NI­NA Kunz

Ni­na Kunz CO2

Das Magazin - - N° 47 — 24. November 2018 - NI­NA KUNZ ist His­to­ri­ke­rin und Jour­na­lis­tin.

Über CO2 (und was wir so­fort tun kön­nen)

Im De­zem­ber fin­det in Ka­to­wice die Un-kli­ma­kon­fe­renz statt. Es geht um die Um­set­zung des Pa­ri­ser Ab­kom­mens von 2015 – in dem be­schlos­sen wur­de, die Er­der­wär­mung auf un­ter zwei Grad zu be­gren­zen. Wie ist das zu schaf­fen? Ein An­ruf beim Co2-ex­per­ten Re­to Knut­ti.

Herr Knut­ti, Sie sind Pro­fes­sor für Kli­ma­phy­sik an der ETH. Bringt es et­was, wenn ich mein Le­ben än­de­re?

Ja! Denn das Co2-pro­blem ist die Sum­me in­di­vi­du­el­ler Ent­schei­dun­gen. Vor al­lem, wenn man die Wirt­schaft als Re­ak­ti­on auf un­se­re An­sprü­che ver­steht – zum Bei­spiel den, auch im Win­ter Bee­ren zu es­sen.

War­um än­de­re ich mein Le­ben nicht?

Die meis­ten Leu­te än­dern ihr Ver­hal­die

ten erst, wenn es Rah­men­be­din­gun­gen gibt. Die trä­ge Mas­se braucht Vor­schrif­ten, Ver­bo­te – oder fi­nan­zi­el­le An­rei­ze. Als man sag­te: Die al­ten Glüh­bir­nen müs­sen weg, von nun an ver­kau­fen wir nur noch Led-lam­pen, war das Ge­schrei gross. Aber die Leu­te ha­ben sich rasch dar­an ge­wöhnt.

Was wä­re die sinn­volls­te Mass­nah­me?

Am wirk­sams­ten wä­re ei­ne Steu­er auf aus­ge­stos­se­nes CO2, ei­ne Car­bon Tax. In der Schweiz kommt das CO2 je zu ei­nem Drit­tel aus den Ge­bäu­den, der In­dus­trie und der Mo­bi­li­tät. Vie­le Ge­bäu­de sind gut iso­liert, und auch die In­dus­trie ist auf gu­tem Weg – aber die Mo­bi­li­tät macht mir Sor­gen. Im Ben­zin­preis sind fast nur die Kos­ten ein­ge­rech­net, die es braucht, um den Roh­stoff aus dem Bo­den zu ho­len. Nö­tig wä­re ei­ne In­ter­na­li­sie­rung al­ler Kos­ten: Wer ei­nen Li­ter Ben­zin ver­brennt, ver­ur­sacht ei­nen Scha­den, der über tau­send Jah­re an­dau­ert. Rech­net man das mit, müss­te Ben­zin deut­lich teu­rer sein.

Was kann man noch tun?

Vie­les! Man könn­te die In­no­va­ti­on stär­ken und ef­fi­zi­en­te­re Mo­to­ren aus­tüf­teln. Man könn­te den Preis für die En­er­gie an­he­ben, da­mit sich die Leu­te fra­gen: Brau­che ich wirk­lich sechs Lam­pen im Wohn­zim­mer? Die En­er­gie kos­tet ja heu­te nichts mehr! Was zah­len Sie für Strom im Mo­nat?

15 Fran­ken, glau­be ich.

Eben!

Man sagt: Ein Ve­ga­ner ver­braucht pro Tag 1,2 Li­ter Was­ser, ein Fleisch­fres­ser 15 000 Li­ter. Le­ben Sie ve­gan?

Nein, ich le­be we­der ve­gan noch ve­ge­ta­risch. Aber es ist klar, dass die Pro­duk­ti­on von Fleisch und Mil­cher­zeug­nis­sen ein Fak­tor ist, wenn es um die glo­ba­le Er­wär­mung geht. Es kommt je­doch dar­auf an, wo. Wer in den Al­pen ein paar Kü­he hat, scha­det we­ni­ger. Man könn­te da kei­nen Wei­zen an­bau­en, es braucht kein zu­sätz­li­ches Was­ser. Pro­ble­ma­ti­scher sind Mas­sen­tier­hal­tun­gen – wenn das Tier­fut­ter und das Was­ser in Kon­kur­renz ste­hen mit un­se­ren Nah­rungs­mit­teln.

Man hört im­mer wie­der: Das Bes­te, was man für die Um­welt tun kann, ist, kei­ne Kin­der zu ha­ben. Stimmt das?

Ja. Gleich­zei­tig ist es aber ein ir­re­füh­ren­des Ar­gu­ment, da et­wa 10 Pro­zent der Men­schen, glo­bal ge­se­hen, 50 Pro­

Il­lus­tra­tio­nen ALEX­AN­DRA COMPAIN-TISSIER zent des Co2­aus­stos­ses ver­ur­sa­chen. Die Asym­me­trie ist rie­sig! Wir, die west­li­che Welt, le­ben auf viel zu gros­sem Fuss.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.