Die Un­voll­kom­me­ne

Es­ter Ra­da ist hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen mo­der­nem Soul und äthio­pi­schem Jazz.

Der Bund - - BERNER WOCHE VERANSTALT­UNGEN -

Ei­gent­lich war al­les vor­ge­spurt für ei­ne er­spriess­li­che Kar­rie­re im er­wei­ter­ten Um­feld der Welt­mu­sik: 2014 er­schien das na­men­lo­se De­büt-al­bum von Es­ter Ra­da, und es ver­dreh­te so ei­ni­gen den Kopf. Die Frau hat­te ei­nen rei­chen kul­tu­rel­len Fun­dus, aus dem sie schöp­fen konn­te. Da war der Soul ei­ner Ni­na Si­mo­ne, mit dem sie mu­si­ka­lisch so­zia­li­siert wur­de. Und da wa­ren der Afro­beat und der äthio­pi­sche Jazz, mit de­nen sie sich ih­re gan­ze Kind­heit lang kon­fron­tiert sah. Die Fa­mi­lie Ra­da stammt aus Äthio­pi­en, sie­del­te 1984 von ei­nem su­da­ne­si­schen Flücht­lings­la­ger nach Is­ra­el über, wo Es­ter ein Jahr spä­ter das Licht der Welt er­blick­te.

Im Pa­ra­de-song des Al­bums «Li­fe Hap­pens» prall­ten all die­se Ein­flüs­se auf­ein­an­der, oder bes­ser ge­sagt, sie schmieg­ten sich an- und in­ein­an­der, ost­afri­ka­ni­sche Har­mo­ni­en, ge­schmei­di­ger Soul, ob­sku­re Blä­ser­sät­ze und ein gut be­sonn­ter Re­frain. Die Neu­gier war ge­weckt. Es­ter Ra­da wur­de ein Mtv-award als bes­ter is­rae­li­scher Mu­sik-act ver­lie­hen, und sie kün­dig­te an, ihr nächs­tes Al­bum in Äthio­pi­en ein­spie­len zu wol­len, dem Land, das sie nur vom Hö­ren­sa­gen kann­te, des­sen Kul­tur ihr aber der­art ver­traut war.

Dann wur­de es still um sie. Es­ter Ra­da gab sich ih­rer zwei­ten gros­sen Pas­si­on hin und stand für di­ver­se Fil­me und Tv-se­ri­en vor der Ka­me­ra, un­ter an­de­rem für das hoch­ge­lob­te Dra­ma «The Kin­der­gar­ten Te­acher», das auch in Cannes zu se­hen war.

Erst En­de letz­ten Jah­res wur­de die Welt mit mu­si­ka­li­schem Nach­schub ver­sorgt. «Dif­fe­rent Eyes» heisst der Zweit­ling. Äthio­pi­sches ist dar­auf kaum zu hö­ren, da­für mo­der­ne, kom­ple­xe, an­spruchs­vol­le, teils berauschen­de Soul­mu­sik («Mr Guilt», «My Mind», «Dif­fe­rent Eyes»). Doch es fin­det sich auf die­sem Al­bum lei­der auch ei­ne gan­ze Men­ge weit we­ni­ger in­spi­rier­ten Füll­ma­te­ri­als. Und so lässt ei­nen auch die­ses zwei­te Werk mit dem Ge­fühl zu­rück, dass die ganz gros­se Stun­de der Es­ter Ra­da erst noch be­vor­steht.

Turn­hal­le Pro­gr

So, 22. 4., 20.30 Uhr.

Fo­to: zvg

Teils be­rau­schend: Es­ter Ra­da.

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