kro­ge­rus & Tschäp­peler End­lo­se Mee­tings

Das Magazin - - N° 48 — 1. Dezember 2018 - Kro­ge­rus & Tschäp­peler RO­MAN TSCHÄP­PELER ist Krea­tiv­pro­du­zent, MI­KA­EL KRO­GE­RUS ist «Ma­ga­zin»-re­dak­tor; rtmk.ch

Wenn man es ganz ein­fach ha­ben will, dann ist «Sit­zung» fast das gröss­te Übel, das ei­nem an ei­nem ge­wöhn­li­chen Ar­beits­tag pas­sie­ren kann. Aber wo­rin ge­nau liegt das Übel von Mee­tings?

Ei­ne Er­klä­rung bie­tet Par­kin­sons ers­tes Ge­setz. Es be­sagt, dass Ar­beit ge­nau «in dem Mas­se wächst, wie Zeit für ih­re Er­le­di­gung zur Ver­fü­gung steht» (und nicht in dem Mas­se, wie kom­plex sie tat­säch­lich ist). Das heisst, wenn man zum Bei­spiel für ein Mee­ting zwei St­un­den ein­plant, dann wird die Dis­kus­si­on ga­ran­tiert und im­mer min­des­tens zwei St­un­den dau­ern. Wenn Sie aber nur fünf­zehn Mi­nu­ten ver­an­schla­gen, wird das Mee­ting ga­ran­tiert (und min­des­tens) fünf­zehn Mi­nu­ten dau­ern.

Ei­ne Er­kennt­nis, in der viel­leicht et­was we­ni­ger Gra­vi­tas steckt als in New­tons Ent­de­ckung der Schwer­kraft, aber ganz si­cher nicht we­ni­ger Wahr­heit. Denn dass Sit­zun­gen, Pro­jek­te oder Vor­ha­ben im­mer ge­nau so viel (oder mehr) Zeit in An­spruch neh­men, wie man ge­plant hat, nie aber we­ni­ger, scheint ei­ner un­er­klär­li­chen Macht ge­schul­det, die wir ein­fach ak­zep­tie­ren müs­sen.

Cy­ril Nor­th­cote Par­kin­son, ein bri­ti­scher His­to­ri­ker, for­mu­lier­te sein «Ge­setz» ur­sprüng­lich als hu­mo­ris­ti­sche Be­ob­ach­tung der wach­sen­den Bü­ro­kra­tie.

We­ni­ger lus­tig fand es der ita­lie­ni­sche Po­li­ti­ker Ales­san­dro Nat­ta, als er 1986 über die me­ta­st­a­sie­ren­de Bü­ro­kra­tie in sei­nem Land klag­te und ihm der da­ma­li­ge Ge­ne­ral­se­kre­tär der So­wjet­uni­on, Mich­ail Gor­bat­schow, ant­wor­te­te:

«Par­kin­sons Ge­setz gilt über­all.»

So be­die­nen Sie sich des Ge­set­zes: Be­gren­zen Sie Ih­re Mee­tings zeit­lich auf fünf­zehn Mi­nu­ten (die durch­schnitt­li­che Auf­merk­sam­keits­span­ne ei­nes Men­schen liegt so­wie­so bloss bei rund ei­ner Vier­tel­stun­de). Wenn es viel zu be­spre­chen gibt, ma­chen Sie bes­ser vie­le kur­ze Sit­zun­gen als ei­ne viel zu lan­ge.

Idea­ler­wei­se be­nut­zen Sie ei­nen Ti­mer. Wenn er klin­gelt, ist das Mee­ting vor­bei. So­fort.

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