ehrt Jo­hann Pe­ter He­bel

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Am 16. Ok­to­ber wird der in­ter­na­tio­na­le «Tag des Bro­tes» ge­fei­ert, «welt­weit», wie der Bran­chen­ver­band BCBS in ei­nem Fly­er be­tont und zu­gleich be­klagt, dies wer­de in der Öf­fent­lich­keit zu we­nig wahr­ge­nom­men. Viel­leicht, mein Vor­schlag, könn­te man ja «Brot und Spie­le» ver­an­stal­ten (wie einst die Rö­mer und heu­te Qua­si­dik­ta­tu­ren). Aber ver­mut­lich liegt das aus­ser­halb der Fi­nanz­mit­tel ei­nes Bran­chen­ver­ban­des. Es sei denn, man wür­de sich mit der Fi­fa zu­sam­men­tun.

Wer das als un­gu­te Kum­pa­nei emp­fin­det, sei dar­an er­in­nert, dass das Wort «Kum­pa­ne» aus dem Spät­la­tei­ni­schen (über lat. cum=mit, pa­nis=brot) stammt und «Mit­bröt­ler» heisst – je­ne, die an ei­nem ge­mein­sa­men Tisch ihr Brot es­sen. Das un­schö­ne Ge­gen­teil wä­re dann der «Ei­gen­bröt­ler».

Soll­te es dem BCBS den­noch un­wohl sein an­ge­sichts je­nes Kum­pa­nen, so wä­re mein Al­ter­na­tiv­vor­schlag, am Tag des Bro­tes mit Brot­ge­schich­ten an die Öf­fent­lich­keit zu tre­ten. Et­wa mit Jo­hann Pe­ter He­bels Ge­schich­te «Der schlaue Pil­grim». Sie er­zählt, wie aus ei­nem «Ei­gen­bröt­ler» ein «Mit­bröt- ler» wird. Der im Ti­tel ge­nann­te Pil­ger ist ein ver­klei­de­ter Land­strei­cher, der, von fei­nen Düf­ten an­ge­zo­gen, in ein Gast­haus ein­tritt, «de­mü­tig und hung­rig um ein gu­tes Was­ser­süpp­lein von Kie­sel­stei­nen» bit­tet, «um Got­tes wil­len, Geld ha­be er kei­nes». Auf den Ein­wurf der mit­lei­di­gen Wir­tin: «From­mer Pil­grim, die Kie­sel­stei­ne könn­ten Euch hart im Ma­gen lie­gen!», ant­wor­tet er: «Eben des­we­gen! Die Kie­sel­stei­ne hal­ten län­ger an als Brot, und der Weg nach Je­ru­sa­lem ist weit. Wenn Ihr mir aber ein Gläs­lein Wein da­zu be­sche­ren wollt, um Got­tes wil­len, so könnt’ ich’s frei­lich bes­ser ver­dau­en.»

Als die Wir­tin wie­der­um pro­tes­tiert: «Aber, from­mer Pil­grim, ei­ne sol­che Sup­pe kann Euch doch un­mög­lich Kraft ge­ben!», da ant­wor­tet er ver­schmitzt: «Ei, wenn Ihr an­statt des Was­sers woll­tet Fleisch­brü­he da­zu neh­men, um Got­tes wil­len, so wär’s frei­lich nahr­haf­ter.» Und als die Wir­tin ih­re Sup­pe mit der Ent­schul­di­gung bringt, die Kie­sel­stei­ne sei­en nicht wirk­lich weich ge­kocht, ant­wor­tet er: «Ja, und die Brü­he sieht gar dünn aus. Hät­tet Ihr nicht ein paar Ga­beln voll Ge­müs dar­ein oder ein Stück­lein Fleisch oder bei­des um Got­tes wil­len?» Da er so freund­lich bit­tet, ser­viert sie ihm noch Ge­mü­se, Fleisch und schliess­lich ein Stück Brot da­zu. Und dann greift He­bels «from­mer Pil­grim» mit Freu­den zu, löf­felt die Fleisch­brü­he, lässt sich Fleisch, Ge­mü­se, Wein und Brot mun­den, wischt sei­nen Mund am Är­mel ab und sagt zu ihr: «Frau Wir­tin, Eu­re Sup­pe hat mich recht­schaf­fen ge­sät­tigt, so­dass ich die schö­nen Kie­sel­stei­ne nicht ein­mal mehr zwin­gen kann. Es ist schad da­für! Aber hebt sie auf. Wenn ich wie­der kom­me, so will ich Euch ei­ne hei­li­ge Mu­schel mit­brin­gen ab dem Mee­res­strand von As­ka­lon oder ei­ne Ro­se von Je­ri­cho.» Nun, manch­mal braucht’s eben ei­ne gu­te Por­ti­on Frech­heit und Charme, um vom Ei­gen­bröt­ler zum Mit­bröt­ler wer­den zu kön­nen …

In me­mo­ri­am Micha­el Maas­sen (1942– 2002), von dem ich «Der schlaue Pil­grim» zum ers­ten Mal hör­te.

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