Floh­markt des Gross­ka­pi­tals

An der Art Co­lo­gne kön­nen Wohl­ha­ben­de ihr Geld los­wer­den. Doch strom­ab­wärts in Düs­sel­dorf for­miert sich Kon­kur­renz – mit fi­nan­zi­el­ler Rü­cken­de­ckung aus der Schweiz.

Der Bund - - PANORAMA -

Le­bens­gross und sehr rea­lis­tisch steht der schwar­ze Putz­mann mit of­fe­nem Hemd und Shorts im Stand von Ga­gosi­an an der Art Co­lo­gne. Stän­dig kom­men sehr gut ge­klei­de­te, meist äl­te­re Da­men und Her­ren vor­bei, ki­chern, fra­gen: «Der ist nicht echt, oder?», und fo­to­gra­fie­ren sich dann ge­gen­sei­tig mit dem reg­lo­sen Un­ter­schicht­ver­tre­ter. Der «Win­dow Was­her» («Fens­ter­put­zer») ist ein Werk des ame­ri­ka­ni­schen Bild­hau­ers Dua­ne Han­son. Han­son war ein hoch­po­li­ti­scher Künst­ler, der sein Le­ben lang so­zia­le Miss­stän­de in den USA an­pran­ger­te. Es hat et­was Pa­ra­do­xes, wenn sein Werk jetzt von ei­nem der mäch­tigs­ten Kunst­händ­ler der Welt für sehr viel Geld auf den Markt ge­bracht wird und po­ten­zi­el­len Käu­fern als Sel­fie-ob­jekt dient.

«Wir wol­len, dass die Men­schen ihr Geld für Kunst und nur für Kunst aus­ge­ben», sagt Kris­ti­an Jar­mu­schek, Vor­sit­zen­der des Bun­des­ver­bands Deut­scher Ga­le­ri­en und Kunst­händ­ler. Er ist ei­ner der we­ni­gen, die öf­fent­lich aus­spre­chen, wor­um es hier ei­gent­lich geht. An­de­re re­agie­ren ir­ri­tiert. Jo­na Lued­de­ckens von Ga­gosi­an sagt zwar den Kauf­in­ter­es­sen­ten, wie vie­le Tau­send Eu­ro die aus­ge­stell­ten Ob­jek­te kos­ten, aber die­se In­fos sind nicht für je­der­mann ge­dacht. «Das ist ei­ne tol­le In­stal­la­ti­on hier», sagt er: Dar­über sol­le man schrei­ben – nicht über Prei­se.

«Ama­zing! Oh my god!» Da­ni­el Hug, der ame­ri­ka­ni­sche Art-co­lo­gne-di­rek­tor mit Schwei­zer Wur­zeln, läuft über das Mes­se­ge­län­de. Er muss sich an­stren­gen, denn die Kon­kur­renz schläft nicht. Seit ver­gan­ge­nem Jahr hat Düs­sel­dorf, Kölns ewi­ger Ne­ben­buh­ler, auch ei­ne Kunst­mes­se, die Art Düs­sel­dorf. Strom­ab­wärts ist die Su­per­rei­chen-dich­te deut­lich hö­her als im schmud­de­li­gen Köln. Und selbst wenn die Art Düs­sel­dorf auf Jah­re hin­aus Ver­lust ma­chen soll­te: Da­hin­ter steht die Schwei­zer Mes­se­ge­sell­schaft, die die wich­tigs­te Kunst­mes­se Art Ba­sel aus­rich­tet. Vor­sichts­hal­ber ha­ben die Köl­ner ih­re Mes­se­hal­len schon mal auf­ge­peppt. Es gibt jetzt ei­ne gros­se Pla­za, 100 Me­ter lang und 40 Me­ter breit. Dort ist al­les schwarz ge­hal­ten. «Se­xy», fin­det Hug.

Wo blei­ben die Jun­gen?

Viel­leicht nicht ganz so se­xy ist, dass es jetzt auch mehr Sitz­ge­le­gen­hei­ten gibt. Denn vie­le Be­su­cher der Art Co­lo­gne sind schon et­was ge­brech­lich. Wo sind die Jun­gen? Klar, die Jun­gen müs­sen ei­ner­seits erst mal Geld ma­chen. An­de­rer­seits gibt es in der Bran­che die Be­fürch­tung, dass die In­ter­net­ge­ne­ra­ti­on zwar täg­lich zahl­lo­se Bil­der wahr­nimmt, in Fil­men, auf Web­sites, in so­zia­len Netz­wer­ken – aber im­mer nur für Se­kun­den.

Man muss sich wohl nicht wirk­lich Sor­gen ma­chen um die hier ver­sam­mel­ten 210 Ga­le­ris­ten aus 33 Län­dern. Kunst ist ei­ne An­la­ge­form wie Im­mo­bi­li­en oder Ak­ti­en, man kauft sie nicht un­be­dingt, um sie sich an­zu­schau­en.

Fo­to: Oli­ver Berg (DPA, Keysto­ne)

Fo­to­gen: Der «Win­dow Was­her» in Köln.

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