Chris­ti­an Sei­ler

So macht man Car­bo­n­a­ra

Das Magazin - - Contents - CHRIS­TI­AN SEI­LER ist Re­por­ter bei« Das Ma­ga­zin »; Bild MAU­RI­ZIO DI IORIO

Wenn ihr mich fragt, was die per­fek­te Ant­wort auf die zu­neh­men­de Käl­te, Dun­kel­heit und da­mit ver­bun­de­ne Zeit­not ist, sa­ge ich nur ein Wort: Car­bo­n­a­ra. Draus­sen ist es feucht und kühl. Al­le Fe­ri­en sind vor­bei. Wer noch bei Ta­ges­licht ei­ne Run­de jog­gen möch­te, braucht ei­ne gu­te Aus­re­de, um sich ge­gen drei aus dem Bü­ro zu ver­drü­cken.

Al­ler­dings taucht die Zeit, die tags­über we­ni­ger wird, er­staun­li­cher­wei­se abends nicht wie­der auf. Du kannst dir al­so nicht, wenn du nach dem Jog­gen frisch ge­duscht in der Kü­che stehst, in al­ler Ru­he über­le­gen, was du in den drei St­un­den, die bis zum Abend­es­sen blei­ben, al­les an­stel­len möch­test. Kei­ne Ah­nung, was mit un­se­ren Ta­gen in der dunk­len Jah­res­zeit pas­siert. St­un­den ge­hen ver­lo­ren und tau­chen nie wie­der auf. Viel­leicht weiss ja Ben Moo­re von wei­ter vor­ne ei­ne klu­ge Ant­wort dar­auf.

Es braucht al­so Es­sen, das schnell auf dem Tisch steht und über den nö­ti­gen Trost­fak­tor ver­fügt. Dun­kel­heit er­füllt mich im­mer mit ei­ner spe­zi­fi­schen Me­lan­cho­lie, aus der mich nur lau­te Mu­sik (et­wa das fan­tas­ti­sche neue Al­bum von Ne­neh Cher­ry) und kraft­vol­les Es­sen her­aus­ho­len.

Car­bo­n­a­ra al­so. Das ein­fachs­te, schnells­te und köst­lichs­te Ge­richt der ita­lie­ni­schen Kü­che, wenn man frisch ab­ge­brö­ckel­ten Par­me­san, et­was al­ten Bal­sa­mi­co und fri­sches Weiss­brot nicht als Ge­richt be­zeich­nen möch­te.

Die­se Car­bo­n­a­ra nach dem Re­zept der «Guar­di­an»-ko­lum­nis­tin Fe­li­ci­ty Cloa­ke ste­hen ex­akt 25 Mi­nu­ten nach dem Ent­schluss, sie zu­zu­be­rei­ten, glän­zend und damp­fend auf dem Tisch. Vor­aus­set­zung ist na­tür­lich, dass die fol­gen­den Zu­ta­ten im Haus sind. Für 2 Per­so­nen 1 EL Oli­ven­öl; 1 Knob­lauch­ze­he, ge­schält und in Schei­ben ge­schnit­ten; 75 g un­ge­räu­cher­te Pan­cet­ta (oder Guan­cia­le, der Speck aus Schwei­ne­ba­cke oder -na­cken), in klei­ne Wür­fel ge­schnit­ten; 250 g Spa­ghet­ti (ich prä­fe­rie­re zur­zeit die ex­trem spann­kräf­ti­ge Pas­ta von Fa­el­la); 25 g Pe­co­ri­no, fein ge­rie­ben; 25 g Par­me­san, fein ge­rie­ben; 2 Eier; 1 Ei­gelb

Jetzt braucht es nur zehn Schrit­te zum Glück. Ich ra­te, sie ge­nau zu be­fol­gen, und die Car­bo­n­a­ra wer­den die bes­ten sein, die Sie je zu­be­rei­tet ha­ben (gros­ses Ver­spre­chen, ich weiss).

1 Tel­ler vor­wär­men. Das ver­län­gert die Freu­de an an­spre­chend heis­ser Pas­ta.

2 Knob­lauch frit­tie­ren. Öl in ei­ne gros­se, un­be­schich­te­te Pfan­ne ge­ben, bei mitt­le­rer Hit­ze er­hit­zen, Knob­lauch­schei­ben da­rin braun wer­den, aber nicht ver­bren­nen las­sen. Aus dem Öl neh­men und weg­wer­fen (oder sal­zen und es­sen).

3 Speck frit­tie­ren. Fleisch ins knob­lauch­schwan­ge­re Öl ge­ben, bis das Fett trans­pa­rent ist und die ers­ten Stü­cke Far­be an­neh­men. Hit­ze auf das Mi­ni­mum ver­rin­gern.

4 Spa­ghet­ti ko­chen. Wäh­rend das Fleisch brut­zelt, die Spa­ghet­ti ins ko­chen­de, stark ge­sal­ze­ne Was­ser ge­ben und nach Be­lie­ben ko­chen. Über die Fra­ge, wie al den­te Spa­ghet­ti sein sol­len, las­sen sich Re­li­gi­ons­krie­ge aus­tra­gen. Bei den Spa­ghet­ti von Fa­el­la lohnt es sich, die Pas­ta über die vol­le emp­foh­le­ne Koch­zeit im Topf zu las­sen.

5 Eier vor­be­rei­ten. Die Eier in ei­ner hit­ze­be­stän­di­gen Scha­le ver­rüh­ren. Ei­gelb zu­ge­ben, das für ex­tra Ge­schmei­dig­keit sorgt. Eier stark mit schwar­zem Pfef­fer wür­zen.

6 Kä­se da­zu­ge­ben. Den ge­sam­ten Pe­co­ri­no und fast den gan­zen Par­me­san zu den Ei­ern ge­ben. Na­tür­lich kann man Car­bo­n­a­ra auch mit 50 g ei­nes ein­zel­nen Kä­ses zu­be­rei­ten. Aber das Uma­mi des Par­me­san und die Schär­fe des Pe­co­ri­no sind ein gross­ar­ti­ges Du­ett.

7 Pas­ta in die Sau­ce mi­xen. Ei­ne Tas­se vom Pas­ta­was­ser ab­schöp­fen, dann die Spa­ghet­ti ab­gies­sen und so­fort in die Pfan­ne ge­ben, wo die war­men Speck­wür­fel und das aro­ma­ti­sier­te Knob­lauch­öl auf kleins­tem Feu­er war­ten. Gut da­rin wen­den, bis die Spa­ghet­ti fett und zu­frie­den glän­zen.

8 Sau­ce emul­gie­ren las­sen. Hit­ze un­ter der Pfan­ne ab­schal­ten. Ei-kä­se-mi­schung über die Spa­ghet­ti ge­ben und sie mit Höchst­ge­schwin­dig­keit da­rin wen­den. Wer sich jetzt Zeit lässt, be­kommt am Bo­den der Pfan­ne Rühr­ei, das er nicht be­stellt hat.

9 Pas­ta be­de­cken. So­bald die Ei-kä­se-mi­schung di­cker zu wer­den be­ginnt, al­so nach we­ni­gen Se­kun­den, das ab­ge­schöpf­te Pas­ta­was­ser in die Pfan­ne ge­ben und den Ver­di­ckungs­pro­zess stop­pen. Die Spa­ghet­ti jetzt et­was ent­spann­ter wei­ter­wen­den, bis sie al­le von der köst­li­chen, fet­ten Mi­schung be­deckt sind.

10 Letz­te Hand­grif­fe. Spa­ghet­ti auf die heis­sen Tel­ler ge­ben. Den üb­ri­gen Par­me­san dar­über­krü­meln. Noch­mals pfef­fern und – Fe­li­ci­tys Tipp, der er­staun­lich gut funk­tio­niert – et­was Mus­kat­nuss dar­über­rei­ben.

Dann wird es hel­ler.

Der No­vem­ber hat auch sein Gu­tes. Er bie­tet den per­fek­ten Vor­wand, um end­lich wie­der Spa­ghet­ti al­la car­bo­n­a­ra zu ma­chen. Al­so, ver­lie­ren wir kei­ne Zeit.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.