schnell, schnel­ler, Ryf. schliesst die schwei­zer Tri­ath­le­tin zu den Män­nern auf ?

Die Tri­ath­le­tin Daniela Ryf ist so gut, dass sie ei­ne Fra­ge auf­wirft, die im Sport lan­ge ta­bu war: Kommt der Tag, an dem die bes­te Frau den bes­ten Mann über­flü­gelt?

Das Magazin - - N° 49 — 8. Dezember 2018 - Von chris­to fG erts ch

DER DOPPELBISS DER QUAL­LE

An ei­nem Sams­tag­mor­gen im Ok­to­ber, ge­ra­de als die Son­ne über den Hü­geln hin­ter Kai­lua-ko­na auf­geht, springt ei­ne Frau in den Oze­an und denkt, das wer­de der schlimms­te Tag ih­res Le­bens. Ihr lan­ges Haar hat sie un­ter der Ba­de­kap­pe ver­staut, der Kör­per steckt vom Hals bis zu den Kni­en in ei­nem Schwimm­an­zug. Von aus­sen wirkt die Frau wie im­mer, in ih­rem In­nern aber tobt ein Kampf.

Die Frau war schon vie­le Ma­le hier, manch­mal kommt es ihr vor, als wä­re sie in Kai­lua-ko­na ge­bo­ren. In ge­wis­ser Hin­sicht ist sie das auch. Die Ort­schaft auf Big Is­land, der gröss­ten In­sel des Ha­waii-ar­chi­pels, hat ihr Le­ben ver­än­dert und sie zur bes­ten Lang­dis­tanz­tri­ath­le­tin der Welt ge­macht. Sie ist ein­und­dreis­sig Jah­re alt und heisst Daniela Ryf, in der Sze­ne aber wird sie bloss bei ih­rem Über­na­men ge­ru­fen: An­gry Bird.

Den Über­na­men hat ihr der Trai­ner ver­passt, ei­ne An­spie­lung auf das gleich­na­mi­ge Vi­deo­spiel. Dar­in gibt es ei­ne Fi­gur na­mens Stel­la, de­ren Ei­gen­schaf­ten wie die ex­ak­te Be­schrei­bung Daniela Ryfs klin­gen: Stel­la lässt sich von nie­man­dem übers Ohr hau­en, ist schnell ge­lang­weilt, über al­le Mas­sen am­bi­tio­niert und von ei­nem schier un­er­schüt­ter­li­chen Op­ti­mis­mus.

An die­sem Mor­gen in Kai­lua-ko­na wähnt sich Daniela Ryf al­ler­dings kurz da­vor, den Nim­bus der Über­mäch­ti­gen zu ver­lie­ren. Beim Auf­wär­men zum Iron­man Ha­waii ist sie un­ter bei­den Ach­sel­höh­len von ei­ner Qual­le ge­bis­sen wor­den, zu­erst links, dann rechts, höl­li­sche Schmer­zen. Sie fühlt sich aus­ser­stan­de, das Ren­nen zu ab­sol­vie­ren, und schämt sich, auch nur den Ge­dan­ken zu ha­ben, es nicht ins Ziel zu schaf­fen. Sie ist die Vor­jah­res­sie­ge­rin, Vor­vor­jah­res­sie­ge­rin, Vor­vor­vor­jah­res­sie­ge­rin – und gibt ein­fach auf ?

War­um sie trotz­dem ins Ziel kommt, nicht ir­gend­wie, son­dern in­dem sie den Stre­cken­re­kord, den sie seit zwei Jah­ren hält, um wahn­sin­ni­ge zwan­zig Mi­nu­ten un­ter­bie­tet und da­bei nicht nur al­le Frau­en weit hin­ter sich lässt, son­dern auch sa­gen­haft vie­le Män­ner – das ist ei­ne län­ge­re Ge­schich­te. Der Tag, von dem sie be­fürch­te­te, es wer­de der schlimms­te ih­res Le­bens, wird ihr bis­lang bes­ter. An­gry Bird führt den Iron­man Ha­waii in ei­ne neue Ära und stellt mal eben die Welt des Sports auf den Kopf. Seit­her steht ei­ne Fra­ge im Raum, die man lan­ge kaum zu for­mu­lie­ren wag­te: Kommt der Mo­ment, in dem die bes­te Frau den bes­ten Mann über­flü­gelt?

KRIE­GE­RIN UND KÖ­NI­GIN

«Swim 2,4 mi­les, ri­de 112 mi­les, run 26,2 mi­les, brag the rest of your li­fe»: Mit die­sen Wor­ten ver­ab­schie­det sich John Col­lins, ein Com­man­der der US Na­vy, an ei­nem Som­mer­abend 1977 in Ho­no­lu­lu, der Haupt­stadt Ha­waiis, von ei­ner bier­se­li­gen Män­ner­run­de.

Schwimm 3,86 Ki­lo­me­ter, fahr 180,2 Ki­lo­me­ter, lauf 42,195 Ki­lo­me­ter, und prah­le den Rest dei­nes Le­bens da­mit.

Seit St­un­den de­bat­tie­ren die Kum­pels, al­le­samt Aus­dau­er­sport­ler, wel­che Dis­zi­plin die an­stren­gends­te sei. Wie wä­re es, wirft Com­man­der Col­lins ir­gend­wann ein, wenn man den Wai­ki­ki Rough­wa­ter Swim, das Round the Is­land Bi­ke Race und den Ho­no­lu­lu Ma­ra­thon, die drei be­kann­tes­ten Aus­dau­er­prü­fun­gen der In­sel­grup­pe, zu ei­nem Mons­ter­wett­kampf zu­sam­men­fü­gen und ein für al­le­mal den Stärks­ten kü­ren wür­de?

Das ist die Ge­burts­stun­de des Iron­man.

1978 fin­det die Pre­mie­re statt, zwölf Teil­neh­mer er­rei­chen das Ziel, bei­na­he zwölf St­un­den be­nö­tigt der Sie­ger. Dem Pu­bli­kum bie­tet sich ei­ne bi­zar­re Mi­schung aus kör­per­li­chem Wahn­sinn und land­schaft­li­cher Er­ha­ben­heit: hier die aus­ge­laug­ten Sport­ler, de­ren Bli­cke Ge­schich­ten des Lei­dens er­zäh­len, dort die be­tö­ren­de Schön­heit der In­sel. 1981 zieht das Ren­nen schon so vie­le Ver­we­ge­ne an, dass es nach Big Is­land ver­legt wer­den muss. 2018 folgt der gros­se Auf­tritt Daniela Ryfs, der Ge­schich­te schreibt.

Ein Iron­man, man muss sich das kurz vor Au­gen füh­ren, ent­spricht ei­ner Über­que­rung des Zü­rich­sees an sei­ner brei­tes­ten Stel­le plus ei­ner Tour-de-fran­ce-etap­pe plus ei­nem Lauf von Bern nach Spiez. Da­bei schlägt Daniela Ryf ein Tem­po an, das

durch­schnitt­lich trai­nier­te Gleich­alt­ri­ge kei­ne zehn Mi­nu­ten hal­ten könn­ten.

Als sie ei­ne Wo­che vor dem Iron­man an­reist, hat sie ge­ra­de ihr Heat Camp hin­ter sich, das Trai­nings­la­ger, in dem sie sich ein letz­tes Mal schin­de­te, um sich an die Hit­ze und die Feuch­tig­keit zu ge­wöh­nen. Am Flug­ha­fen von Kai­lua-ko­na, ei­nem von Pal­men und Blu­men­fel­dern um­ge­be­nen Platz, der eher an ei­ne Strand­bar er­in­nert, war­tet schon Mä­di auf sie. Ma­de­lei­ne Schoch, wie sie rich­tig heisst, ist ei­gent­lich Pro­jekt­lei­te­rin bei ei­ner Bank, ar­bei­tet als ei­ne von Ryfs bes­ten Freun­din­nen aber auch noch mit ei­nem klei­nen Pen­sum als Race-ma­na­ge­rin. Sie steht an Ryfs Sei­te, wenn sich die­se so sehr auf sich selbst be­sin­nen muss, dass sie zur rück­sichts­lo­sen Kö­ni­gin wird. Dann schickt sie Ma­de­lei­ne Schoch vier­mal am Tag in den Su­per­markt, weil ihr wie­der und wie­der et­was ein­fällt, das sie un­be­dingt braucht.

Ei­ni­ge Wo­chen spä­ter, zwi­schen zwei Mund­voll ei­nes gi­gan­ti­schen Piz­zabur­gers in ei­nem Zürcher Im­biss, wird Daniela Ryf sa­gen, dass sie sich nicht ge­fal­le, wenn sie sich so ver­hält. «Aber in den Ta­gen vor ei­nem Ren­nen geht es nicht an­ders.»

Vom Flug­ha­fen fah­ren die bei­den in das Ap­par­te­ment, das sie auf Big Is­land im­mer be­zie­hen. Es be­fin­det sich et­was ausserhalb Kai­lua-ko­nas und dient Ryf als Rück­zugs­ort. Bei ih­rem ers­ten Ha­waii-start im Jahr 2014, als sie Zwei­te wur­de, wohn­te ih­re Mut­ter Ur­su­la bei ihr, ei­ne Kon­stel­la­ti­on, die nie­mand als för­der­lich emp­fand.

Ur­su­la ver­stand nicht, war­um Daniela ei­ne Wo­che kaum ein Wort mit ihr wech­sel­te, und Daniela ver­stand nicht, war­um Ur­su­la nicht merk­te, dass sie Ru­he brauch­te. Sie wünsch­te sich, dass ih­re Mut­ter we­ni­ger ner­vös wä­re und sich nicht so vie­le Sor­gen mach­te.

Das er­zählt Ur­su­la Ryf, als sie sich an ei­nem Abend im No­vem­ber ei­nen Kaf­fee und ein Süss­ge­bäck vom Buf­fet holt und sich an ei­nen Tisch et­was ab­seits der an­de­ren Gäs­te setzt. Ih­re Toch­ter hat Spon­so­ren zum Sai­son­rück­blick ins Ve­lo­drom in Grenchen ge­la­den, sech­zig Leu­te sind ge­kom­men. Daniela Ryf lotst sie al­le durch den Emp­fang, als tä­te sie nie et­was an­de­res. Als be­schäf­tig­te sie sich nicht die längs­te Zeit aus­schliess­lich mit sich selbst – im Was­ser, auf dem Ve­lo, beim Lau­fen.

Beim Zu­hö­ren hält sie den Kopf leicht schräg, beim Antworten kne­tet sie sach­te ih­re Hän­de. Sie wirkt kor­rekt und ernst­haft, aber nicht an­ge­strengt, je­der­zeit weiss sie ei­nen Spruch ein­zu­streu­en, vor al­lem als die Gäs­te ei­ni­ge Run­den im Ve­lo­drom dre­hen und da­bei ge­hö­rig ins Schwit­zen kom­men, an­ge­lei­tet von In­struk­to­ren, un­ter­stützt von Ryf.

Die Leu­te sind ih­ret­we­gen hier, doch sie schafft es, dass es in den Ge­sprä­chen nie aus­schliess­lich um sie geht. Den gan­zen Abend strahlt sie ei­ne der­art na­tür­li­che Be­schei­den­heit aus, dass der Her­aus­ge­ber ei­nes der welt­gröss­ten Tri­ath­lon­ma­ga­zi­ne, ein Deut­scher, beim Ab­schied bei­na­he er­grif­fen sagt: «Sie ist die schwei­ze­rischs­te Schwei­ze­rin, die ich ken­ne.» Der Ver­tre­ter ei­nes Spon­sors, der mit­hört, nickt: «So per­fekt sie als Sport­le­rin wirkt, so per­fekt ist sie auch im Kon­takt mit uns.» Ih­re Mut­ter schaut dem Trei­ben zu und staunt. Trinkt lang­sam ih­ren Kaf­fee, isst lei­se das Ge­bäck, sie will auf kei­nen Fall stö­ren.

Um zu ver­ste­hen, wie Daniela Ryf fast so gut wie die al­ler­bes­ten Män­ner wer­den konn­te, muss man in ih­re Ju­gend zu­rück­blen­den. Wie ist ei­ne auf den ers­ten Blick ganz nor­ma­le, so­zi­al kom­pe­ten­te jun­ge Frau zu solch ab­nor­ma­len, ein ho­hes Mass an Ego­is­mus und Ehr­geiz vor­aus­set­zen­den Leis­tun­gen fä­hig?

Daniela Ryf stammt aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen. Sie war vier, als ih­re El­tern sich trenn­ten, die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on ent­spann­te sich leicht, als ih­re Mut­ter ein paar Jah­re spä­ter ein zwei­tes Mal hei­ra­te­te. Daniela war kein Kind, das Bü­cher liest, es dräng­te sie nach Be­we­gung, schon als Knirps nahm ih­re Mut­ter sie auf lan­ge Wan­de­run­gen mit. Mit vier wur­de es ihr im Kin­der­tur­nen lang­wei­lig, mit fünf ging sie in den Schwimm­klub, mit zehn auch noch in die Leicht­ath­le­tik. Mit drei­zehn wünsch­te sie sich ein Renn­rad. Als die Mut­ter sag­te, dass das zu teu­er sei, frag­te Daniela ih­ren Stief­va­ter, ob sie wäh­rend des Som­mers in sei­nem Be­trieb aus­hel­fen dür­fe, um sich ih­ren Traum selbst zu er­fül­len.

Im glei­chen Jahr wur­de ih­re Mut­ter auf ei­ne An­zei­ge in ei­nem Sport­ma­ga­zin auf­merk­sam, sie nahm ge­le­gent­lich an Berg- und Ma­ra­thon­läu­fen teil: Für ei­nen Trai­ner­kurs in Magg­lin­gen such­te man Kin­der, die ei­ne Wo­che lang un­ter An­lei­tung der Aus­zu­bil­den­den Sport trei­ben. So be­gann Daniela Ryfs Tri­ath­lon­kar­rie­re: als Ver­suchs­ka­nin­chen. In Magg­lin­gen lern­te sie Clau­de Am­mann ken­nen, ei­nen jun­gen Trai­ner, der in Ba­sel ge­ra­de ein Team auf­bau­te, das spä­ter ei­nes der er­folg­reichs­ten Pro­jek­te im Schwei­zer Sport wur­de, mit Ryf als Aus­hän­ge­schild.

Da­mals in Magg­lin­gen hat­te Am­mann, wie er am Te­le­fon er­zählt, nicht den Ein­druck, dass Ryf ta­len­tier­ter sei als die an­de­ren Kin­der. «Aber sie war…», er macht ei­ne Pau­se, «…sie war ei­ne Ar­bei­te­rin, wie ich nach­her nie wie­der ei­ne ge­se­hen ha­be.»

Aus Ryf, sie war im­mer noch erst drei­zehn, wur­de ei­ne Wo­chen­end­pend­le­rin. Je­den Frei­tag nach der Schu­le nahm sie den Zug nach Ba­sel. Nach dem ers­ten Mal sag­te ih­re Mut­ter: «Hör mal, ich kann dich nicht je­des Wo­che­n­en­de be­glei­ten.» Ab da or­ga­ni­sier­te sie sich selbst, bald wur­den die Wild­cats, ihr Tri­ath­lon­team, zur zwei­ten Hei­mat. Sie trai­nier­te hart, ver­pass­te aber nicht ih­re Ju­gend. Sie fei­er­te, wenn ihr nach Par­ty zu­mu­te war, und schrieb schlech­te No­ten, wenn sie nichts ge­lernt hat­te. We­gen der vie­len Trai­nings- und Wett­kampf­abwe­sen­hei­ten brach sie das Gym­na­si­um ab und trat in die Fach­mit­tel­schu­le ein, spä­ter folg­te ein Stu­di­um zur Le­bens­mit­tel­tech­no­lo­gin.

«So war das», sagt Ur­su­la Ryf und wirft ei­nen lan­gen Blick auf ih­re Toch-

Sie ist ei­ne Pio­nie­rin, der Ro­ger Fe­de­rer der Tri­ath­le­tin­nen. Nur do­mi­nan­ter, sagt ihr Trai­ner.

ter, die ge­ra­de mit Gäs­ten an­stösst. «Aber es war nicht im­mer so leicht, wie es jetzt viel­leicht aus­schaut.»

Hoch­leis­tungs­sport zehrt, nagt, ver­schleisst, er schleicht sich ins Le­ben, nimmt die Sport­le­rin und ihr Um­feld mit bru­ta­ler In­ten­si­tät ge­fan­gen. Im Ide­al­fall be­lohnt er auch, das ist das Tü­cki­sche.

Daniela Ryf war be­reits Ju­nio­ren­welt­meis­te­rin und 2008 in Peking Olym­pia­sieb­te ge­wor­den, als im Jahr 2010, mit drei­und­zwan­zig Jah­ren, die Zä­sur folg­te. Bei ei­nem Welt­cup­sieg in Seo­ul hol­te sie sich im Was­ser ei­nen Ma­gen­darm­vi­rus, der sie zwei Jah­re aus­ser Ge­fecht setz­te.

Sie war schlapp und lust­los, an man­chen Ta­gen mach­te sie schon auf dem Hal­len­bad­park­platz kehrt, weil ihr für das Schwimm­trai­ning die Ener­gie fehl­te. Bis sie wuss­te, wor­an sie ge­nau litt, ver­ging ein Jahr. Die Kar­rie­re schien ka­putt, im­mer über­mäch­ti­ger wur­den die Rück­tritts­ge­dan­ken. Dass sie dran­blieb, in­dem sie je­den Mor­gen hoff­te, heu­te sei der Tag, an dem das al­te Le­ben zu­rück­kehrt, ist wo­mög­lich ih­re er­staun­lichs­te Leis­tung. Die­ses Tief durch­zu­ste­hen, brauch­te mehr Durch­hal­te­wil­len als das Kunst­stück, den al­ler­bes­ten Män­nern so na­he zu kom­men.

TRAI­NIE­REN, ES­SEN, SCHLA­FEN – SIE­GEN

We­ni­ge Ta­ge nach dem Spon­so­re­nevent in Grenchen spa­ziert Daniela Ryf auf der Su­che nach ei­nem Ca­fé durch ein Zürcher Aus­sen­quar­tier. Sie ent­schei­det sich für ei­nen ita­lie­ni­schen Im­biss, tritt ein und setzt sich zu­hin­terst in die Ecke. Als sie zwei Män­ner in Ar­bei­ter­latz­ho­sen mit Piz­zabur­ger und ei­nem Rie­sen­tel­ler Pom­mes sieht, ver­gisst sie, dass sie we­gen ei­nes Cap­puc­ci­nos ge­kom­men ist, und be­stellt das­sel­be.

Oft wir­ken Sport­le­rin­nen ab­seits des Wett­kampfs er­staun­lich un­schein­bar. Nicht so Daniela Ryf. Wenn man ihr ge­gen­über­sitzt, rech­net man da­mit, dass je­der­zeit et­was pas­sie­ren kann. Wird sie gleich vom Tisch auf­sprin­gen und sich gruss­los da­von­ma­chen, um ei­ne neue Ma­ra­thon­best­zeit auf­zu­stel­len? Die leicht ma­ck­er­haf­te Po­se, die be­ein­dru­ckend brei­ten Schul­tern, Ar­me und Bei­ne eben­so seh­nig wie mus­ku­lös: Ryf strahlt et­was Unan­tast­ba­res und Ein­schüch­tern­des aus – ein biss­chen La­ra Croft oder An­füh­re­rin ei­ner Street­gang. Doch weil da noch die­ses freund­li­che Ge­sicht ist und die schel­mi­schen Au­gen, merkt man rasch: Da ist kei­ne Ag­gres­si­on, son­dern eher Keck­heit. Als wä­re al­les nur Spass, als wol­le sie ihr Ge­gen­über bloss ein we­nig her­aus­for­dern.

Ab­ge­se­hen da­von, dass sie die Schnells­te ist, hat Daniela Ryf als Sport­le­rin noch ei­ne zwei­te Ga­be: das Schwie­ri­ge leicht aus­se­hen zu las­sen. Das ist bei je­der Sport­le­rin be­mer­kens­wert, im Fall ei­ner Aus­dau­er­ath­le­tin aber ganz be­son­ders. Aus­dau­er­sport hat nichts Spie­le­ri­sches, man kann nicht wie im Fussball mit ei­ner Fin­te glän­zen oder wie im Bas­ket­ball mit ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Korb. Bei Daniela Ryf gibt es Mo­men­te, in de­nen sie mit der Na­tur zu ver­schmel­zen scheint. Wenn man zu­sieht, wie sie schwimmt, Rad fährt und läuft, kann es tat­säch­lich ge­sche­hen, dass man zur voll­kom­men ab­sur­den Über­zeu­gung ge­langt: Nur hier­für wur­de der Mensch er­schaf­fen.

Wenn Ryf nicht ge­ra­de von ei­ner Qual­le ge­bis­sen wor­den ist, be­schreibt sie ei­nen Iron­man nicht als viel­stün­di­ge Tor­tur, ob­wohl es na­tür­lich ge­nau das ist, son­dern als bei­na­he über­sinn­li­che Er­fah­rung. Ein ge­lun­ge­ner Wett­kampf, sagt sie, sei wie ei­ne rausch­haf­te Nacht auf der Tanz­flä­che. «Du tanzt und tanzt, ver­gisst den Schmerz, egal wie sehr dei­ne Füs­se in den High Heels lei­den.» Der Kör­per füh­le sich an, als ha­be man ein paar Ti­ki­wür­fel ge­schluckt: «Es pri­ckelt und ch­rü­se­let, aber tut nicht weh.»

Ein Langd ist anz­tri­ath­lon kann un­ge­sund sein, so of­fen­sicht­lich un­ge­sund, dass es nicht ein­mal die Be­rufs­langd ist anz­tri ath­le­tin Da­ni­el aRyf ab­strei­tet. Sie sagt :« Es ist schon ex­trem, was ich ma­che.» Sich fit zu füh­len für ei­nen Iron­man, sei aber nun mal ei­ne der um­wer­fends­ten Emp­fin­dun­gen, die sie sich vor­stel­len kön­ne.

Da­für wie­der­holt sie mehr als die Hälf­te des Jah­res den im­mer glei­chen Drei­klang, Tag für Tag: trai­nie­ren, es­sen, schla­fen, trai­nie­ren, es­sen, schla­fen. Ist die Sai­son aber vor­bei, führt sie ein über­ra­schend ge­wöhn­li­ches Le­ben. Sie trifft sich mit Freun­din­nen zum Abend­es­sen, ver­liert sich am Lap­top, ver­bringt die Sonn­tag nach­mit­ta­ge auf der Couch. Oder sie ver­schlingt, so wie jetzt, in ei­nem ita­lie­ni­schen Im­biss mit Heisshunger ei­nen Piz­zabur­ger. Sie hat auf all das Lust, wo­vor an­de­re Men­schen flie­hen, so­bald sie Fe­ri­en ha­ben. Sie sucht das Nor­ma­le und emp­fin­det ge­nau das als Be­frei­ung. Nichts an die­sem Le­ben ist ab­ge­fah­ren, da­von hat sie sonst schon ge­nug.

Die gros­se Mehr­heit der Sport­le­rin­nen ver­liert öf­ter, als sie ge­winnt. Ei­ni­ge we­ni­ge ge­win­nen öf­ter, als sie ver­lie­ren. Sie sind Se­ri­en sie­ge­rin­nen. Und dann gibt es Daniela Ryf. Die Frau, die bes­ser ist als die meis­ten Män­ner. Die ei­nen Wett­kampf der Ge­schlech­ter an­zet­telt und in die­sem be­steht. Wie macht sie das?

Sie nimmt ei­nen kräf­ti­gen Schluck Ap­fel­saft und fängt an zu er­zäh­len.

Als an je­nem Sams­tag auf Ha­waii noch nie­mand von den Qual­len­bis­sen

weiss, den­ken al­le in Kai­lua-ko­na, dass Ryf auch dies­mal un­be­zwing­bar sein wird. Al­le bis auf Lu­cy Charles viel­leicht, die Zweit­plat­zier­te des letz­ten Jah­res. Auf die Ge­trän­ke­fla­schen, die Charles sich spä­ter, wäh­rend des Ma­ra­thon­laufs, rei­chen las­sen wird, hat sie früh­mor­gens mit schwar­zem Filz­stift ge­schrie­ben: «Ryf will pay.» Als Ryf zu­fäl­lig ei­nen Blick auf ei­ne der Fla­schen er­hascht, muss sie la­chen: «Nie­mals wer­de ich be­zah­len, höchs­tens an der Af­ter­par­ty.»

Jetzt, nach­dem das Ren­nen be­gon­nen hat, ist sie sich nicht mehr so si­cher.

Un­ter ih­ren Ach­sel­höh­len brennt es, als lo­der­ten Feu­ers­brüns­te. Ver­geb­lich ver­sucht sie, mit den Hän­den das Was­ser zu fas­sen. So wie sie es ge­lernt hat, seit sie als Kind dem Schwimm­klub bei­trat – die Fin­ger leicht ge­spreizt, da­mit sich da­zwi­schen ein Film bil­det, die Hand­ge­len­ke an­ge­win­kelt, die El­len­bo­gen ge­beugt. Sie sieht, wie un­ter ihr Fi­sche spie­len, sucht ver­zwei­felt das Was­ser­ge­fühl, das sie als gu­te Schwim­me­rin ei­gent­lich hat. Sie spürt, wie die Mus­keln schwä­cher und die Ar­me tau­ber wer­den, je kräf­ti­ger sie zu zie­hen ver­sucht. Je mehr Blut ihr Kör­per an den Ach­sel­höh­len vor­bei in die Ar­me pumpt, des­to un­er­träg­li­cher wird das Bren­nen.

Die Schwimm­stre­cke führt 1,93 Ki­lo­me­ter ins of­fe­ne Meer hin­aus und 1,93 Ki­lo­me­ter zu­rück. sie hat noch nicht die Hälf­te ge­schafft, als der Rück­stand auf die Bes­ten schon so gross ist, dass die La­ge aus­sichts­los scheint. Ryf wird von Nach­züg­lern über­holt, kommt sich vor wie ei­ne Ama­teu­rin, denkt an den Kol­le­gen, der im Jahr zu­vor, eben­falls von ei­ner Qual­le ge­bis­sen, das Ren­nen we­gen Atem­not auf­ge­ben und ins Spi­tal ge­bracht wer­den muss­te. Sie ist froh, dass sie im Was­ser ist, fern der Men­schen, die sie ken­nen und in de­ren Bli­cken sie Mit­leid er­ken­nen wür­de. Mit­leid ist das Schlimms­te. Es macht, dass man sich selbst be­dau­ert. Auf­ge­ben oder wei­ter­ma­chen? Es ist ein grosser Ent­scheid, als sie sich, kurz vor dem Wen­de­punkt, draus­sen im Oze­an da­zu durch­ringt, das Ren­nen durch­ste­hen zu wol­len. Al­les deu­tet auf ei­ne Nie­der­la­ge hin, und nie­mals ist ei­ne Nie­der­la­ge pei­ni­gen­der als beim Sai­son­hö­he­punkt. Als Ryf auf dem Rück­weg am Pier vor­bei­schwimmt, fragt sie sich: Was den­ken die Zu­schau­er, wenn sie mich so her­um­ba­den se­hen?

Der Au­tor Sten Na­dol­ny hat ein­mal ge­schrie­ben: «Sie müs­sen sich auch auf Spie­le ein­las­sen, bei de­nen Sie ver­lie­ren kön­nen. Dass man uns ver­spot­tet, ist be­lang­los.» Klingt sym­pa­thisch, in dem Au­gen­blick aber, in dem man als Sport­le­rin ei­nen sol­chen Ent­scheid fällt, bleibt kei­ne Zeit für der­lei Ge­dan­ken. «Ich konn­te mich ja nicht hin­set­zen, mir al­les gut über­le­gen und zum Schluss kom­men: Doch, es lohnt sich so oder so», sagt Ryf.

Viel­leicht ist es auch das, was ei­ne Sie­ge­rin von ei­ner Ver­lie­re­rin un­ter­schei­det: dass sie sich bei all den Ent­schei­den, die wäh­rend des fast neun­stün­di­gen Ren­nens an­fal­len, auf ih­re In­tui­ti­on ver­las­sen kann. «Am Wett­kampf­tag kannst du an dei­ner Fit­ness nichts mehr än­dern», sagt Ryf. «Al­so ist es et­was an­de­res, das den Un­ter­schied macht, ob man auf­gibt und sich wei­nend ins Ho­tel­zim­mer ver­kriecht oder ob man durch­hält und ge­winnt.»

In­tui­ti­on. Klingt nach ei­nem nicht steu­er­ba­ren Re­flex. Doch das stimmt nicht. «In­tui­ti­on», sagt Ryf, nach­dem sie den letz­ten Bis­sen des Piz­zabur­gers hin­un­ter­ge­schluckt hat, «kann man auf­bau­en. Wenn man sich auf et­was ein­lässt, das ei­nem ge­fällt, und vie­le Jah­re sei­nes Le­bens da­für in­ves­tiert, ist man ir­gend­wann so stark, dass die In­tui­ti­on un­mög­lich nichts von die­sem Pro­zess mit­be­kom­men ha­ben kann. Ich trai­nie­re auch dar­um so hart, da­mit mir in ei­nem Mo­ment wie die­sem, draus­sen im Meer, vie­le Grün­de ein­fal­len, war­um ich nicht auf­ge­be. Ei­ne Wo­che lang ha­be ich Mä­di her­um­kom­man­diert, ein gan­zes Jahr hat mein Team al­les für mich ge­tan. Wer wä­re ich, wenn ich die jetzt fal­len las­sen wür­de?»

Ähn­lich hat es Vik­tor Röth­lin ein­mal ge­sagt, der einst bes­te Ma­ra­thon­läu­fer Eu­ro­pas: Im Ver­lauf ei­nes Ma­ra­thons kom­me im­mer der Mo­ment, da man auf dem Sil­ber­ta­blett Grün­de ser­viert er­hält, war­um es ge­nau heu­te kei­nen Sinn ma­che wei­ter­zu­ren­nen – der Wind, die Hit­ze, das schlech­te Früh­stück, der Biorhyth­mus. «Mei­ne gröss­te Fä­hig­keit ist es, das Sil­ber­ta­blett ab­zu­leh­nen und zu sa­gen: nein.»

DIE LÄN­GE MACHT DEN UN­TER­SCHIED

Als Daniela Ryf beim Sai­son­rück­blick in Grenchen ih­re Gäs­te ver­sam­melt, um ih­nen ihr Team vor­zu­stel­len, die Phy­sio­the­ra­peu­tin, den Mecha­ni­ker, die Me­di­en­ko­or­di­na­to­rin und ein paar mehr, ge­schieht et­was Un­ge­wöhn­li­ches: Sie ver­liert für ei­nen Au­gen­blick die Fas­sung. «Das ist Brett», sagt sie, als sie bei der letz­ten Per­son an­langt, dann bricht ih­re Stim­me. «Er ist der, der mich auf­ge­rich­tet hat, in­dem er mir zeig­te, wo­zu ich ge­schaf­fen bin.»

Ganz hin­ten im Raum er­hebt sich ein Mann von sei­nem Stuhl, dem man von wei­tem an­sieht, dass er sich in dem Ja­ckett, das er heu­te trägt, nicht wohl­fühlt. Er lä­chelt schief, aus­ser ei­nem schüch­ter­nen «Hi, ever­y­bo­dy» sagt er kein Wort.

Brett Sut­ton, acht­und­fünf­zig­jäh­rig, ist ein Kauz von ei­nem Men­schen, son­der­bar und ei­gen­bröt­le­risch. Wür­de man ihm auf der Stras­se be­geg­nen, könn­te man ihn für ei­nen Clochard hal­ten: zer­zaus­tes Haar, ab­ge­tra­ge­ne Klei­dung, in der Hand fast im­mer ei­nen Plas­tik­sack. Kei­ner po­la­ri­siert im Tri­ath­lon so sehr wie er.

Ge­nie oder Schar­la­tan? Sut­ton wird vor­ge­hal­ten, ein Schlei­fer zu sein, er ir­ri­tiert die Leu­te, weil er Sport­psy­cho­lo­gie für Scha­ber­nack hält, sei­ne Ath­le­tin­nen oh­ne Puls­uhr trai­nie­ren lässt und nichts üb­rig hat für die Leis­tungs­wis­sen­schaft. Doch der Er­folg gibt ihm recht. 2012 hat er ei­ne an­de­re Schwei­ze­rin, Ni­co­la Spi­rig, zu Olym­pia­gold im Tri­ath­lon ge­führt, da­vor die Bri­tin Ch­ris­sie Wellington zu vier Ha­waii-sie­gen in­ner­halb von fünf Jah­ren. Und das ist lan­ge nicht al­les, er hat Schwimmer, Läu­fe­rin­nen und Bo­xer trai­niert, oft mit gros­sem Er­folg, und ei­ne Zeit lang mit be­son­de­rer Vor­lie­be Pfer­de und Hun­de. Das muss man wis­sen, um zu ver­ste­hen, wes­halb er der

fes­ten Über­zeu­gung ist, den Zu­stand ei­nes Ath­le­ten­kör­pers ganz gut oh­ne Hil­fe be­ur­tei­len zu kön­nen. Hun­de und Pfer­de re­den nicht.

Nach der Vor­stel­lungs­run­de steu­ert Sut­ton auf ei­nen Steh­tisch zu, er trinkt nichts, isst nichts, schaut sich bloss um. Auf die Fra­ge, ob er ei­nen Mo­ment Zeit ha­be, sagt er: «Sie sind seit Wo­chen der ers­te Jour­na­list, der mit mir re­den will.»

Seit fast zwei Jahr­zehn­ten lebt er nun in der Schweiz, frü­her in Ley­sin, in­zwi­schen in St. Mo­ritz. Es war Ni­co­la Spi­rig, die Ryf und ihn zu­sam­men­brach­te, sie er­kann­te Ryfs Po­ten­zi­al. Im Früh­ling 2013 be­gan­nen Ryf und Sut­ton mit­ein­an­der zu ar­bei­ten, bald zeig­te sich, was er am bes­ten kann. Zu dem Zeit­punkt war Ryf noch Kurz­dis­tanz­tri­ath­le­tin, be­stritt Ren­nen über die olym­pi­sche Dis­tanz von 1,5 Ki­lo­me­tern Schwim­men, 40 Ki­lo­me­tern Rad­fah­ren und 10 Ki­lo­me­tern Lau­fen. Sut­ton er­kann­te, was bis da­hin kei­nem auf­ge­fal­len war: dass sie ei­ne Lang­dis­tanz­tri­ath­le­tin ist, ge­bo­ren für Wett­kämp­fe wie den Iron­man Ha­waii. Der Un­ter­schied: Im Kurz­dis­tanz­tri­ath­lon ist Wind­schat­ten­fah­ren er­laubt, wes­halb die bes­ten dreis­sig, vier­zig Frau­en häu­fig bis zum En­de der Rad­stre­cke zu­sam­men­blei­ben und das Ren­nen erst auf der Lauf­stre­cke ent­schei­den, in ei­nem Sprint kurz vor dem Ziel. Ryf aber ist et­wa zehn Ki­lo schwe­rer als Spi­rig, ih­re Stär­ke, ur­teil­te Sut­ton, sei die Kraft, mit der sie auf dem Rad al­le in Grund und Bo­den fah­ren kön­ne, ein Vor­teil, der bloss im Lang­dis­tanz­tri­ath­lon zum Tra­gen kommt.

Ryf sträub­te sich, bis Sut­ton ihr im Som­mer 2014 ei­nen ty­pi­schen Sut­ton­vor­schlag mach­te: Im Rah­men des Zürcher Tri­ath­lon­wo­chen­en­des dür­fe sie, sag­te er, am Sams­tag über die olym­pi­sche Dis­tanz star­ten, wenn sie am Sonn­tag auch am Iron­man teil­neh­me.

Ryf war ziem­lich sau­er. Und ge­wann bei­de Ren­nen.

Wer ein­mal mit Sut­ton ins Ge­spräch fin­det, ver­steht, wo­rin sein Reiz als Trai­ner liegt: Er spricht an­ders, als er in der Öf­fent­lich­keit wirkt, druckst nicht her­um, hat auf al­les ei­ne Ant­wort. Er nimmt dem Sport die Kom­ple­xi­tät. Fragt man ihn, wie es zu er­klä­ren sei, dass Daniela Ryf den schnells­ten Män­nern im­mer nä­her rückt, sagt er: «Nun, das ist ganz leicht: Frau­en sind här­ter im Neh­men.»

Dann schaut er ei­nen aus zu­sam­men­ge­knif­fe­nen Au­gen ein­dring­lich an, als wol­le er deut­lich ma­chen, was man oh­ne­hin be­reits ahnt: dass das die wis­sen­schaft­lichs­te Er­klä­rung ist, die man von ihm hören wird.

Was nicht be­deu­tet, dass es ei­ne wis­sen­schaft­li­che Er­klä­rung nicht gibt. Bloss kommt sie nicht von Sut­ton. Von ihm kommt die­se Er­zäh­lung:

Der Grund für Daniela Ryfs vier­ten Ha­waii-sieg, so Sut­ton, sei im Jahr zu­vor zu su­chen, als un­ter gänz­lich un­güns­ti­gen Vor­zei­chen der drit­te Sieg zu­stan­de kam. Die meis­te Zeit der Sai­son hat­te Ryf un­ter Rü­cken­schmer­zen ge­lit­ten, zwi­schen dem Iron­man Swit­z­er­land im Ju­li und dem Iron­man Ha­waii im Ok­to­ber la­gen ge­ra­de ein­mal vier lan­ge Rad­trai­nings drin,

zwan­zig bis dreis­sig wä­ren von­nö­ten ge­we­sen. «Wie soll ich so ge­win­nen?», frag­te Ryf.

«You ha­ve to boss the peop­le», sag­te Sut­ton, sie müs­se die Che­fin mar­kie­ren. Er er­zähl­te ihr von Ber­nard Hi­n­ault, dem fünf­fa­chen Tour-de­fran­ce-sie­ger. Er brauch­te bloss am Start zu ste­hen, schon glaub­ten sei­ne Geg­ner, der Sie­ger ste­he fest. «Für die an­de­ren bist du der Champ. Wis­sen sie nichts von dei­nen Pro­ble­men, glau­ben sie auch nicht, dass sie dir ge­fähr­lich wer­den kön­nen.»

Es funk­tio­nier­te, doch die Er­schöp­fung ging tie­fer als sonst. Sut­ton ver­ord­ne­te ei­ne drei­mo­na­ti­ge Pau­se. «Si­cher nicht!», maul­te Ryf. «Dann musst du dir ei­nen neu­en Trai­ner su­chen», bluff­te er.

Es ist ei­ne der äl­tes­ten Sport­ler­weis­hei­ten: Zu we­nig Trai­ning ist nicht gut, aber zu viel auch nicht. Er­staun­lich, wie vie­le Ath­le­tin­nen sie igno­rie­ren. Auch Ryf tat sich schwer. Nach zwei Mo­na­ten und ei­ner Wo­che bet­tel­te sie, sich wie­der be­we­gen zu dür­fen. Sut­ton tat, als len­ke er ein, trug ihr für drei Wo­chen harm­lo­se Trai­nings­auf­ga­ben auf.

«Wir strei­ten uns stän­dig», lacht Sut­ton. «Das ist in Ord­nung. Was sie tut, hat vor ihr nie­mand ge­tan. Sie ist ei­ne Pio­nie­rin, der Ro­ger Fe­de­rer der Tri­ath­le­tin­nen, nur do­mi­nan­ter. Man wird das nicht, wenn man ei­ne Pus­sy ist. Will sie in ei­ne Rich­tung ge­hen, die ich für falsch hal­te, muss ich sehr gu­te Ar­gu­men­te ha­ben, um sie da­von ab­zu­brin­gen. Die Leu­te sa­gen, ich sei au­to­ri­tär. Ich sa­ge: Da­zu sind Trai­ner da – um Ent­schei­dun­gen zu tref­fen.»

Er schaut um sich, zeigt auf die Gäs­te. «Sie geht gross­ar­tig mit den Er­war­tun­gen um, aber manch­mal wünsch­te sie, dass es an­ders wä­re.» Dass sie nicht Daniela Ryf wä­re? «Sie wä­re gern ei­ne nor­ma­le Sport­le­rin, von der nie­mand et­was er­war­tet, wenn sie an den Start geht. Wis­sen Sie, je­de Wo­che ruft mich je­mand an und sagt, er ha­be ei­ne Ju­nio­rin im Team – das sei die künf­ti­ge Daniela Ryf. Ich sa­ge: Es wird kei­ne neue Daniela Ryf ge­ben. Der an­de­re: War­um nicht? Ich: Weil dich der Druck killt. Wer das aus­hal­ten will, muss sehr stark sein.»

EIN 8:26:18 ST­UN­DEN LAN­GER SPASS

Als 1979, ein Jahr nach der Pre­mie­re, die ers­te Frau am Iron­man Ha­waii teil­nimmt, Lyn Le­mai­re aus den USA, be­trägt ihr Rück­stand auf den Sie­ger über ei­ne St­un­de. Drei Jahr­zehn­te bleibt der Ge­schlech­ter­un­ter­schied re­la­tiv kon­stant, ehe ihn Ch­ris­sie Wellington, die Ath­le­tin Brett Sut­tons, im Jahr 2009 in 8:54:02 auf ei­nen Schlag hal­biert. Es bleibt al­ler­dings bei die­sem ei­nen Mal, in den nächs­ten Aus­tra­gun­gen pen­delt sich die Dif­fe­renz bei ei­ner Drei­vier­tel­stun­de ein.

Dann kommt Daniela Ryf.

Als sie den Oze­an an je­nem Sams­tag im Ok­to­ber 2018 mit zehn Mi­nu­ten Rück­stand auf die vor ihr lie­gen­de Lu­cy Charles ver­lässt, fügt sich al­les zu­sam­men, was sie in fast zwei Jahr­zehn­ten als Tri­ath­le­tin ge­lernt hat. Auf der Rad- und der Lauf­stre­cke holt sie zur un­wi­der­steh­li­chen Auf­hol­jagd auf, lässt zu­erst al­le Frau­en hin­ter sich, spä­ter im­mer mehr Män­ner. Sie weiss nicht, wie vie­le Watt sie tritt oder wie hoch ihr Puls ist, im Ge­gen­satz zu den an­de­ren Ath­le­tin­nen pfeift sie auf die Leis­tungs­da­ten, die heu­te übe­r­all er­fasst wer­den. «Wie soll ich mich trau­en, über mich hin­aus­zu­wach­sen, wenn der Rad­com­pu­ter mir stän­dig vor Au­gen führt, dass ich tat­säch­lich über mei­nem Li­mit bin?»

So schwer es zu glau­ben ist: Daniela Ryf schwimmt, fährt und läuft nach Ge­fühl – In­tui­ti­on. Viel­leicht ist das ei­nes ih­rer Er­folgs­ge­heim­nis­se. Das und ih­re be­nei­dens­wert sim­ple Me­tho­de, wie sie der Ver­lo­ckung wi­der­steht, in ei­nem Ren­nen zu weit vor­aus­zu­den­ken. Sie teilt sich den Wett­kampf in Ab­schnit­te ein, für die sie sich aus dem Au­gen­blick her­aus Auf­ga­ben stellt. Sitzt sie auf dem Ve­lo und ringt mit der Er­schöp­fung, nimmt sie sich vor, den ei­nen Hü­gel vor ihr noch durch­zu­drü­cken und dann zehn Se­kun­den die Bei­ne hän­gen zu las­sen (bloss lässt sie die Bei­ne dann doch nie hän­gen). Quält sie sich auf der Lauf­stre­cke, re­det sie sich ein, auf dem Queen Kaa­hu­ma­nu High­way wer­de es gleich viel an­ge­neh­mer sein, dort geht ein Wind, und es ist we­ni­ger sti­ckig als auf dem Alii Dri­ve. Oder sie be­spasst sich mit Rät­seln: Wel­ches Lied wohl aus der nächs­ten Mu­sik­sta­ti­on am Stras­sen­rand plärrt?

«Man könn­te sa­gen, dass ich mich selbst be­lü­ge», sagt Ryf, als sie im ita­lie­ni­schen Im­biss die letz­ten Pom­mes ins Ketch­up tunkt. «Ich se­he es an­ders. Trotz der Ernst­haf­tig­keit, mit der ich mich dem Sport wid­me, bin ich noch im­mer fä­hig zur Ein­sicht, dass so ein Ren­nen nur ein Spiel ist.»

Sie be­en­det den Iron­man in 8:26:18 St­un­den, le­dig­lich ei­ne hal­be St­un­de hin­ter dem schnells­ten Mann. Als Fünf­und­zwan­zigs­te im Over­all­ran­king lässt sie über die Hälf­te des pro­fes­sio­nel­len Män­ner­felds hin­ter sich, dar­un­ter den dritt­bes­ten Schwei­zer, ei­nen lang­jäh­ri­gen Kol­le­gen aus Wild­cats-zei­ten. Was wohl mög­lich ge­we­sen wä­re oh­ne die Qual­len­bis­se?

Vie­les deu­tet dar­auf hin, dass es sich bei Ryfs Leis­tung, an­ders als bei Wellington, nicht um ei­nen Aus­reis­ser han­delt. Das ist je­den­falls den Er­kennt­nis­sen zwei­er Wis­sen­schaft­ler zu ent­neh­men. Der ei­ne heisst Beat Knecht­le, er ist eben­falls Aus­dau­er­sport­ler und kann ge­ra­de nicht spre­chen: In New Or­leans nimmt er an ei­nem Ul­tra­tri­ath­lon teil, zehn Iron­man in zehn Ta­gen, ein Ver­rück­ter.

Der an­de­re heisst Chris­toph Rüst und hat ei­nen lan­gen Tag im Kan­tons­spi­tal St.gal­len hin­ter sich. Neu­er­dings ar­bei­tet er als Not­fall­me­di­zi­ner, die letz­ten Jah­re ha­ben er und Knecht­le am In­sti­tut für Haus­arzt­me­di­zin der Uni­ver­si­tät Zü­rich ei­nen welt­weit ein­zig­ar­ti­gen Da­ten­satz zu­sam­men­ge­tra­gen: die Ent­wick­lung der Leis­tungs­dif­fe­renz von Frau­en und Män­nern in Aus­dau­er­sport­ar­ten und ath­le­ti­schen Sprint­dis­zi­pli­nen wie Schwim­men und Leicht­ath­le­tik, über al­le mög­li­chen Wett­kämp­fe und Al­ters­ka­te­go­ri­en hin­weg.

Die For­schungs­rich­tung ist re­la­tiv jung und hat­te ei­nen schlech­ten Start: In den 1980er-jah­ren pro­gnos­ti­zier­ten ame­ri­ka­ni­sche Wis­sen­schaft­ler, Frau-

en wür­den im Ma­ra­thon be­reits 1998 schnel­ler lau­fen als Män­ner. Das Pro­blem: Sie hat­ten die Welt­re­kor­d­ent­wick­lung ein­zig mit ma­the­ma­ti­schen Mo­del­len ana­ly­siert, oh­ne zu be­rück­sich­ti­gen, dass die Ge­schich­te der Frau­en im Sport jün­ger ist als die der Män­ner.

Kommt der Mo­ment, in dem die bes­te Frau den bes­ten Mann über­flü­gelt?

Chris­toph Rüst ant­wor­tet in drei Tei­len, mit ei­nem «Nein», ei­nem «Aber» und ei­nem «Viel­leicht».

«Nein», sagt Rüst, «un­se­re Un­ter­su­chun­gen ge­ben kei­nen Hin­weis dar­auf, dass Frau­en je bes­ser sein wer­den als Män­ner.»

«Aber», sagt er, «sie ha­ben auf­ge­holt.» Was sich am Bei­spiel des Iron­man Ha­waii zei­gen las­se, gel­te für vie­le Dis­zi­pli­nen: Im Un­ter­su­chungs­zeit­raum von 1983 bis 2012 nä­her­te sich die Durch­schnitts­zeit der bes­ten zehn Frau­en je­ner der bes­ten zehn Män­ner um vier Pro­zent an, von fünf­zehn auf elf Pro­zent Dif­fe­renz. Über al­le Sport­ar­ten liegt der Ge­schlech­ter­un­ter­schied heu­te bei acht bis zwölf Pro­zent.

Wo­mög­lich ist Ryfs Ha­waii-zeit al­so von ge­ra­de­zu pro­phe­ti­scher Be­deu­tung, denn sie liegt bloss sie­ben Pro­zent über je­ner des schnells­ten Man­nes und stützt da­mit den drit­ten Teil von Chris­toph Rüsts Ant­wort. Zwar ver­zich­ten er und Knecht­le in ih­ren Ar­bei­ten auf de­tail­lier­te Pro­gno­sen, fragt man ihn aber nach sei­ner Mei­nung, sagt er: «Es ist an­zu­neh­men, dass sich die Män­ner viel nä­her an ih­rem Leis­tungs­ma­xi­mum be­fin­den als die Frau­en. Was zu En­de ge­dacht be­deu­tet: Die Frau­en wer­den den Män­nern noch nä­her kom­men.»

Ge­rin­ge­re Mus­kel­mas­se, tie­fe­re Ma­xi­mal­leis­tung, an­de­re Ver­tei­lung der Mus­kel­fa­ser­ty­pen: Je­de Mus­kel­phy­sio­lo­gin kann zahl­lo­se Grün­de nen­nen, wes­halb der Frau­en- dem Män­ner­kör­per im Sport hin­ter­her­hinkt. Und die Er­zäh­lung, wo­nach der hö­he­re Kör­per­fett­an­teil ein Vor­teil sei, je län­ger ein Wett­kampf dau­ert, hält sich zwar hart­nä­ckig, ist aber falsch.

Zwei Grün­de spre­chen den­noch für Rüsts An­nah­men, bei­de ha­ben, we­nig er­staun­lich, mit Dis­kri­mi­nie­rung zu tun.

Ers­tens galt Hoch­leis­tungs­sport für Frau­en so lan­ge als un­schick­lich – die Teil­nah­me an Ma­ra­thon­läu­fen un­ter­sag­te man ih­nen bis in die 1960er-jah­re –, dass ih­nen noch grös­se­re Sprün­ge zu­zu­trau­en sind als den Män­nern. Für den zwei­ten Grund exis­tiert ein Fach­be­griff: An­dro­zen­tris­mus. Er be­zeich­net ei­ne Sicht­wei­se, die Män­ner als Zen­trum ver­steht. Das Männ­li­che ist die Norm, das Weib­li­che nicht zwin­gend min­der­wer­tig, aber doch ei­ne Ab­wei­chung.

Als die Frau­en in den Leis­tungs­sport ka­men, wa­ren die Män­ner so lan­ge schon da, dass man Frau­en ein­fach wie schlech­te­re Män­ner be­han­del­te: Die Sport­ar­ti­kel­in­dus­trie, die Leis­tungs-, Er­näh­rungs- und Trai­nings­wis­sen­schaf­ten – all die­se für die Ent­wick­lung des Sports so prä­gen­den Be­rei­che ori­en­tie­ren sich bis heu­te am Mann.

Vor we­ni­gen Jah­ren zeig­te ei­ne Un­ter­su­chung des Bun­des­amts für Sport (Baspo), dass in der Schweiz Tri­ath­le­tin­nen, ab­ge­se­hen von den Um­fän­gen, ge­nau gleich trai­nie­ren wie Tri­ath­le­ten. Phy­sio­lo­gi­sche Un­ter­schie­de? Wer­den kaum be­rück­sich­tigt. Der Chef der Ab­tei­lung Trainer­bil­dung am Baspo, der die Stu­die ver­ant­wor­tet hat­te, sag­te: «Es wä­re sinn­voll, sich zu über­le­gen, wie Trai­nings ge­schlech­ter­spe­zi­fi­scher ge­stal­tet wer­den könn­ten.»

Es klang nach ei­nem Ap­pell.

Hat al­len­falls Do­ping ei­nen Ein­fluss auf die ab­neh­men­de Leis­tungs­dif­fe­renz zwi­schen Män­nern und Frau­en? Im Fall Daniela Ryfs fügt sich der Fort­schritt zu­min­dest bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad in das so­eben skiz­zier­te Ge­samt­bild: Als Frau ge­hört sie nicht nur zum «jün­ge­ren», al­so ent­wick­lungs­fä­hi­ge­ren Ge­schlecht. Als Tri­ath­le­tin ist sie auch in ei­ner ver­gleichs­wei­se jun­gen, al­so ent­wick­lungs­fä­hi­gen Sport­art tä­tig. Zu­dem kam es im Un­ter­schied et­wa zum Schwimm-, Rad- und Lauf­sport im Tri­ath­lon bis­her zu be­mer­kens­wert we­ni­gen Do­ping­fäl­len.

In der ein­und­vier­zig­jäh­ri­gen Ge­schich­te des Iron­man Ha­waii wur­de erst ei­ne Sie­ge­rin po­si­tiv ge­tes­tet, die Deut­sche Ni­na Kraft im Jahr 2004. Das kann na­tür­lich dar­an lie­gen, dass die Ath­le­ten klü­ger sind als die Do­ping­jä­ger. Aber eben auch dar­an, dass Do­ping ein­fach viel we­ni­ger ver­brei­tet ist.

DIE GU­TEN JAH­RE KOM­MEN ERST

Es gibt auf der Welt ge­gen­wär­tig vier Sport­le­rin­nen, die in ge­mischt­ge­schlecht­li­chen Wett­be­wer­ben bes­ser sind als al­le Män­ner: Die spa­ni­sche Mo­tor­rad­fah­re­rin Ana Car­ras­co ist Welt­meis­te­rin in der Su­per­sport-300klas­se, die Deut­sche Si­mo­ne Blum, ih­re Lands­frau Isa­bell Werth und die Bri­tin Ro­sa­lind Can­ter sind Welt­meis­te­rin­nen in den Pfer­de­sport­dis­zi­pli­nen Sprin­gen, Dres­sur und Viel­sei­tig­keit.

Daniela Ryf sagt, den Män­nern nä­her kom­men zu wol­len, sei ein schö­nes Ziel, weil sie da­bei nicht ver­lie­ren kön­ne. «Se­he ich im Wett­kampf ei­ne Frau vor mir, tue ich al­les, um sie zu über­ho­len. Schaf­fe ich es nicht, bin ich ent­täuscht. Se­he ich ei­nen Mann vor mir, tue ich eben­falls al­les, um ihn zu über­ho­len. Aber ich muss nicht ent­täuscht sein, wenn ich es nicht schaf­fe.» En­de 2017 pro­phe­zei­te Brett Sut­ton ihr, dass sie noch drei gu­te Jah­re vor sich ha­be, vor­aus­ge­setzt, sie fin­de wäh­rend der aus­ge­dehn­ten Pau­se neue Kräf­te. 2018 ist vor­über, Ryf er­ziel­te die Zeit, von der Sut­ton ge­glaubt hat­te, sie wer­de sie erst 2019 er­rei­chen. Was kommt nächs­tes Jahr?

Als sie aus dem Im­biss in Zü­rich an die Son­ne tritt, sagt Ryf: «Ich weiss es nicht.» Sut­ton hin­ge­gen meint: «Wenn sie nicht wie­der von ei­ner Qual­le ge­bis­sen wird, kann sie ei­ne Vier­tel­stun­de schnel­ler sein.» Dann wä­re Daniela Ryf un­ter den zehn Bes­ten der Welt – Frau, Mann, egal.

Wenn die Er­schöp­fung un­er­träg­lich wird, lenkt Daniela Ryf (31) sich mit klei­nen Rät­seln ab: Wel­ches Lied kommt wohl als nächs­tes?

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