FREI BURG DAS PA­RA­DIES UND SEI­NE FEIN­DE

Mei­ne El­tern kämpf­ten als lin­ke Stu­den­ten ge­gen ei­ne re­ak­tio­nä­re Eli­te. Heu­te sind sie selbst die Eli­te. Und wer­den von ei­ner re­ak­tio­nä­ren Be­we­gung be­kämpft. Ei­ne Rück­kehr in die neue, al­te Hei­mat.

Das Magazin - - Hans Ulrich Obrist Melanie Winiger - PAU­LA SCHEIDT ist Re­dak­to­rin bei «Das Ma­ga­zin»; pau­la.scheidt@das­ma­ga­zin.ch

In der Woh­nung mei­ner Kind­heit wa­ren die De­cken mu­se­ums­hoch, stuck­ver­ziert, und wir fro­ren. Das Ther­mo­stat: 18 Grad. Nicht um Geld zu spa­ren, son­dern um Um­welt und Res­sour­cen zu scho­nen. Wir Kin­der tru­gen Woll­so­cken und di­cke Pull­over und kann­ten es nicht an­ders.

Ich wuchs in ei­nem gut­bür­ger­li­chen Vier­tel auf, wo Hor­ten­si­en in den Vor­gär­ten blüh­ten und al­te Da­men ih­re Da­ckel spa­zie­ren führ­ten, wo die Vä­ter Ju­ris­ten, Ärz­te, Leh­rer wa­ren und die Müt­ter zwar stu­diert hat­ten, nun aber Teil­zeit ar­bei­te­ten, um den Kin­dern je­den Tag ein war­mes Mit­tag­es­sen zu ko­chen. Es war das West­deutsch­land der 1980er­ und 1990er Jah­re un­ter Kanz­ler Hel­mut Kohl. Schei­dungs­kin­der, Nicht­aka­de­mi­ker und Aus­län­der wa­ren in die­ser bür­ger­li­chen Idyl­le sel­te­ne Ab­wei­chun­gen von der Nor­ma­li­tät. Wenn ich heu­te mit dem Zug nach Frei­burg im Breis­gau fah­re, in die Stadt der Stu­die­ren­den, der Fahr­rad­we­ge und So­lar­zel­len, dann ist das auch ei­ne Rei­se in mei­ne Ver­gan­gen­heit. Vor fünf­zehn Jah­ren bin ich weg­ge­zo­gen. Hin­ter Ba­sel, spä­tes­tens wenn die Land­schaft hü­ge­lig wird und die ers­ten Wein­ber­ge auf­tau­chen, über­kommt mich die­se ei­gen­ar­ti­ge Mi­schung von Ver­traut­heit und Fremd­heit, die wohl ein uni­ver­sel­les Ge­fühl des Heim­keh­rens ist. So be­schreibt es auch der fran­zö­si­sche So­zio­lo­ge Di­dier Eri­bon, und er ent­stammt ei­nem völ­lig an­de­ren Mi­lieu. Auf­ge­wach­sen in ei­ner Ar­bei­ter­fa­mi­lie, traf er, erst als er sei­ne Hei­mat ver­liess, auf Men­schen mit Bil­dung und Pri­vi­le­gi­en. Spä­ter kapp­te er al­le fa­mi­liä­ren Bin­dun­gen, weil er die Eng­stir­nig­keit und den Ras­sis­mus sei­ner Ver­wand­ten nicht er­trug. Ich hin­ge­gen traf, erst als ich Frei­burg ver­ liess, auf Men­schen oh­ne Bil­dung und Pri­vi­le­gi­en. Erst in der Fer­ne be­griff ich, wie glück­lich mei­ne Kind­heit war, nicht nur weil man sie «be­hü­tet» nen­nen kann, son­dern auch weil die Vor­stel­lun­gen von rich­tig und falsch, die die El­tern mir mit­ga­ben, sich in mei­nem wei­te­ren Le­ben be­währ­ten.

Als mei­ne El­tern in den 1970er-jah­ren an die Frei­bur­ger Uni­ver­si­tät ka­men, mach­ten die 68er gera­de ih­ren Ab­schluss. Mei­ne El­tern und ih­re Freun­de lies­sen sich die Haa­re wach­sen, zo­gen aus­ge­lei­er­te Floh­markt­pul­lis an, la­sen Je­an-paul Sart­re und Si­mo­ne de Be­au­voir, tra­ten mar­xis­tisch-le­ni­nis­ti­schen Grup­pen bei. Der Stu­die­ren­den­rat kämpf­te um die Macht an der Uni, und an die Fas­sa­de hat­te je­mand den Satz ge­sprüht: «Hol­ger Meins ist tot.» Die Ro­te Ar­mee Frak­ti­on, die links­ex­tre­me Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on, kam gera­de auf, und ihr in­haf­tier­tes Mit­glied Hol­ger Meins hat­te den Hun­ger­streik nicht über­lebt. Be­zeich­nen­der­wei­se ha­ben mei­ne El­tern sich auf ei­ner De­mons­tra­ti­on ken­nen ge­lernt.

Ich kann mir das al­les nur noch schwer vor­stel­len. Heu­te, in ei­ner Zeit vol­ler Lärm und Un­ge­wiss­heit, seh­nen wir uns nach Klar­heit und Ori­en­tie­rung, wie es der Uni­ver­sal­his­to­ri­ker Yu­val Noah Hara­ri so tref­fend be­schreibt. Die Ge­ne­ra­ti­on mei­ner El­tern wuchs in ei­ner völ­lig an­de­ren Stim­mung auf. Mei­ne Mut­ter, die Psy­cho­lo­gin, be­schreibt es rück­bli­ckend als Ge­fühl der En­ge. Es ist Abend, und wir sit­zen ge­mein­sam in der Kü­che mei­ner El­tern, wie frü­her, als ich noch zu Hau­se wohn­te. Es ist noch im­mer küh­ler als in mei­ner Zürcher Woh­nung, aber in­zwi­schen stimmt mich das nost­al­gisch.

Ich bin nach Frei­burg ge­kom­men, um her­aus­zu­fin­den, war­um die AFD, die neue rech­te Par­tei «Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land», Men­schen wie mei­ne El­tern so hasst. Wir trin­ken ba­di­schen Weiss­wein, und mei­ne Mut­ter sagt: «Links zu sein war ei­ne be­wuss­te Ent­schei­dung. Es war aber nicht nur po­li­ti­sches Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl, son­dern auch deut­lich coo­ler, als rechts zu sein.» Zu­dem, er­zählt sie, war es ei­ne Re­bel­li­on ge­gen die El­tern­häu­ser. Tisch­ge­bet, ge­floch­te­ner Zopf, lan­ge Rö­cke, Knicks ma­chen, die Ga­bel kor­rekt hal­ten – so war mei­ne Mut­ter er­zo­gen wor­den. Was mei­ne Ge­ne­ra­ti­on am meis­ten von ih­rer Ge­ne­ra­ti­on un­ter­schei­de, sagt sie, sei der Um­gang mit den Äl­te­ren. «Wir hat­ten ein mas­si­ves Au­to­ri­täts­pro­blem. Für die El­tern­ge­ne­ra­ti­on emp­fan­den wir ei­ne Mi­schung aus Re­spekt und Angst.» Der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus war erst dreis­sig Jah­re her, je­ne, die den Ho­lo­caust un­ter­stützt oder zu­min­dest nicht ver­hin­dert hat­ten, leb­ten gröss­ten­teils noch. Sie sas­sen in Ge­rich­ten, Ver­lags­häu­sern, Un­ter­neh­men, Uni­ver­si­tä­ten und Re­gie­run­gen. Der Mi­nis­ter­prä­si­dent von Ba­den-würt­tem­berg, das Bun­des­land, zu dem Frei­burg ge­hört, hiess Hans Fil­bin­ger und re­prä­sen­tier­te die kon­ser­va­ti­ve Mehr­heit. Erst als 1978 be­kannt wur­de, dass er als Rich­ter im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus meh­re­re To­des­ur­tei­le ge­fällt hat­te, muss­te er zu­rück­tre­ten.

Die Stu­di­en­zeit mei­ner El­tern fiel zu­sam­men mit der Kanz­ler­schaft von Hel­mut Schmidt, des­sen hun­derts­ter Ge­burts­tag die­ser Ta­ge in Deutsch­land ge­fei­ert wird und des­sen öf­fent­li­chen Deu­tun­gen des Welt­ge­sche­hens in sei­nen letz­ten Le­bens­jah­ren kaum ei­ner wi­der­sprach. Mei­ne Mut­ter er­in­nert sich an Hel­mut Schmidt vor al­lem als den deut­schen Bun­des­kanz­ler, der die Po­li­zei auf­rüs­te­te und die Be­rufs­ver­bo­te ge­gen so­ge­nann­te Ver­fas­sungs­fein­de bis 1979 auf­recht­er­hielt. Das Ge­setz traf al­le, die mit kom­mu­nis­ti­schen Ide­en sym­pa­thi­sier­ten und zum Bei­spiel Leh­rer wer­den woll­ten. Wäh­rend al­te Na­zis ih­ren Be­ruf un­ge­hin­dert aus­üben konn­ten, gab es für ei­ni­ge Kom­mi­li­to­nen mei­ner El­tern kei­nen an­de­ren Weg, als Ta­xi­fah­rer zu wer­den.

Al­te Fein­de, neue Fein­de

Man kann die De­bat­te, die heu­te in Deutsch­land ge­führt wird, nur ver­ste­hen, wenn man die­se Zeit ver­steht: ei­ne ex­tre­me Po­la­ri­sie­rung zwi­schen rechts und links, ge­nau wie heu­te wie­der, mit dem Un­ter­schied, dass da­mals nicht die Rech­ten, son­dern die Lin­ken die New­co­mer wa­ren. Die Feind­bil­der mei­ner El­tern wa­ren: die al­ten Na­zis, al­les Au­to­ri­tä­re, der Ka­pi­ta­lis­mus, die Atom­kraft, das «Esta­blish­ment». Mei­ne El­tern und ih­re Freun­de woll­ten al­les an­ders ma­chen, al­les neu er­fin­den. Sie wa­ren über­zeugt, es kön­ne nur bes­ser wer­den.

Ähn­lich geht es heu­te den Po­li­ti­kern der AFD. Auch sie fin­den, Deutsch­land müs­se sich ra­di­kal ver­än­dern, es kön­ne nur bes­ser wer­den. Ih­re Vi­si­on ist ei­ne völ­lig an­de­re: ein star­ker Na­tio­nal­staat, we­ni­ge Aus­län­der, kon­ser­va­ti­ve Wer­te. Ih­re Feind­bil­der: Flücht­lin­ge, Fe­mi­nis­tin­nen, der Is­lam, die Eu­ro­päi­sche Uni­on und vor al­lem – das «Esta­blish­ment». Sie ver­wen­den den glei­chen Be­griff wie die Stu­den­ten­be­we­gung der 1970er-jah­re, aber ge­meint sind dies­mal an­de­re. Es geht der Neu­en Rech­ten nicht um die klas­si­schen Merk­ma­le der Macht – ei­ne pri­vi­le­gier­te Her­kunft, Bil­dung, Geld. Die ver­kör­pern sie teil­wei­se selbst. Der Vor­sit­zen­de der AFD, Alex­an­der Gau­land, hat ei­nen Dok­tor­ti­tel, Bea­trix von Storch, ei­ne stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Bun­des­tags­frak­ti­on, ist ei­ne ge­bo­re­ne Her­zo­gin.

Es geht der Neu­en Rech­ten um das, was da­mals auch mei­ne El­tern an­streb­ten: die Deu­tungs­ho­heit in der Ge­sell­schaft. Es geht dar­um, wer die öf­fent­li­che Agen­da be­stimmt, wer fest­legt, was ein ak­zep­ta­bler Stand­punkt ist und was nicht. Das Afd-pro­gramm sei ein Fahr­plan «weg vom ver­siff­ten links-rot-grü­nen 68er-deutsch­land, von dem wir die Na­se voll ha­ben», sag­te Jörg Meu­then, ei­ner der zwei Vor­sit­zen­den der AFD. Seit­her wird die­ses Res­sen­ti­ment ge­füt­tert, und ich kann mich nicht des Ein­drucks er­weh­ren, dass es sich ge­gen ge­nau das Mi­lieu rich­tet, in dem ich auf­ge­wach­sen bin.

Ein paar Ta­ge spä­ter, mei­ne El­tern und ich sit­zen beim Abend­es­sen, be­fra­ge ich mei­nen Va­ter zur AFD. Nein, er ken­ne nie­man­den, der mit der Par­tei sym­pa­thi­sie­re, sagt er. Das über­rascht mich nicht, der Freun­des­kreis mei­ner El­tern ist noch im­mer der glei­che wie in den 1970er-jah­ren. Heu­te ist mein Va­ter Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät, an der er da­mals de­mons­trier­te. «Wenn du mit Afdlern spre­chen willst, musst du wohl nach Chem­nitz fah­ren», sagt er.

Aber so ein­fach ist es nicht. Bei der nächs­ten Frei­bur­ger Re­gie­rungs­wahl wird die AFD mit ei­ge­ner Lis­te an­tre­ten, das hat sie an­ge­kün­digt, in man­chen Stadt­tei­len rech­net sie mit zwan­zig Pro­zent. Nicht nur in Ost­deutsch­land, auch hier im Bun­des­land Ba­den-würt­tem­berg ist die AFD laut Um­fra­gen die dritt­stärks­te Par­tei. Trotz­dem: Auch mei­ne Mut­ter hat noch kei­nen Afd-wäh­ler per­sön­lich ge­trof­fen. «Und in dei­ner Pra­xis?», fra­ge ich, im Wis­sen, dass dort sehr un­ter­schied­li­che Men­schen ein und aus ge­hen. Mei­ne Mut­ter schüt­telt den Kopf: «Auch da nicht, die las­sen sich wohl nicht be­ra­ten.»

Mei­ne El­tern, die seit über vier­zig Jah­ren in Frei­burg le­ben und bes­tens ver­netzt sind, ken­nen die AFD nur aus den Nach­rich­ten. Ähn­lich geht es mei­nen Ju­gend­freun­den und -freun­din­nen. Man­che wis­sen vom Bru­der ei­nes an­ge­hei­ra­te­ten On­kels oder von ei­nem ent­fern­ten Be­kann­ten, dem sie auf ei­nem Fest vor­ge­stellt wur­den, der wohl AFD wählt – mehr nicht. Sie ha­ben im All­tag null Be­rüh­rung mit den neu­en Rech­ten. Um­ge­kehrt be­deu­tet das, auch die Afd-sym­pa­thi­san­ten kön­nen kaum je­man­den aus mei­nem Mi­lieu ken­nen. So funk­tio­nie­ren Feind­bil­der na­tür­lich am bes­ten – aus mög­lichst gros­ser Dis­tanz.

Das päd­ago­gi­sche Kon­zept, das mei­ne El­tern und so­mit mei­ne Kind­heit ge­prägt hat, er­ken­ne ich rück­bli­ckend als die «Po­li­tik der ers­ten Per­son», al­so die Po­li­ti­sie­rung der Pri­vat­sphä­re. Das Stan­dard­werk da­zu hat Ka­te Mil­lett ge­schrie­ben; es heisst «Se­xu­al Po­li­tics» und ist ein Plä­doy­er da­für, Macht­ver­hält­nis­se in­ner­halb der Fa­mi­lie neu zu den­ken. Mei­ne Mut­ter hat es selbst­ver­ständ­lich ge­le­sen, ne­ben vie­len an­de­ren Bü­chern zum The­ma Er­zie­hung, Mut­ter­schaft, gleich­be­rech­tig­te Part­ner­schaft. Ei­ni­ge hat sie bis heu­te auf­ge­ho­ben, dar­un­ter «Vor­sicht Kind» von Bar­ba­ra Sich­ter­mann, ei­ne An­lei­tung, wie man

Im Wohn­zim­mer ste­hen heu­te Ba­rock­kom­mo­den und Ming-va­sen. In der Kü­che wird wei­ter­hin aus der al­ten An­ti-akw­tas­se ge­trun­ken.

Kin­dern auf Au­gen­hö­he be­geg­net und Män­ner in die Er­zie­hung ein­bin­det. Spä­ter ka­men die Schrif­ten von Éli­sa­beth Ba­d­in­ter da­zu. Un­ter der Pa­ro­le «Das Pri­va­te ist po­li­tisch» wur­de die Fa­mi­lie zu ei­nem ideo­lo­gi­schen Kampf­platz, auch wenn mei­ne Mut­ter das heu­te an­ders aus­drückt. Sie sagt: «Wir ha­ben uns wahn­sin­nig un­ter Druck ge­setzt, mit un­se­ren Kin­dern al­les rich­tig zu ma­chen, nach der gan­zen Theo­rie, die wir wäh­rend des Stu­di­ums ge­le­sen hat­ten.»

Ich war das ers­te Kind mei­ner El­tern und die Theo­rie noch frisch. Ich ging al­so in ei­nen so­ge­nann­ten Kin­der­la­den. Wenn man heu­te «Kin­der­la­den» goo­gelt, stösst man auf Ge­schäf­te, in de­nen Mar­ken­klei­der für Ba­bys an­ge­bo­ten wer­den, in den 80er-jah­ren aber war der Kin­der­la­den ein Ge­gen­ent­wurf zum au­to­ri­tä­ren Er­zie­hungs­stil, von dem sich mei­ne El­tern ab­gren­zen woll­ten. Die ers­ten Kin­der­lä­den er­öff­ne­ten in ehe­ma­li­gen La­den­lo­ka­len, da­her der Na­me, und Päd­ago­gik war auch Pro­test­form: Au­gen­hö­he statt Hier­ar­chie. Wi­der­spruch statt Ge­hor­sam. Be­zie­hun­gen statt Re­geln. Wir Kin­der soll­ten ler­nen, selbst zu den­ken und selbst zu be­wer­ten, um spä­ter als Er­wach­se­ne kei­nes­falls wie ei­ne Her­de Scha­fe in den nächs­ten Welt­krieg zu trot­ten. Es gab ein stän­di­ges Schuld­be­wusst­sein auf­grund der Ge­schich­te.

Im Kin­der­la­den konn­te man ma­chen, was man woll­te. Sich im Schlamm wäl­zen, die Haa­re ab­schnei­den, schla­fen, Löf­fel ver­bie­gen – so je­den­falls ha­be ich es in Er­in­ne­rung. Nach­mit­tags wur­de man von ei­nem Er­zie­her in ei­nem Au­to mit dröh­nen­den Bo­xen nach Hau­se ge­fah­ren. Das gan­ze Aus­mass des Un­kon­ven­tio­nel­len be­griff ich erst, als ich mei­ne Schwes­ter in dem kirch­li­chen Kin­der­gar­ten be­such­te, in den sie wech­sel­te, weil er bes­ser lag. Dort gab es kei­nen Frank mit lan­gen Haa­ren, son­dern nur Be­treue­rin­nen und vor al­lem sehr vie­le Re­geln. Pick­ni­cken im Stuhl­kreis, ge­mein­sa­mes Lie­der­sin­gen, Draus­sen­spie­len nur zu be­stimm­ten Zei­ten.

Auch zu Hau­se folg­te un­se­re Er­zie­hung ei­ner grös­se­ren Idee. Kei­ne Bar­bies, kein Ro­sa, kein Plas­tik­spiel­zeug. Wir mach­ten in der Woh­nung nur so viel Licht wie nö­tig und gin­gen mit Ju­te­säcken ein­kau­fen. 1977 ver­hin­der­ten mei­ne El­tern ge­mein­sam mit an­de­ren Ak­ti­vis­ten und ba­di­schen Win­zern den Bau des ers­ten deut­schen Atom­kraft­werks, und in ih­rem Kü­chen­re­gal steht bis heu­te ei­ne hand­ge­töp­fer­te Tas­se mit dem Schrift­zug «AKW – nein dan­ke».

Es war ei­ne deutsch­land­wei­te Be­we­gung, nach und nach schäl­ten sich aus dem Pro­test ge­sell­schaft­li­che Struk­tu­ren her­aus: Erst der Ver­ein «Bund für Um­welt und Na­tur­schutz», dann die lin­ke Ta­ges­zei­tung «taz», die mei­ne El­tern so­fort abon­nier­ten, und 1980 die Par­tei «Die Grü­nen», die mei­ne El­tern von nun an wähl­ten. Bis heu­te ver­bin­det Frei­burg und die Grü­nen ei­ne be­son­de­re Be­zie­hung: Nir­gends in Deutsch­land hat die Par­tei so vie­le Un­ter­stüt­zer wie hier. Seit 2011 re­giert in Ba­den-würt­tem­berg der ers­te und bis heu­te ein­zi­ge grü­ne Mi­nis­ter­prä­si­dent.

Die grü­ne Mus­ter­stadt

Wenn ich wo­an­ders in Deutsch­land er­zäh­le, dass ich in Frei­burg auf­ge­wach­sen bin, dann leuch­ten die Au­gen, als sprä­chen wir über die letz­ten Fe­ri­en. So viel Son­ne, so grün, die schö­ne Alt­stadt, Spar­gel und Erd­bee­ren, die­se of­fe­nen Men­schen. Al­le be­nei­den mich. Wie al­so kann die AFD die­sen Le­bens­ent­wurf ab­schaf­fen wol­len?

Ich be­su­che Ma­ria Vie­then, Frei­burgs be­kann­tes­te Grü­nen-po­li­ti­ke­rin. In den 1970er-jah­ren be­setz­te sie Häu­ser und ver­kehr­te im glei­chen Freun­des­kreis wie mei­ne El­tern. Heu­te ist sie Rechts­an­wäl­tin und sitzt seit 24 Jah­ren in der Stadt­re­gie­rung. An ei­nem Sonn­tag­nach­mit­tag öff­net sie mir die Woh­nungs­tür, sie hat gera­de ih­re En­kel­kin­der ver­ab­schie­det. Dass Frei­burg heu­te so grün ist, liegt auch an ihr. Die 68er­ge­ne­ra­ti­on hat­te sich für die Welt­re­vo­lu­ti­on in­ter­es­siert, Ma­ria Vie­then und ihr Mann hin­ge­gen in­ter­es­sier­ten sich für Frei­burg und stie­gen di­rekt nach dem Stu­di­um in die Lo­kal­po­li­tik ein.

«War­um wäh­len die Men­schen hier die AFD?», will ich wis­sen. Vie­then kennt – wie mei­ne El­tern – nie­man­den per­sön­lich, der mit den Rech­ten sym­pa­thi­siert. Aber kürz­lich führ­te sie ein Ge­spräch mit ei­nem Lo­kal­jour­na­lis­ten, das sie nach­denk­lich stimm­te. «Er sag­te zu mir: Ihr habt doch über­all ge­siegt: das gan­ze Mul­ti­kul­ti, Schwu­le, die Kin­der ad­op­tie­ren dür­fen, Fahr­rad­we­ge und So­lar­zel­len. Ihr über­geht Leu­te, die schwei­gen, für die das al­les nicht so nah ist. Ihr müsst doch nicht ver­su­chen, die Ge­sell­schaft zu hun­dert Pro­zent nach eu­ren Vor­stel­lun­gen zu ge­stal­ten. Das weckt Un­mut.»

In Frei­burg ist der Main­stream grün und li­be­ral – so sieht es auch Ma­ria Vie­then. Als die Stadt 2015 Un­ter­künf­te für Flücht­lin­ge such­te, er­zählt sie, ka­men mehr Leu­te, die Flücht­lin­ge un­ter­brin­gen woll­ten, als Flücht­lin­ge. Bei De­mons­tra­tio­nen ge­gen Pe­gi­da lau­fen re­gel­mäs­sig meh­re­re Tau­send Leu­te mit, was viel ist bei ei­ner Stadt mit 220 000 Ein­woh­nern. So­gar als 2016 ein Af­gha­ne ei­ne Stu­den­tin ver­ge­wal­tig­te und er­mor­de­te, ein Fall, der deutsch­land­weit Auf­se­hen er­reg­te, sei­en die Frei­bur­ge­rin­nen und Frei­bur­ger be­son­nen ge­blie­ben. Gera­de er­schüt­tert wie­der ein Ge­walt­ver­bre­chen die Stadt: Ei­ne jun­ge Frau ist ver­ge­wal­tigt wor­den, und weil die Tat­ver­däch­ti­gen über­wie­gend aus Sy­ri­en stam­men, hat die AFD zu ei­ner De­mons­tra­ti­on auf­ge­ru­fen – mehr als drei­mal so vie­le Men­schen schlos­sen sich aber der Ge­gen­de­mons­tra­ti­on an.

«Ich den­ke, ob man mit der AFD sym­pa­thi­siert oder nicht, ist we­ni­ger ei­ne Fra­ge des Gel­des als der Kul­tur», sagt Ma­ria Vie­then. «Es hängt vor al­lem da­von ab, ob man sich Ver­än­de­run­gen ge­gen­über ver­schliesst, weil sie ei­nem Angst ma­chen, oder ob man sich stark ge­nug fühlt, sie an­zu­neh­men.»

Das Wort «Gut­mensch» hört man vi­el­leicht des­halb wie­der öf­ter, weil die­je­ni­gen, die es ver­wen­den, der Mei­nung sind, Leu­te wie mei­ne El­tern oder Ma­ria Vie­then hät­ten ei­nen ab­surd ho­hen mo­ra­li­schen An­spruch, uto­pi­sche Vor­stel­lun­gen des Zu­sam­men­le­bens, die man sich nur leis­ten kann, wenn man ei­ne schö­ne gros­se Woh­nung hat und ge­nug Geld.

Tat­säch­lich hat­ten mei­ne El­tern we­nig Geld, als ich klein war. Mein Va­ter mach­te ei­ne teu­re Aus­bil­dung zum Psy­cho­ana­ly­ti­ker, und mei­ne Mut­ter konn­te mit drei klei­nen Kin­dern nur stun­den­wei­se ar­bei­ten. Sich von ih­ren El­tern un­ter­stüt­zen zu las­sen, hät­te dem po­li­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis mei­ner El­tern wi­der­spro­chen. Es gab al­so oft Spa­ghet­ti, wir tru­gen ge­brauch­te Klei­der und gin­gen nie ins

Ki­no oder den Eu­ro­pa­park, was aber eben­falls in das po­li­ti­sche Selbst­ver­ständ­nis mei­ner El­tern pass­te, denn Konsum fan­den sie ver­ach­tens­wert. Der ein­zi­ge Lu­xus war un­se­re gros­se Woh­nung.

Un­ser ein­fa­ches Le­ben war selbst ge­wählt. Ich kann mich nicht er­in­nern, mei­ne Mut­ter je­mals beim «Shop­pen» be­glei­tet zu ha­ben – das Wort wür­de ihr gar nicht über die Lip­pen kom­men. Ist es vi­el­leicht gera­de das, was Af­dmen­schen pro­vo­ziert: die­ser läs­si­ge, selbst­be­wuss­te Ver­zicht? Ein bis­wei­len de­mons­tra­ti­ver Ver­zicht auch, der al­len, die das neue ipho­ne und Fe­ri­en in der Ka­ri­bik wol­len, mit­teilt: Wir sind die Gu­ten, ihr seid die Doo­fen?

Na­tür­lich gab es be­reits in den 80er- und 90er-jah­ren Kon­ser­va­ti­ve in Frei­burg. Sie leb­ten in den glei­chen Vier­teln wie wir, und man er­kann­te sie an ih­rer Klei­dung: Sie­gel­rin­ge, Bar­bour-ja­cken, Sei­den­fou­lards. Auch ih­re Woh­nun­gen wa­ren an­ders ein­ge­rich­tet, mit An­ti­qui­tä­ten und Per­ser­tep­pi­chen. An Weih­nach­ten sas­sen sie vor uns in der Kir­che und er­schie­nen mir zwar ein biss­chen steif und alt­mo­disch, aber sonst war nichts ge­gen sie ein­zu­wen­den. Auf an­ge­neh­me Wei­se er­in­ner­ten sie mich an den letz­ten Be­such bei mei­nen Gros­s­el­tern, wo eben­falls Öl­bil­der an den Wän­den hin­gen und mit Sil­ber­be­steck ge­ges­sen wur­de. Die Kon­ser­va­ti­ven mei­ner Kind­heit, so schien es mir, re­prä­sen­tier­ten die Vor­kriegs­ver­gan­gen­heit. Sie in­ter­es­sier­ten sich nicht für die ge­sell­schaft­li­chen Pro­ble­me, die bei uns zu Hau­se dis­ku­tiert wur­den, AKWS, Na­zis, Um­welt­schutz und so­zia­le Ge­rech­tig­keit, aber sie stör­ten auch nie­man­den. Ihr Kon­ser­va­tis­mus war Pri­vat­sa­che.

Mei­ne El­tern wa­ren durch ih­re Stu­di­en­zeit ge­prägt, aber na­tür­lich kei­ne neu­en Men­schen ge­wor­den. Sie wa­ren bei­de in (gross-)bür­ger­li­chen Fa­mi­li­en auf­ge­wach­sen, und das traf auch auf die meis­ten ih­rer Freun­de zu. Kaum je­mand kam aus ei­ner Ar­bei­ter­fa­mi­lie, und es gal­ten stren­ge pro­tes­tan­ti­sche Wer­te. Sie hat­ten nicht nur ge­mein­sa­me Ide­en für die Zu­kunft, son­dern auch ei­ne ähn­li­che Ver­gan­gen­heit.

Mei­ne Mut­ter er­in­nert sich, dass ih­re El­tern sich ei­ne Zeit lang sehr um sie sorg­ten. Und zwar, nach­dem be­kannt wur­de, dass vie­le Mit­glie­der der Ro­te-ar­mee-frak­ti­on aus pro­tes­tan­ti­schen, bür­ger­li­chen El­tern­häu­sern ka­men. Seit An­fang der 70er-jah­re ver­üb­te die RAF Bank­über­fäl­le, Spreng­stoff­at­ten­ta­te, Gei­sel­nah­men und Mor­de an Po­li­ti­kern. Die prin­zi­pi­en­ge­lei­te­te Er­zie­hung des deut­schen Bür­ger­tums schnell­te nun wie ein Bu­me­rang zu­rück: Ge­nau­so kon­se­quent und un­er­bitt­lich, wie sie er­zo­gen wor­den wa­ren, rech­ne­ten die Raf-ter­ro­ris­ten

Mei­ne El­tern und ih­re Freun­de woll­ten al­les an­ders ma­chen. Sie wa­ren über­zeugt, es kön­ne nur bes­ser wer­den. So ähn­lich geht es heu­te den Po­li­ti­kern der AFD.

nun mit dem ver­hass­ten Staat ab, dem sie vor­war­fen, die Na­zi­ver­gan­gen­heit zu ver­tu­schen und An­ders­den­ken­de mund­tot zu ma­chen. Die Sor­gen mei­ner Gros­s­el­tern wa­ren un­nö­tig. Mei­ne Mut­ter spricht zwar bis heu­te von Raf«mit­glie­dern» statt von Ter­ro­ris­ten und de­mons­trier­te für bes­se­re Haft­be­din­gun­gen, aber Ge­walt lehn­te sie im­mer ab.

BMW und bür­ger­li­che Wen­de

Mit der Zeit wur­den mei­ne El­tern prag­ma­ti­scher, drei klei­ne Kin­dern hal­fen si­cher da­bei. Wir mach­ten Fe­ri­en in Spa­ni­en, auch wenn man da­für ins Flug­zeug stei­gen muss­te, und kauf­ten Pa­pier­ta­schen­tü­cher, ob­wohl das un­nö­ti­gen Müll pro­du­zier­te. Als wir äl­ter wur­den und mei­ne Gros­s­el­tern star­ben, erb­ten mei­ne El­tern. Nicht so viel wie die Oet­kers und Quandts, aber deut­lich mehr als der Durch­schnitt. Mein Va­ter kauf­te ei­ne Woh­nung, die noch et­was grös­ser war als un­se­re al­te. Aus­ser­dem ei­nen ge­brauch­ten BMW, was zu Streit zwi­schen mei­nen El­tern führ­te, weil mei­ne Mut­ter dar­in – an­ders als in un­se­rem al­ten VW Pas­sat – ein Sta­tus­sym­bol der Bon­zen sah. Ver­mut­lich kam ihr auch der Ge­dan­ke, dass ih­re Freun­de, mit de­nen sie frü­her Pla­ka­te ge­klebt hat­te, die­se Ent­schei­dung eben­falls als Ver­rat be­trach­ten könn­ten. Mein Va­ter setz­te sich durch, und mei­ne Mut­ter ar­ran­gier­te sich mit dem BMW.

Heu­te ste­hen im Wohn­zim­mer mei­ner El­tern Ba­rock­kom­mo­den und Ming-va­sen, Erb­stü­cke der Gros­s­el­tern. Doch in der Kü­che wird wei­ter­hin aus der An­ti-akw-tas­se ge­trun­ken und die ka­put­te Sa­latschleu­der aus Wg-zei­ten be­nutzt. Auf ei­ner De­mons­tra­ti­on wa­ren mei­ne El­tern schon lan­ge nicht mehr, aber sie le­sen wei­ter­hin die «taz», und mei­ne Mut­ter wählt kon­se­quent grün. Vor ei­ni­gen Jah­ren gab mein Va­ter sei­ne Stim­me erst­mals der CDU, es war ei­ne Ent­schei­dung für An­ge­la Mer­kel, der er am ehes­ten zu­trau­te, die Fi­nanz­kri­se zu be­wäl­ti­gen. Ich woll­te das erst nicht glau­ben, mei­ne Mut­ter war em­pört. Aber spä­tes­tens seit die Frau­en­quo­te und der Atom­aus­stieg be­schlos­sen sind, die Flücht­lin­ge will­kom­men ge­heis­sen und nun so­gar die Ho­mo-ehe ver­ab­schie­det, fin­den auch wir An­ge­la Mer­kel ei­ne gu­te Po­li­ti­ke­rin.

Mei­ne El­tern sind bür­ger­li­cher ge­wor­den, aber die CDU ist un­ter der Füh­rung von An­ge­la Mer­kel auch li­be­ra­ler ge­wor­den. Auf den Rück­schei­ben der par­ken­den Au­tos in un­se­rem Vier­tel kle­ben noch im­mer Sti­cker wie «Kein Mensch ist il­le­gal» und «Wald und Kli­ma ret­ten».

Mein Va­ter wä­re nicht mein Va­ter, wenn un­ser Ge­spräch über die AFD ihn nicht nach­denk­lich ge­macht hät­te. Als er im Thea­ter ei­nen Kol­le­gen trifft, fragt er ihn, ob er je­man­den von der AFD ken­ne. Der Kol­le­ge nennt ihm den Na­men ei­ner Po­li­to­lo­gin.

Ich tref­fe El­ke Fein in ei­nem Ca­fé, und sie sagt gleich, dass sie den Na­men der Par­tei nur un­gern laut aus­spricht. Fein, die mit ih­rem herz­li­chen Lä­cheln und ih­rem dun­kel­ro­ten Woll­bla­zer ge­nau­so Mit­glied der Grü­nen sein könn­te und die Par­tei auch schon ge­wählt hat, wur­de 2013, gleich nach Grün­dung der AFD, Spre­che­rin der AFD Ba­den-würt­tem­berg. Ihr The­ma: die Eu­ro­päi­sche Uni­on. Ein über­di­men­sio­nier­tes Ge­bil­de, an dem sie vie­les stört. Grie­chen­land und ei­gent­lich auch Ita­li­en sä­he sie lie­ber nicht in der Wäh­rungs­uni­on.

El­ke Fein ge­hör­te zu den Pio­nie­ren der AFD. Men­schen wie sie ha­ben die Par­tei gross ge­macht, die in ih­rer An­fangs­zeit wohl die deut­sche Par­tei mit den meis­ten Aka­de­mi­kern war und we­der rechts noch links sein woll­te. Aber es dau­er­te nicht lan­ge, dann über­nah­men an­de­re – erst Frau­ke Pe­try, spä­ter Ali­ce Wei­del, Alex­an­der Gau­land, Björn Hö­cke, ra­di­ka­le­re Fi­gu­ren, die vor al­lem ge­gen Flücht­lin­ge wet­tern und sich nicht von Neo­na­zis ab­gren­zen.

Nach nur ein­ein­halb Jah­ren trat El­ke Fein wie­der aus der Par­tei aus. Das lag vor al­lem am neu­en ideo­lo­gi­schen Kurs, aber auch dar­an, dass die Un­dif­fe­ren­ziert­heit und das Macht­ge­ran­gel des Po­li­tik­be­triebs sie nerv­ten. Zu­dem er­leb­te sie ih­re frü­he­re Af­dkan­di­da­tur zu­neh­mend als «exis­ten­zi­el­le Be­dro­hung». Stu­die­ren­de äus­ser­ten sich in ih­ren Se­mi­na­ren «be­trof­fen», sagt sie, Kol­le­gen mach­ten spit­ze Be­mer­kun­gen. Vie­le schwie­gen, aber auch das schien ihr be­zeich­nend. Sie hat­te Angst, Lehr­auf­trä­ge zu ver­lie­ren. Aus ei­ner selbst or­ga­ni­sier­ten so­li­da­ri­schen Land­wirt­schafts­ko­ope­ra­ti­ve, wo sie Ge­mü­se an­bau­te, warf man sie raus, nach­dem meh­re­re Mit­glie­der sich ge­wei­gert hat­ten, mit ihr To­ma­ten zu ern­ten oder auch nur auf der glei­chen Bank zu sit­zen.

Ähn­li­che Er­fah­run­gen hat Andre­as Schu­ma­cher ge­macht, ein 25-jäh­ri­ger Ger­ma­nis­tik- und Po­li­tik­stu­dent und Mit­glied des Frei­bur­ger Afd-vor­stands, den ich eben­falls zum Ge­spräch tref­fe. Frei­bur­ge­rin­nen und Frei­bur­ger, dach­te ich im­mer, sind su­per auf­ge­klärt und vor­ur­teils­frei. Aber of­fen­bar en­det die To­le­ranz manch­mal da, wo man­geln­de To­le­ranz ver­mu­tet wird. Die In­to­le­ran­ten wer­den nicht to­le­riert. Das ist nach­voll­zieh­bar, weil es dar­um geht, ge­wis­se Wer­te zu ver­tei­di­gen, aber na­tür­lich auch wi­der­sprüch­lich, wenn man für Mei­nungs­frei­heit ist.

«Frü­her konn­ten wir uns nicht vor­stel­len, Freun­de zu ha­ben, die an­de­re po­li­ti­sche An­sich­ten ha­ben», sagt mei­ne Mut­ter. «In ei­ner ge­wis­sen Wei­se ste­he ich da­zu, aber auf ei­ne an­de­re Wei­se ist das na­tür­lich bor­niert. Denn dar­aus er­wächst ei­ne ge­wis­se Ar­ro­ganz.» Füh­len sich Men­schen wie Fein und Schu­ma­cher von die­sem Über­le­gen­heits­dün­kel ge­kränkt? Vom Gut­men­schen­tum drang­sa­liert?

«Ich ha­be oft das Ge­fühl, ich sa­ge jetzt lie­ber nicht, was ich den­ke», sagt El­ke Fein. Sie hat die Er­fah­rung ge­macht, wenn sie die EU kri­ti­siert und mit na­tio­na­len In­ter­es­sen ar­gu­men­tiert, gilt sie schnell als Na­zi. Es sei gar nicht mög­lich, ei­ne kon­tro­ver­se Dis­kus­si­on zu füh­ren. Für Po­si­tio­nen jen­seits der Mehr­heits­mei­nung müs­se man sich stän­dig recht­fer­ti­gen, das sei auf Dau­er an­stren­gend.

Mit der Par­tei­po­li­tik hat sie ab­ge­schlos­sen, heu­te mo­de­riert sie un­ter an­de­rem Tref­fen zwi­schen Men­schen mit un­ter­schied­li­chen Sicht­wei­sen zum The­ma Mi­gra­ti­on. Ziel ist, ein­an­der zu­zu­hö­ren und re­spekt­voll mit­ein­an­der zu re­den. Ein Va­ter, der mit Af­dpo­si­tio­nen sym­pa­thi­siert, er­klärt zum Bei­spiel ei­nem Alt-68er, war­um es ihm Angst macht, wenn sei­ne Toch­ter al­lein nach Hau­se ra­delt, im Dun­keln vor­bei an den Flücht­lings­un­ter­künf­ten.

Sie­ger und Ver­lie­rer

Die Will­kom­mens­kul­tur, die Deutsch­land heu­te mass­geb­lich prägt, geht zu­rück auf die Idee der in­ter­na­tio­na­len So­li­da­ri­tät. In den 1970er-jah­ren ex­zen­trisch, heu­te Main­stream. So er­ging es auch an­de­ren Ide­en. Die an­ti­au­to­ri­tä­re Er­zie­hung ist nun so selbst­ver­ständ­lich, dass nie­mand das Wort mehr be­nutzt. Al­le sind sich ei­nig, dass man Kin­der we­der an­schrei­en noch schla­gen darf, eben­so, dass auch die Vä­ter Zeit mit ih­nen ver­brin­gen sol­len, der deut­sche Staat er­mun­tert sie so­gar fi­nan­zi­ell da­zu. Die Ver­bre­chen der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten wur­den von Kunst und Po­li­tik auf­ge­ar­bei­tet. Bio­lä­den gibt es an je­der Ecke. Die Psy­cho­lo­gie ist ei­ne an­er­kann­te Wis­sen­schaft – und je­der, der will, kann im Che-gue­va­rat-shirt her­um­lau­fen.

Mei­ne El­tern sind jetzt An­fang sech­zig, zu­frie­den mit ih­rem Le­ben und zu­frie­den mit Deutsch­land. Sie möch­ten, dass al­les im We­sent­li­chen so bleibt. Das ist die De­fi­ni­ti­on von kon­ser­va­tiv – con­ser­va­re, la­tei­nisch für be­wah­ren, er­hal­ten. Ich ver­ste­he mei­ne El­tern: Sie ha­ben ge­nug Geld, in­ter­es­san­te Jobs, und ih­re Ide­en ha­ben sich po­li­tisch durch­ge­setzt. Ihr Le­bens­mo­dell übt ei­ne gros­se An­zie­hungs­kraft aus. Das sieht man auch dar­an, dass vie­le aus mei­ner Ge­ne­ra­ti­on nach dem Stu­di­um zu­rück nach Frei­burg zie­hen, in die Vier­tel, in de­nen sie auf­ge­wach­sen sind, in die Nä­he der Gros­s­el­tern, mit de­nen sie sich gut ver­ste­hen. Nicht we­ni­ge kau­fen mit­hil­fe der El­tern Woh­nun­gen oder Häu­ser, man­che über­neh­men so­gar de­ren Pra­xen oder Kanz­lei­en. Sie wol­len, dass ih­re Kin­der so auf­wach­sen wie sie selbst. Sie ha­ben kein Be­dürf­nis nach Re­bel­li­on. Im Ge­gen­teil, sie wol­len mög­lichst ähn­lich le­ben wie ih­re El­tern.

«Bio­na­de-bour­geois» nennt Andre­as Schu­ma­cher die­ses Mi­lieu – Leu­te, «die im Mer­ce­des zum Bio­la­den fah­ren». Sein Va­ter ist Haus­meis­ter, die mut­ter ar­bei­tet in­der schwan­ge­ren be­ra­tung. Schu­ma­chers The­ma ist die klas­si­sche Fa­mi­lie, die er be­droht sieht vom Gen­der­wahn, von ho­hen Schei­dungs­ra­ten, Ad­op­ti­ons­recht für Ho­mo­se­xu­el­le. Er will Deutsch­land als Na­tio­nal­staat stär­ken und ei­ne Po­li­tik nicht für Min­der­hei­ten, so sieht er es. Sein Gross­va­ter las die «Jun­ge Frei­heit», die rech­tes­te Ta­ges­zei­tung, die man in Deutsch­land kau­fen kann, so be­gann Schu­ma­cher sich für Po­li­tik zu in­ter­es­sie­ren. Er ver­tei­digt Björn Hö­ckes Pa­ro­len, sagt aber auch: «Al­les, was nicht mehr de­mo­kra­tisch ist, hat kei­nen Platz bei uns.» Un­ser Vier­tel kennt er von den Par­tys in der Bur­schen­schaft «Sa­xo-si­le­sia», de­ren schö­ne Alt­bau­vil­la man vom Kü­chen­fens­ter mei­ner El­tern aus sieht.

Die Bur­schen­schaftl er–was ha­ben wir die­be lä­chelt. Die­se arm­se­li­gen Ge­stal­ten, die mit­selts amen Wim­peln vor derB­ru stun­de in­e­mBol­ler­wa gen vol­ler Bier im Mor­gen grau­en die Stras­se her­un­ter tor­kel­ten.Ali­ens. Ein Freund mei­nes Bru­ders zog als Stu­den­tin ein Bur­schen­schaft sh aus, was nie­mand im Freun­des­kreis ver­stand, und fort­an er­hei­ter­ten uns die Ge­schich­ten über die «jun­gen Füch­se», die von den Äl­te­ren als Die­ner miss­braucht wur­den, über die Kot­zwan­ne im Kel­ler und über die «Al­ten Her­ren», ehe­ma­li­ge Mit­glie­der, die nachts mit Ope­ra­ti­ons­be st eck an­rück­ten, um Platz wun­den zu­nä­hen–das Er­geb­nis il­le­ga­ler Fecht­kämp­fe. Sie muss­ten als Kin­der ge­mobbt wor­den sein, ver­mu­te­ten wir, oder sie konn­ten sich der Fa­mi­li­en­tra­dit ion nich­tent-

zie­hen – je­den­falls wa­ren sie in un­se­ren Au­gen be­mit­lei­dens­wert. Heu­te sind vie­le Bur­schen­schaft­ler ak­ti­ve Afd-po­li­ti­ker, der Dach­ver­band hat so­gar ei­ne Afd-wahl­emp­feh­lung ver­öf­fent­licht, denn sie ha­ben viel ge­mein: kei­ne Frau­en, kei­ne Aus­län­der, da­für Pa­trio­tis­mus und re­ak­tio­nä­re Wer­te. Das be­stä­tigt na­tür­lich al­le Vor­ur­tei­le, die wir im­mer hat­ten.

Nach Ha­waii

Mei­ne Mut­ter ist so­fort be­reit, mit mir der Fra­ge nach­zu­ge­hen, wer die Men­schen sind, die die AFD wäh­len. Sie schlägt vor, am Tag der Deut­schen Ein­heit statt in den ma­le­ri­schen Wein­re­ben des Haus­bergs Kai­ser­stuhl in den städ­ti­schen Pro­blem­vier­teln spa­zie­ren zu ge­hen. Von un­se­rer Haus­tür sind es zu Fuss nur we­ni­ge Hun­dert Me­ter, bis man zwi­schen Hoch­häu­sern steht. Ich war wohl vier­zehn, als Jo­sé mich zum Ge­burts­tag ein­lud, ein Klas­sen­ka­me­rad, der mit sei­ner al­lein­er­zie­hen­den Mut­ter hier wohn­te. Es war das ein­zi­ge Mal, dass ich ei­nes die­ser Häu­ser be­trat. Spä­ter war ich für Re­cher­chen in Sl­ums über­all auf der Welt, aber die Be­su­che in mei­ner Hei­mat­stadt ver­brach­te ich im Vil­len­vier­tel.

Wir lau­fen wei­ter, und ich hät­te gern ei­nen Kaf­fee. Wir sind nun in «Ha­waii», wie der Stadt­teil Has­lach­wein­gar­ten auch ge­nannt wird, wo­bei ich nicht weiss, ob sich das die Leu­te in mei­nem Vier­tel aus­ge­dacht ha­ben oder die­je­ni­gen, die in «Ha­waii» woh­nen.

Je­den­falls trinkt man hier wohl nicht Cap­puc­ci­no, wie in der In­nen­stadt. Hier gibt es kei­ne Ca­fés mit Son­nen­ter­ras­se, son­dern nur Ki­o­s­ke. Wir be­stel­len al­so Spezi, ei­ne Mi­schung aus Co­la und Fan­ta, und bli­cken auf die Stras­sen­bahn­hal­te­stel­le. Ein paar Män­ner mit Bier­fla­schen sit­zen auf ei­ner Mau­er – Deut­schrus­sen. Po­ten­zi­el­le Afd-wäh­ler sei­en das, hat­te Andre­as Schu­ma­cher ge­sagt. Am Ki­osk gibt es vie­le rus­si­sche Zei­tun­gen, und Pu­tin un­ter­stützt die AFD. Ei­ne Jungs­gang lun­gert mit ih­ren Fahr­rä­dern vor dem Ki­osk her­um. «Hey, ihr da, geht was Rich­ti­ges spie­len!», schimpft ein Mann in ge­bro­che­nem Deutsch. Frau­en sieht man kei­ne. Je­des Tram, das hält, kippt ei­ne La­dung Men­schen aus, die schnell in den Ein­gän­gen der Hoch­häu­ser ver­schwin­den. Zwei die­ser Hoch­häu­ser soll­ten vor ei­ni­gen Jah­ren pri­va­ti­siert wer­den. Mei­ne Mut­ter stimm­te da­für, weil die Stadt das Geld an­geb­lich brauch­te, wo­von meh­re­re Freun­de, die in­zwi­schen in der Po­li­tik sind, sie über­zeug­ten. Aber die Mehr­heit der Frei­bur­ger war da­ge­gen, wähl­te al­so lin­ker als mei­ne Mut­ter, wes­halb das Vor­ha­ben ge­kippt wur­de und die Häu­ser im Stadt­be­sitz blie­ben. «Wer mit zwan­zig kein Re­vo­lu­tio­när ist, hat kein Herz, und wer es mit vier­zig im­mer noch ist, hat kei­nen Ver­stand», die­ser Satz wird dem Dich­ter Ge­or­ge B. Shaw zu­ge­schrie­ben. Auch mei­ne El­tern sind mit dem Al­ter bür­ger­li­cher ge­wor­den. Wir lau­fen wei­ter und kom­men zu ei­nem Aben­teu­er­spiel­platz, eben­falls ei­ne Er­fin­dung der 70er-jah­re – Kin­der soll­ten im Frei­en her­um­to­ben, Baum­häu­ser bau­en und sich ei­ge­ne Spie­le aus­den­ken – und ein Hin­weis dar­auf, dass wir noch im­mer in Frei­burg sind.

Mei­ne Mut­ter kennt die­sen Stadt­teil und sei­ne Pro­ble­me. Als Psy­cho­lo­gin be­rät sie So­zi­al­ar­bei­ter, die hier im Ein­satz sind. Plat­ten­bau­ten, Dö­ner­bu­den, Shi­sha-bars und Men­schen, die so aus­se­hen, als hät­ten sie noch nie ein Buch ge­le­sen. Ich ge­be zu: Hier wür­de ich nur un­gern woh­nen. Ich glau­be aber nicht, dass sich dar­an et­was än­der­te, wür­de die AFD re­gie­ren.

Ge­org Cre­mer, ein Stu­di­en­freund mei­ner El­tern, heu­te Ge­ne­ral­se­kre­tär bei der Ca­ri­tas, hat kürz­lich das Buch «Ar­mut in Deutsch­land» ver­öf­fent­licht. Dar­in wi­der­spricht er der The­se, die Sche­re zwi­schen Arm und Reich in Deutsch­land ge­he im­mer wei­ter auf. Es ist ei­ne Kla­ge, die ur­sprüng­lich von den Lin­ken stammt; nun wird sie von den Rech­ten ge­nutzt. Cre­mer schreibt, es sei kein Zu­fall, dass po­pu­lis­ti­sche Par­tei­en die Fas­sa­de ei­ner so­zia­len Agen­da auf­bau­ten, oh­ne da­mit ei­ne prak­ti­ka­ble So­zi­al­po­li­tik zu ver­bin­den. So wür­den sie nicht den Ar­men hel­fen, son­dern im Ge­gen­teil, die Angst in der Mit­te der Ge­sell­schaft ver­fes­ti­gen, und das wie­der­um un­ter­gra­be die Be­reit­schaft zur So­li­da­ri­tät.

Na­tür­lich wä­re es schön, wenn es in Deutsch­land kei­ne Po­pu­lis­ten und in Frei­burg kei­ne AFD gä­be. Aber war­um soll hier mög­lich sein, was über­all sonst of­fen­bar un­mög­lich ist? Das kol­lek­ti­ve Schuld­be­wusst­sein in Deutsch­land schwin­det lang­sam, und da­mit wer­den auch die rech­ten Ide­en ent­ta­bui­siert.

«Wir ha­ben da­mals auch viel Mist ge­macht», sagt mei­ne Mut­ter, als wir nach­mit­tags zu Hau­se Ku­chen es­sen. Aus Da­ni­el Or­te­ga in Ve­ne­zue­la und Ro­bert Mu­ga­be in Sim­bab­we wur­den nicht die po­li­ti­schen Licht­ge­stal­ten, die mei­ne El­tern sich in den 70er-jah­ren er­hoff­ten, son­dern nur die nächs­ten Dik­ta­to­ren. Das Er­be von Le­nin und Mao ent­zau­ber­te sich spä­tes­tens durch das En­de der So­wjet­uni­on, und um die For­de­rung nach Ab­schaf­fung des Pri­vat­ei­gen­tums ist es still ge­wor­den, ge­nau­so wie nicht die Kom­mu­ne, son­dern die Klein­fa­mi­lie un­ser vor­herr­schen­des Ge­sell­schafts­mo­dell ist.

Ein bes­se­res Land

Ich ha­be über ei­ne Wo­che bei mei­nen El­tern ge­wohnt, ih­nen vie­le Fra­gen ge­stellt, auch kri­ti­sche, aber am En­de muss ich sa­gen: Ich fin­de, sie ha­ben vie­les rich­tig ge­macht. Deutsch­land ist in den letz­ten Jahr­zehn­ten ein bes­se­res Land ge­wor­den, nicht nur in un­se­rem schö­nen Vil­len­vier­tel, son­dern auch für die meis­ten an­de­ren, und das liegt auch dar­an, dass vie­le Ide­en der Stu­den­ten­be­we­gung heu­te Ge­set­ze sind. Si­cher soll­ten wir manch­mal bes­ser zu­hö­ren, Men­schen wie El­ke Fein zum Bei­spiel.

«Man glaubt ja im­mer, man selbst sei im Recht», hat sie selbst­kri­tisch ge­sagt. Das trifft na­tür­lich auf je­des Mi­lieu zu. Wür­de ich heu­te an­ders den­ken, wenn mei­ne El­tern wie der Gross­va­ter von Andre­as Schu­ma­cher frü­her die rech­te Ta­ges­zei­tung die «Jun­ge Frei­heit» ge­le­sen hät­ten? Vi­el­leicht.

Im Früh­som­mer wird die AFD wohl in die Frei­bur­ger Stadt­re­gie­rung ein­zie­hen. «Ich den­ke nicht, dass wir die so schnell wie­der los­wer­den», sagt die Grü­ne Ma­ria Vie­then.

Als ich mich von mei­nen El­tern ver­ab­schie­de und im Zug sit­ze, neh­me ich mir vor, bald wie­der in mei­ne Hei­mat zu fah­ren, um zu se­hen, was aus ihr wird. Es fühlt sich jetzt nicht mehr nach Ver­gan­gen­heit an.

Die lin­ken Bil­dungs­bür­ge­rin­nen und -bür­ger in Frei­burg las­sen es nicht nur sich selbst gut ge­hen. Das gan­ze Land hat von ih­ren Ide­en pro­fi­tiert.

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