Svp-füh­rung er­teilt For­de­run­gen nach Kurs­wech­sel ei­ne Ab­sa­ge

Die SVP ver­liert Wahl um Wahl. Par­tei­in­tern wer­den des­halb An­pas­sun­gen bei The­men und Stil ver­langt.

Der Bund - - SCHWEIZ - Lu­ca De Car­li

Es ist ei­ne Ent­wick­lung, die bei vie­len Ver­tre­tern der SVP Sor­gen weckt: Die Par­tei steckt in ei­nem Form­tief und ver­liert ei­ne Wahl nach der an­de­ren. Das hat auch mit der ak­tu­el­len Ent­wick­lung bei der Zu­wan­de­rung, ei­nem der Kern­the­men der SVP, zu tun.

Als die SVP im Herbst 2007 zum ers­ten Mal bei na­tio­na­len Wah­len fast 30 Pro­zent er­reich­te, hat­te die Schweiz ge­ra­de die vol­le Per­so­nen­frei­zü­gig­keit mit der EU ein­ge­führt. Bald hiess es, die Be­völ­ke­rung wach­se we­gen der Zu­wan­de­rung aus dem Aus­land je­des Jahr um die Grös­se der Stadt Win­ter­thur. Als um das Jahr 2015 die Zu­wan­de­rung im­mer­hin noch mit der Grös­se St. Gal­lens ver­gli­chen wur­de, reich­te das für die SVP, um mit dem Aus­län­der­the­ma wie­der in die­sel­ben Sphä­ren vor­zu­stos­sen. In­zwi­schen wan­dern pro Jahr je­doch nur noch knapp 60 000 Aus­län­der mehr ein als aus – et­wa so vie­le Men­schen, wie Lu­ga­no Ein­woh­ner hat.

Zu we­nig, um bei den na­tio­na­len Wah­len im nächs­ten Jahr wei­ter­hin nur auf die Kern­the­men Aus­län­der, EU und frem­de Rich­ter zu set­zen, fin­den Svpex­po­nen­ten. Auch weil es gleich­zei­tig wirt­schaft­lich auf­wärts­geht und die Ar­beits­lo­sen­zah­len sin­ken. So sag­te et­wa Kon­rad Lang­hart, Prä­si­dent der Zürcher SVP, nach der Schlap­pe vom Wo­che­n­en­de in vie­len Ge­mein­den des Kan­tons: «Un­se­re The­men sind nicht im Fo­kus.» Und der Aar­gau­er Na­tio­nal­rat Ul­rich Gie­zen­dan­ner for­dert, dass die Par­tei die An­zahl ih­rer Kern­the­men aus­wei­tet: Aus­län­der und EU müss­ten zwar zen­tral blei­ben, da­ne­ben sol­le die SVP sich aber auch bei The­men wie Al­ters­vor­sor­ge oder Kran­ken­kas­sen­prä­mi­en stär­ker be­merk­bar ma­chen.

Es sind die The­men, bei de­nen die Un­si­cher­heit der Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer zu­letzt am stärks­ten zu­ge­nom­men hat, wie un­ter an­de­rem das all­jähr­li­che Sor­gen­ba­ro­me­ter zeigt, das vom In­sti­tut GFS er­ho­ben wird.

Rös­ti: «Der Mix stimmt»

Die Ver­ant­wor­tung für den Auf­tritt der SVP im Wahl­kampf 2019 trägt Na­tio­nal­rat Adri­an Am­stutz. Er kün­digt nach den vie­len Nie­der­la­gen zwar an, dass «et­was pas­sie­ren wird». Was, will er je­doch nicht sa­gen. Die Stra­te­gie sei von den zu­stän­di­gen Gre­mi­en noch nicht ge­neh­migt. Jetzt schon Nein sagt Am­stutz al­ler­dings zu ei­nem Wech­sel weg von den Kern­the­men Aus­län­der, frem­de Rich­ter und EU.

Auch für Par­tei­prä­si­dent Al­bert Rös­ti «stimmt der Mix». «Wir müs­sen län­ger­fris­tig den­ken. Es wä­re fa­tal, we­gen ei­ni­ger Pro­zent we­ni­ger Stim­men in re­gio­na­len Wah­len gleich das Par­tei­pro­gramm um­zu­schrei­ben», sagt Rös­ti. Mit Tho­mas Mat­ter ist ein wei­te­res Par­tei­lei­tungs­mit­glied die­ser An­sicht: «Vor zwei­ein­halb Jah­ren wa­ren wir auf ei­nem All­zeit­hoch. Die Ver­lus­te in den Kan­to­nen dür­fen jetzt nicht da­zu füh­ren, dass wir die Wer­te, für die wir ste­hen, än­dern.»

Für die Par­tei­chefs ha­ben die jüngs­ten Wahl­nie­der­la­gen vor al­lem mit der schlech­ten Mo­bi­li­sie­rung der Wäh­ler zu tun. Die SVP ha­be nicht Wäh­ler an an­de­re Par­tei­en ver­lo­ren, ein Teil sei schlicht zu Hau­se ge­blie­ben. In ei­nem Rund­schrei­ben nennt Al­bert Rös­ti am Diens­tag Us­ter, die dritt­gröss­te Stadt im Kan­ton Zü­rich, als Ne­ga­tiv­bei­spiel. Dort hat die SVP am Wo­che­n­en­de in Par­la­ment und Re­gie­rung Sit­ze ver­lo­ren.

Chris­toph Blo­cher, der die Zürcher SVP wäh­rend ei­nes Vier­tel­jahr­hun­derts an­führ­te, hat­te schon am Mon­tag­abend in der Talk­sen­dung «Scha­win­ski» den Vor­wurf er­ho­ben, dass «vie­le Svp-sek­tio­nen fast ein­ge­schla­fen sind». Wahl­kampf­lei­ter Am­stutz gibt nun den Ta­rif durch: Sämt­li­che Be­tei­lig­ten auf al­len Par­tei­stu­fen hät­ten ei­nen aus­ser­or­dent­li­chen Ef­fort zu leis­ten. Das sei für den Er­folg un­ab­ding­bar. Und an die Adres­se der Svp-par­la­men­ta­ri­er sagt Am­stutz: «Dass ich da­bei aus­nahms­los von al­len ei­nen über­durch­schnitt­li­chen Ein­satz zur Ziel­er­rei­chung er­war­te, ist klar.»

Auf na­tio­na­ler Ebe­ne noch nicht ge­neh­migt ist die Stra­te­gie von Svp-prä­si­dent Rös­ti, die Wäh­ler via An­ru­fe und Haus­be­su­che an die Ur­ne zu brin­gen. Ein Mit­tel, das die So­zi­al­de­mo­kra­ten seit län­ge­rem er­folg­reich an­wen­den. In Kan­ton Bern konn­te je­doch die­ses Kon­zept vor ei­nem Mo­nat die Nie­der­la­ge der SVP nicht ver­hin­dern. «Man hat im­mer Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al», sagt Rös­ti.

Eben­falls in Bern wur­de zu­letzt ein net­te­rer Po­lit­stil er­probt. Aber auf na­tio­na­ler Ebe­ne wird dies kei­ne Op­ti­on sein: «In ei­ner 30-Pro­zent-par­tei muss bei­des Platz ha­ben», sagt zwar Prä­si­dent Rös­ti. Wahl­kampf­lei­ter Am­stutz er­teilt ei­nem «Ku­schel­kurs» je­doch ei­ne Ab­sa­ge: «Ich hal­te nichts von höf­li­cher Un­ehr­lich­keit, wie sie an­de­re Par­tei­en ze­le­brie­ren.»

Fo­to: Ant­ho­ny Anex (Keysto­ne)

«Et­was wird pas­sie­ren»: Svp-wahl­kampf­lei­ter Adri­an Am­stutz (links), zu­sam­men Svp-par­tei­prä­si­dent Al­bert Rös­ti.

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