den Neu­an­fang. Er glaubt, dass die Schweiz den Chi­ne­sen im Ge­schäft mit der Son­nen­en­er­gie trot­zen kann.

Das Magazin - - Sponsored - Text Andrea Blei­cher

Die Son­ne taucht den Gip­fel des Stock­horns in ein gleis­sen­des Band. Bald wird die Hit­ze die Luft un­ten im Tal zum Flim­mern brin­gen. Pa­trick Ho­fer-no­ser ist früh auf­ge­stan­den und in sei­ne Fir­ma ge­eilt. Er blickt aus den gros­sen Glas­fens­tern in sei­nem Eck­bü­ro in Thun auf das Mas­siv, be­ob­ach­tet das Spiel aus Licht und Schat­ten und wirkt zu­frie­den. Denn sein be­ruf­li­ches Schick­sal ist eng mit der Kraft der Son­ne ver­bun­den.

Ho­fer-no­ser ist So­lar­un­ter­neh­mer, man­che nen­nen ihn «So­lar­pio­nier». Ein vo­la­ti­les Ge­schäfts­feld, das schon so ei­ni­ge hoch­ge­lob­te Fir­men auf der Stre­cke blei­ben liess. Denn im Ge­schäft mit der Son­ne ist nur ei­nes wirk­lich si­cher: Sie geht je­den Tag auf.

«Klar, ha­ben mir man­che Leu­te ab­ge­ra­ten. Aber auf die ha­be ich nicht ge­hört», sagt Ho­fer-no­ser. Er ist 52, seit 25 Jah­ren in der Bran­che. Und jetzt wagt er den Neu­an­fang. Er kauft zu­rück, was er vor acht Jah­ren an den Kon­zern Mey­er Bur­ger ver­kauft hat. Ist wie­der CEO. Mit 32 An­ge­stell­ten. Und gros­sen Plä­nen. Die hat er in vier Prä­sen­ta­tio­nen zu­sam­men­ge­fasst, or­dent­lich aus­ge­druckt, zu­sam­men­ge­hef­tet. Er legt sie vor sich auf dem Bü­ro­tisch aus, blät­tert. Auf der zwei­ten Sei­te ein Bild mit der Über­schrift «Wir brau­chen mehr als ei­nen Pla­ne­ten». Will der Mann im weis­sen Kurz­arm­hemd et­wa die Welt ret­ten? Er lacht. Das ist ihm zu ein­fach.

Wer Ho­fer-no­ser ver­ste­hen will, muss sei­ne Bio­gra­fie ken­nen. Er wächst in Bern auf, ist ein gu­ter Schü­ler, be­sucht das Gym­na­si­um. Aber er ist da­von ge­trie­ben, zu wis­sen, wie Din­ge in der Pra­xis funk­tio­nie­ren. Dar­um ent­schliesst er sich zu ei­ner Leh­re als Elek­tro­ge­rä­te­me­cha­ni­ker. «Das hilft mir auch heu­te noch», sagt er. «Mich an die Werk­bank zu stel­len und zu be­grei­fen.» Er ar­bei­tet für Ho­li­day on Ice, macht die Licht­show für die Ei­s­tän­zer in ih­ren bun­ten Ko­s­tü­men. Dann holt er die Ma­tu­ra nach, stu­diert an der ETH in Zü­rich Leis­tungs­elek­tro­nik. Das Jo­b­an­ge­bot vom In­dus­trie­rie­sen ABB hat er schon in der Ta­sche.

Es ist 1992, das Jahr des Uno-erd­gip­fels in Rio de Ja­nei­ro. Zum ers­ten Mal seit Jahr­zehn­ten sind Ver­tre­ter al­ler Na­tio­nen zu­sam­men­ge­kom­men, um glo­ba­le Um­welt­fra­gen zu dis­ku­tie­ren. Die zwölf­jäh­ri­ge Se­vern Su­zu­ki be­ein­druckt die Welt mit ih­rem Ap­pell ge­gen die Um­welt­zer­stö­rung, fasst die Ängs­te der kom­men­den Ge­ne­ra­tio­nen in ei­ner sechs­mi­nü­ti­gen Re­de vor den De­le­gier­ten zu­sam­men.

«Wenn Sie nicht wis­sen, wie man die Schä­den re­pa­riert, dann hö­ren Sie auf, wei­ter Schä­den zu ver­ur­sa­chen!»

Pa­trick Ho­fer-no­ser ist 26. Das The­ma «Er­neu­er­ba­re Ener­gi­en» fas­zi­niert ihn, lässt ihn nicht mehr los. Gu­tes tun

– und da­mit Geld ver­die­nen, das soll sein Weg sein. Er schlägt die Kar­rie­re bei ABB in den Wind, geht zu At­lan­tis Ener­gie, ei­ner jun­gen Ber­ner Fir­ma, die auf Öko­lo­gie setzt. Erst be­fasst er sich mit Meer­was­ser­ent­sal­zung, bald mit So­lar­pro­duk­ten. Und dann pas­siert, was in der So­lar­in­dus­trie schon fast die Re­gel ist. Auf den Hö­hen­flug folgt der freie Fall. An­fang 2001 fei­ert At­lan­tis Ener­gie noch die Fer­tig­stel­lung der welt­weit gröss­ten So­lar­haus­fas­sa­de an ei­nem Hoch­haus in Bern-wit­tig­kofen, we­nig spä­ter muss die Fir­ma Kon­kurs an­mel­den.

Für Ho­fer-no­ser ist die Plei­te der Start ins Un­ter­neh­mer­tum. Er kann, er will die Solar­tech­nik nicht auf­ge­ben und grün­det in Bern die 3S Swiss So­lar Sys­tems. Ein Fo­to von da­mals zeigt Ho­fer-no­ser mit ei­ner Hand­voll Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern. Sie he­ben die Ar­me in die Hö­he, um sie her­um rie­si­ge Kis­ten mit So­lar­zel­len. Un­ter das Bild hat Ho­fer-no­ser ge­schrie­ben «In­no­va­ti­on. Wir-ge­fühl. Auf­bruch. Auf­bau».

Nicht al­les läuft nur glatt für 3S. Die Fir­men­grün­dung ist ein Aben­teu­er, der En­thu­si­as­mus for­dert Lehr­geld. «Drei­mal hat­ten wir fast kein Geld mehr», er­zählt Ho­fer-no­ser. Drei­mal ste­cken er und sein Team die Köp­fe zu­sam­men, tüf­teln, ma­chen wei­ter. Sie glau­ben an sich, an ih­re Ener­gie. Und sie ha­ben den Me­ga-sla­te, das Pro­dukt, des­sen Na­me sich an­hört wie der ei­nes Su­per­hel­den. Der Me­ga-sla­te ist ei­ne So­lar­an­la­ge, die sich di­rekt in Dä­cher und Fas­sa­den ver­bau­en lässt. Das So­lar­mo­dul sitzt da­bei nicht auf dem Dach es ist das Dach. Spä­ter spe­zia­li­siert sich 3S auch auf die Her­stel­lung von Ma­schi­nen zur Fer­ti­gung von An­la­gen.

Im ers­ten Jahr macht 3S ei­ne hal­be Mil­li­on Um­satz, vier Jah­re spä­ter 4,1 Mil­lio­nen, 2009 dann 100 Mil­lio­nen. Die Zahl der An­ge­stell­ten wächst auf 323.

Die Schwei­zer So­lar­in­dus­trie pro­fi­tiert vom Boom, den Deutsch­land durch die staat­li­che För­de­rung von So­lar­strom aus­löst. Ei­ne gan­ze Bran­che fei­ert Er­fol­ge, fei­ert sich. Manch ei­ner ver­liert sich in Gross­manns­sucht. Nicht Ho­fer-no­ser. Von ihm gibt es kei­ne In­ter­views, in de­nen er sich als Son­nen­kö­nig fei­ern lässt. Oder Fo­tos, wie er dem Papst ei­ne So­lar­strom­an­la­ge für die Au­di­enz­hal­le schenkt. Wenn Ho­fer-no­ser sich selbst be­schrei­ben muss, wählt er die Wör­ter «po­si­tiv», «ge­er­det», «neu­gie­rig». Und so treibt er sei­ne Fir­ma voran.

2005 bringt Pa­trick Ho­fer-no­ser die 3S an die Bör­se. Ei­ne Ak­tie kos­tet 1.35 Fran­ken. Im De­zem­ber 2009 liegt der Preis bei 23.60 Fran­ken.

Aber es braucht wei­te­res Wachs­tum. Die Fu­si­on mit Mey­er Bur­ger scheint ein lo­gi­scher Schritt. Die Ge­schäfts­part­ner wol­len al­le Tech­no­lo­gie­schrit­te ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te ab­de­cken – vom So­lar­si­li­zi­um bis zur fer­ti­gen So­lar­an­la­ge. Für Pa­trick Ho­fer-no­ser, den Mann, der so ger­ne macht, folgt ei­ne Rei­he von Ti­teln: Chief Tech­no­lo­gy Of­fi­cer, He­ad of Ener­gy Sys­tems und Po­li­cy Li­ai­son Of­fi­cer. Und für die Bran­che die Tal­fahrt.

Chi­na be­ginnt, rie­si­ge Ka­pa­zi­tä­ten in der Her­stel­lung von So­lar­zel­len und So­lar­mo­du­len auf­zu­bau­en. Der Preis­druck bringt die eu­ro­päi­sche Kon­kur­renz in Be­dräng­nis. Gleich­zei­tig stutzt Deutsch­land die För­de­rung des So­lar­stroms – und auch an­de­re Län­der, die un­ter der Fi­nanz­kri­se lei­den, sen­ken die Ver­gü­tun­gen.

Erst glau­ben die Schwei­zer So­lar­fir­men noch, sie könn­ten da­von pro­fi­tie­ren, dass Chi­na jetzt bil­li­ge So­lar­zel­len her­stellt. Oder die Bais­se we­nigs­tens aus­sit­zen.

Aber die Kri­se ist ein Crash.

Mey­er Bur­ger schreibt Ver­lus­te. Im Herbst 2017 be­schliesst der Solar­tech­no­lo­gie­kon­zern, die Pro­duk­ti­on von Thun nach Asi­en zu ver­le­gen, sich von 160 Festan­ge­stell­ten und 26 Ler­nen­den zu tren­nen. Im Mai gibt Ho­fer-no­ser be­kannt, dass er we­nigs­tens ei­nen Teil da­von ret­ten will.

Er sagt, er ha­be nicht lan­ge über­le­gen müs­sen. Sei­ne neue Fir­ma nennt er 3S So­lar Plus, über den Kauf­preis schwei­gen sich Mey­er Bur­ger und Ho­fer-no­ser aus. Von den 32 An­ge­stell­ten, die er über­nimmt, kennt er ei­ni­ge schon seit Jahr­zehn­ten. Aber all­zu ro­man­ti­sche Ide­en, er sei ei­ne Art Ar­bei­ter-wohl­tä­ter, er­stickt er im Keim: «Ich bin kein Idea­list. Ich bin Rea­list.»

Me­ga-sla­te soll das Er­folgs­pro­dukt der neu­en 3S wer­den. Und auch die Chi­ne­sen in Schach hal­ten. Denn äs­the­tisch, so ist sich Ho­fer-no­ser si­cher, kann die asia­ti­sche Mas­sen­wa­re sei­nem in­te­grier­ten So­lar­dach- und Fas­sa­den­sys­tem nicht bei­kom­men. 97 Pro­zent der Schwei­zer Dä­cher sind noch mit Zie­geln ge­deckt. Da soll über­all Me­ga-sla­te hin.

Ho­fer-no­ser ist kein Schwät­zer. Er spricht nicht von Agi­li­tät, FTES, Sta­ke­hol­dern. Er re­det lie­ber von der So­lar­ener­gie. Die Fra­ge, war­um er mit 52, wenn an­de­re kür­zer­tre­ten, ein Come­back wagt, be­ant­wor­tet er, oh­ne nach­zu­den­ken. «Mein An­trieb ist es, für un­se­re Kin­der ei­ne le­bens­wer­te Welt zu hin­ter­las­sen.»

Als Nächs­tes plant Ho­fer-no­ser mit sei­nen Mit­ar­bei­tern ei­nen Vi­sio­nen­work­shop. Dann will er wach­sen. Und wenn es nicht klappt, wenn die nächs­te Tal­fahrt in der So­lar­in­dus­trie die end­gül­ti­ge für die 3S und ih­ren Chef ist? «Dann», sagt Pa­trick Ho­fer-no­ser, «schaue ich mit Stolz auf das Er­reich­te zu­rück.» Im­mer­hin ha­be die Schweiz we­sent­lich da­zu bei­ge­tra­gen, der Son­nen­en­er­gie zum Durch­bruch zu ver­hel­fen.

Pa­trick Ho­fer-no­ser glaubt an die Kraft der Son­ne.

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