DENK ICH AN DEUTSCH­LAND

Das Magazin - - N° 45 — 10. November 2018 - FINN CANONICA

Das Lei­den an Deutsch­land, schreibt Henning Rit­ter in sei­nen «No­tiz­hef­ten», sei ein To­pos aus dem 18. Jahr­hun­dert. Fich­te, Höl­der­lin, Nietz­sche – al­le hät­ten sie an Deutsch­land ge­lit­ten, selbst in der gröss­ten Em­pha­se sei die­ses Lei­den an dem Land spür­bar ge­we­sen. Wir be­fin­den uns nun im 21. Jahr­hun­dert. Vier mei­ner Kol­le­gen sind Deut­sche, selbst­ver­ständ­lich re­den wir nicht sel­ten über ihr Land, die deut­sche Ge­schich­te, die ge­gen­wär­ti­ge po­li­ti­sche Ent­wick­lung. Was auf­fällt bei all die­sen Ge­sprä­chen: Deutsch­land be­wegt, be­schäf­tigt und quält of­fen­bar im­mer noch stark. Rasch be­kom­men Ge­sprä­che mit Deut­schen über Deutsch­land ei­ne Schwe­re, die ich sel­ten spü­re, wenn wir Schwei­zer über die Schweiz re­den. Es gibt, ha­be ich von mei­nen fa­bel­haf­ten Kol­le­gen ge­lernt, zwei Städ­te, die für das po­li­tisch ge­spal­te­ne Deutsch­land ste­hen: Frei­burg und Chem­nitz. Chem­nitz macht Schlag­zei­len, weil die AFD und al­les, was noch rech­ter ist, dort wö­chent­lich durch die Stras­sen mar­schiert. Frei­burg ist im­mer noch ei­ne Art Chif­fre für das, was oft als deut­sches Gut­men­schen­tum ver­spot­tet wird. Wer da­ge­gen in Chem­nitz mar­schiert, hasst die Wer­te, die im El­tern­haus un­se­rer Re­dak­to­rin Pau­la Scheidt in Frei­burg ge­pflegt wur­den. Sven Beh­risch war in Chem­nitz und hat Men­schen nach ih­rer Ge­schich­te be­fragt. Deutsch­land ist of­fen­bar im­mer noch tie­fer ge­trennt, als man glau­ben möch­te.

1989, als die Mau­er fiel, wa­ren die Deut­schen in­nig ver­eint. Seit­her wach­sen die Ris­se, zwi­schen Ost und West, links und rechts.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.