DER WHISTLEBLOWER

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John. Un­ter die­sem Pseud­onym tritt der Whistleblower auf, der hin­ter Foot­ball Leaks steht. Er ist nach ei­ge­nem Be­kun­den Por­tu­gie­se und steht in re­gel­mäs­si­gem Kon­takt mit dem Jour­na­lis­ten Ra­fa­el Bu­sch­mann des deut­schen Ma­ga­zins «Der Spie­gel».

Be­gon­nen hat al­les 2015. Im In­ter­net tauch­te ei­ne Web­sei­te auf, die streng ge­hei­me Do­ku­men­te aus dem In­ners­ten des Fuss­ball­busi­ness öf­fent­lich mach­te. Stück für Stück wur­de auf­ge­deckt, wie zwie­lich­ti­ge Fi­gu­ren dank Spie­ler­trans­fers zu Mul­ti­mil­lio­nä­ren wur­den und mit wel­chen Tricks Su­per­stars Steu­er­ge­set­ze aus­he­beln. Cris­tia­no Ro­nal­do und an­de­re Top­spie­ler muss­ten als Kon­se­quenz aus die­sen Ent­hül­lun­gen be­reits mil­lio­nen­schwe­re Straf- und Nach­zah­lun­gen leis­ten. Zu­dem las­tet ein Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wurf auf Ro­nal­do.

Seit­her ist John ein ge­jag­ter Mann. Mit je­dem ver­öf­fent­lich­ten Do­ku­ment wuchs die Zahl sei­ner Fein­de. Rasch mach­ten Spe­ku­la­tio­nen über Johns Iden­ti­tät die Run­de. Rus­si­sche Cy­ber­spe­zia­lis­ten sol­len auf ihn an­ge­setzt wor­den sein, und auch die Po­li­zei sei ihm auf den Fer­sen. Hacking und Er­pres­sung, so lau­tet der Vor­wurf. Trotz al­lem weiss bis heu­te nie­mand, wer John ist. Si­cher ist nur: Er hat dem «Spie­gel» in­zwi­schen rund 70 Mil­lio­nen Do­ku­men­te über­ge­ben. Der «Spie­gel» wie­der­um teil­te die 3,4 Te­ra­byte schwe­re Da­ten­samm­lung mit dem Jour­na­lis­ten­netz­werk Eu­ro­pean In­ves­ti­ga­ti­ve Col­la­bo­ra­ti­ons (EIC). Der Ta­me­dia-re­cher­che­desk und «Das Ma­ga­zin» be­tei­lig­ten sich als Schwei­zer Part­ner an der mo­na­te­lan­gen Aus­wer­tung des neu­en Ma­te­ri­als.

Im Buch «Foot­ball Leaks – Die schmut­zi­gen Ge­schäf­te im Pro­fi­fuss­ball» be­rich­tet Jour­na­list Bu­sch­mann aus­führ­lich über sei­ne Tref­fen mit John, die oft in ost­eu­ro­päi­schen Städ­ten statt­fan­den. Bu­sch­mann be­schreibt John als gros­sen Fuss­ball­fan, der sich um Zu­stand und Zu­kunft des wich­tigs­ten Sports der Welt Sor­gen macht, ein «Fuss­ball­ro­man­ti­ker». Der Fussball sei kor­rum­piert vom gros­sen Geld und den In­ter­es­sen pro­fit­gie­ri­ger Fi­gu­ren un­ter­wor­fen wor­den.

Der Ta­me­dia-re­cher­che­desk er­hielt kei­nen di­rek­ten Kon­takt zu John. Via Bu­sch­mann be­ant­wor­te­te die­ser aber schrift­lich Fra­gen. «Der Fussball hat ein rie­si­ges Glaub­wür­dig­keits­pro­blem», er­klärt er, «und das liegt zu ei­nem gros­sen Teil am jah­re­lan­gen Miss­ma­nage­ment von Fi­fa und Uefa.» Für John sind die Hin­ter­män­ner des glo­ba­len Fuss­ball­ge­schäfts zu «ei­ner der mäch­tigs­ten Ma­fia der Welt» ver­kom­men. «Was mich stört, ist die Art der Ge­heim­de­als, die die Su­per­klubs ab­zie­hen. Al­les pas­siert im Ver­bor­ge­nen, es gibt kaum Kon­trol­le, kei­ne Trans­pa­renz – das ist der Nähr­bo­den für kri­mi­nel­le Ma­chen­schaf­ten!», sagt John. We­gen der Ent­hül­lun­gen von Foot­ball Leaks wur­de John vom Us-sport­por­tal ES­PN letz­tes Jahr in die Top 20 der ein­fluss­reichs­ten Fi­gu­ren des Welt­fuss­balls auf­ge­nom­men. Den Vor­wurf, Da­ten il­le­gal be­schafft zu ha­ben, weist er von sich: «Un­se­re Grup­pe war nie in Hacking oder Dieb­stahl in­vol­viert. Seit 2015 ha­ben wir Tau­sen­de Gi­ga­byte aus ver­schie­de­nen Quel­len er­hal­ten. Über die Her­kunft der In­for­ma­ti­on wis­sen wir ab­so­lut nichts.» Zu sei­ner Iden­ti­tät schweigt John. «Wir ha­ben in die­sen drei Jah­ren et­was Wich­ti­ges ge­lernt: Me­dien­spe­ku­la­tio­nen, die ge­wöhn­lich von kor­rup­ten Leu­ten ge­streut wer­den, nicht zu kom­men­tie­ren.»

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