Über Brot für Brü­der und Schwes­tern

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Nach­dem wir am 16. Ok­to­ber den «Tag des Bro­tes» mit Voll­korn­gip­fe­li und Brot­ge­schich­ten wür­dig be­gan­gen ha­ben («Ma­ga­zin» Nr. 41) – wenn auch ver­mut­lich nicht «welt­weit», wie der Ver­band der Bä­cker-con­fi­seu­re Bern­so­lo­thurn es an­ge­mahnt hat­te (da man in Asi­en schon zum Früh­stück Reis und kein Brot isst) –, kön­nen wir jetzt auf die wich­ti­ge­ren, ethi­schen Aspek­te des Bro­tes zu spre­chen kom­men.

Be­kannt­lich lehnt Je­sus die For­de­rung des Sa­tans ab, er sol­le aus St­ei­nen Brot ma­chen, um so sei­ne Macht als Got­tes Sohn zu be­wei­sen: «Der Mensch lebt nicht vom Brot al­lein, son­dern von ei­nem jeg­li­chen Wort aus Got­tes Mund» (Mat­thä­us 4.4). Und den­noch macht die Bi­bel an vie­len Stel­len klar: Oh­ne Brot und an­de­re Gr­und­nah­rungs­mit­tel wird kei­ner lan­ge über­le­ben. Des­halb fin­den sich in der Bi­bel Ge­bo­te zum Schutz der Ar­men, ei­ne Ethik der Hil­fe und Mit­mensch­lich­keit.

Aus die­ser tief im Her­zen des Chris­ten­tums ver­wur­zel­ten Hal­tung her­aus wur­de gleich nach dem Zwei­ten Welt­krieg an­ge­sichts des im­men- sen Flücht­lings­elends das HEKS (Hilfs­werk Evan­ge­li­scher Kir­chen der Schweiz) ge­grün­det, spä­ter, in den Sech­zi­ger­jah­ren, die Ent­wick­lungs­hil­fe­or­ga­ni­sa­ti­on «Brot für al­le». Der Satz «Nie­mand hun­gert, weil wir zu viel es­sen. Son­dern weil wir zu we­nig den­ken» aus dem Jahr 1969 mar­kier­te den Be­ginn ei­ner öku­me­ni­schen Kam­pa­gne, mit der man deut­lich ma­chen woll­te: Hun­ger in der Welt ist nicht na­tür­lich, nicht Schick­sal und auch nicht Got­tes Wil­le. Er hat viel­mehr mit Han­dels­be­zie­hun­gen zu tun, mit Geld­flüs­sen, struk­tu­rel­len Un­ge­rech­tig­kei­ten.

Die et­wa gleich­zei­tig ent­stan­de­ne Be­we­gung «Er­klä­rung von Bern» (heu­te Pu­b­lic Eye) trug da­zu bei, dass sich in der Öf­fent­lich­keit ein Be­wusst­sein da­für bil­de­te. Und mag all die ge­leis­te­te «Ent­wick­lungs­hil­fe», mö­gen die rea­len Zah­lun­gen und In­ves­ti­tio­nen aus der Schweiz im Ver­gleich zu den aus dem Han­del mit eben­die­sen Län­dern rea­li­sier­ten Ge­win­nen be­schei­den sein – es ist ei­ni­ges ge­sche­hen im Hin­blick auf Bil­dung, in der Un­ter­stüt­zung bäu­er­li­cher Di­rekt­ver­mark­tungs­in­itia­ti­ven, an In­fra­struk­tur­hil­fen. Es wur­den Feh­ler kor­ri­giert, das Pro­blem von Di­rekt­zah­lun­gen und von Nah­rungs­mit­tel­sen­dun­gen er­kannt, weil das der Ei­gen­pro­duk­ti­on die­ser Län­der Scha­den zu­fügt: Hil­fe muss Hil­fe zur Selbst­hil­fe sein. Auch wur­de ei­ne oft mo­ra­li­sie­ren­de Kom­mu­ni­ka­ti­on der Hilfs­wer­ke ins Po­si­ti­ve ge­wen­det und mit ei­ner Pri­se Hu­mor ge­würzt, so­dass man sei­nen El­tern und Freun­den jetzt vier­zig En­ten, ei­nen Geiss­bock, ei­nen Was­ser­fil­ter oder ei­nen Be­ton­mi­scher un­ter den Weih­nachts­baum le­gen kann – dies in der hand­li­chen Form ei­nes gu­ten «Gut­scheins», der den Be­dürf­ti­gen auch wirk­lich zu­gu­te­kommt.

Die­se En­ga­ge­ments hel­fen kon­kre­te Not lin­dern, und sie hal­ten – viel­leicht auch nach dem «Tag des Bro­tes» – bei uns das Be­wusst­sein wach, dass es ver­meid­ba­re Er­kran­kun­gen , dass es schrei­en­de Not gibt, dass je­den Tag Kin­der ster­ben. Und dass wir nicht ein­fach so tun kön­nen, als gin­ge uns das al­les nichts an.

NI­K­LAUS PE­TER ist Pfar­rer am Frau­müns­ter in Zü­rich.

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