Es ist und bleibt ei­ne Stadt­ber­ner Sa­che

Der Bund - - VORDERSEIT­E -

Ei­ne Volks­in­itia­ti­ve für un­gül­tig zu er­klä­ren, ist hei­kel. In ei­ner di­rek­ten De­mo­kra­tie muss ein sol­cher Ent­scheid, wie ihn nun ges­tern das Bun­des­ge­richt bei der Reit­schul­in­itia­ti­ve der Jun­gen SVP ge­trof­fen hat, die Aus­nah­me blei­ben. Sonst wird so­fort der Ver­dacht ge­äus­sert, das Gre­mi­um ur­tei­le po­li­tisch – so wie es nun der un­ter­le­ge­ne Initi­ant und Reit­schul­geg­ner Erich Hess tut. Doch der Ent­scheid aus Lau­sanne be­stä­tigt letzt­lich nur das, was das bür­ger­li­che Kan­tons­par­la­ment be­reits im Jahr 2017 fest­ge­stellt hat­te: von der be­schnit­te­nen Ge­mein­de­au­to­no­mie über die feh­len­de Ver­hält­nis­mäs­sig­keit bis zum Aus­he­beln des Fi­nanz­aus­gleichs.

Dass die Bür­ger im Simm­en­tal, Obe­ra­ar­gau und Ber­ner Ju­ra über die Reit­schu­le be­fin­den soll­ten, hät­te zu­dem dem schwei­ze­ri­schen Fö­de­ra­lis­mus­ge­dan­ken ge­scha­det, den die SVP sonst ger­ne hoch­hält. Der Ver­zicht auf den Ur­nen­gang er­spart Bern nun auch, dass der oh­ne­hin vor­han­de­ne Stadt-land-kon­flikt noch wei­ter ver­schärft wird. Mit dem Ent­scheid des Bun­des­ge­richts aus Lau­sanne ist aber ei­nes klar: Die Ber­ner Reit­schu­le ist ei­ne Stadt­ber­ner Sa­che.

Das heisst aber auch: Die Fra­ge, wie mit der nicht ganz ein­fa­chen Si­tua­ti­on mit Dro­gen- und Ge­walt­de­lik­ten auf der Schüt­zen­mat­te rund um die Reit­schu­le um­ge­gan­gen wer­den soll, ist eben­falls ei­ne städ­ti­sche An­ge­le­gen­heit. Denn auch wenn die Ber­ner SVP be­reits fünf Ab­stim­mun­gen um die Reit­schu­le ver­lo­ren hat, die Rechts­bür­ger­li­chen wer­den das The­ma wei­ter ver­fol­gen. Das kün­dig­te Hess be­reits ges­tern an.

Doch so­lan­ge es im­mer wie­der zu Fla­schen­wür­fen auf Po­li­zis­ten und Schlä­ge­rei­en auf dem Vor­platz kommt und so­lan­ge sich ge­walt­tä­ti­ge De­mons­tran­ten im Innern der Reit­schu­le vor der Po­li­zei ver­ste­cken kön­nen, so­lan­ge bleibt die Reit­schu­le nicht nur ein The­ma der Svp-kam­pa­gnen, son­dern ein Pro­blem, vor dem die Stadt nicht die Au­gen ver­schlies­sen und das sie nicht den Svp-po­li­ti­kern über­las­sen darf.

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