Po­li­ti­ker wol­len Strah­len­schutz durch die Hin­ter­tür lo­ckern

Kom­mis­si­on prä­sen­tiert im Streit um Mobilfunk-grenz­wer­te ei­ne neue Idee.

Der Bund - - VORDERSEIT­E - Jon Mett­ler

Die Tele­com­lob­by schei­ter­te An­fang März im Stän­de­rat mit ih­rem Vor­ha­ben, hö­he­re Strah­len­schutz­wer­te für Mo­bil­funk­an­ten­nen durch­zu­set­zen. Die klei­ne Kam­mer lehn­te es in ei­nem zwei­ten An­lauf knapp ab, die Grenz­wer­te zu lo­ckern. Das gilt aber als Vor­aus­set­zung da­für, dass die drei Schwei­zer Mo­bil­funk­an­bie­ter das neue 5G-netz rasch auf­zie­hen und be­triebs­wirt­schaft­lich sinn­voll an­bie­ten kön­nen. Die Tech­no­lo­gie er­laubt es, auf dem Smart­pho­ne 100-mal schnel­ler im In­ter­net zu sur­fen als mit dem ak­tu­el­len 4G-stan­dard.

Jetzt soll ein­fach an­ders ge­mes­sen wer­den, um die gel­ten­den Grenz­wer­te künst­lich zu er­hö­hen. Die­sen po­li­ti­schen Win­kel­zug schlägt je­den­falls die Kom­mis­si­on für Ver­kehr und Fern­mel­de­we­sen des Na­tio­nal­rats der Lan­des­re­gie­rung vor. Die ent­spre­chen­de Strah­len­schutz­ver­ord­nung sol­le «pra­xis­taug­lich» um­ge­setzt wer­den und sich an Mess­ver­fah­ren im Aus­land ori­en­tie­ren.

Ärz­te ge­gen hö­he­re Grenz­wer­te

Strah­len­geg­ner re­agie­ren er­staunt: «Das ist ein Fron­tal­an­griff auf die vor­sorg­li­chen Grenz­wer­te, die Gül­tig­keit ha­ben», sagt Pe­ter Kä­lin. Der Me­di­zi­ner ist Prä­si­dent der Ver­ei­ni­gung Ärz­tin­nen und Ärz­te für Um­welt­schutz. Die Or­ga­ni­sa­ti­on setzt sich ge­gen hö­he­re Grenz­wer­te bei der Mo­bil­funk­strah­lung ein, weil sie ne­ga­ti­ve Fol­gen für die öf­fent­li­che Ge­sund­heit be­fürch­tet.

Swiss­com, Sun­ri­se und Salt be­grüs­sen den Vor­stoss der Kom­mis­si­on. Die Mass­nah­men sei­en bei der Ein­füh­rung der neu­en Tech­no­lo­gie kurz- und mit­tel­fris­tig hilf­reich. Gleich­zei­tig stel­len die drei Mo­bil­funk­be­trei­ber aber klar: Die Vor­schlä­ge sei­en kein Er­satz für ei­ne leich­te Er­hö­hung der Grenz­wer­te, wie sie die Bran­che for­de­re.

5G wird hier­zu­lan­de noch im lau­fen­den Jahr Rea­li­tät. Markt­füh­rer Swiss­com mit sei­nen 6,6 Mil­lio­nen Mo­bil­funk­kun­den hat an­ge­kün­digt, trotz der po­li­ti­schen Hür­den das neue Netz En­de 2018 in ein­zel­nen Städ­ten und Re­gio­nen in Be­trieb zu neh­men.

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