Die Lin­ke will die Ge­burts­stät­te der CVP er­obern

Im lu­zer­ni­schen Rus­wil wur­de 1842 die CVP ge­grün­det. Erst­mals könn­te nun ei­ne Sp-frau an die Spit­ze der Ge­mein­de ge­wählt wer­den – mit­hil­fe der SVP.

Der Bund - - SCHWEIZ - Micha­el Souk­up

Rus­wil liegt idyl­lisch ein­ge­bet­tet in der Hü­gel­land­schaft zwi­schen Sem­pa­cher­see, Ent­le­buch und Lu­zern. Rus­mu – wie die Ein­hei­mi­schen sa­gen – ist nicht nur die gröss­te Bau­ern­ge­mein­de der Schweiz, son­dern die Schwei­ne­hoch­burg des Kan­tons Lu­zern: Hier le­ben 32 695 Schwei­ne, aber nur rund 6800 Men­schen. Kürz­lich gab die letz­te Metz­ge­rei be­kannt, bald zu schlies­sen, da­für be­kommt Rus­wil ei­ne In­door-mi­ni­golf­an­la­ge – Neu­ig­kei­ten, die höchs­tens lo­kal von In­ter­es­se sind. Aber am 29. April wäh­len die Rus­wi­ler ih­ren neu­en Ge­mein­de­prä­si­den­ten. Da­bei droht der CVP aus­ge­rech­net in ih­rer Ge­burts­stät­te ei­ne his­to­ri­sche Nie­der­la­ge.

Im Gast­haus Röss­li ist 1842 der Rus­wi­ler Ver­ein, der Vor­läu­fer der Ka­tho­lisch­kon­ser­va­ti­ven Par­tei und der spä­te­ren CVP, ge­grün­det wor­den. Hier wur­de das ers­te Par­tei­pro­gramm ge­schrie­ben, und hier ha­ben die Vor­fah­ren der frü­he­ren Cvp-bun­des­rä­tin Ruth Metz­ler ge­wir­tet. Dass die Wie­ge der CVP Schweiz für die Par­tei im­mer noch von gros­ser Be­deu­tung ist, zeigt die Ret­tungs­ak­ti­on von 2012: Weil der denk­mal­ge­schütz­te Land­gast­hof vor der Schlies­sung stand, ent­schloss sich die kan­to­na­le CVP, das Röss­li kur­zer­hand zu kau­fen.

Ei­ne äus­serst sel­te­ne Al­li­anz

Im Kan­ton wie in Rus­wil ist die CVP im­mer noch die wäh­ler­stärks­te Par­tei. Nicht über­ra­schend be­fin­det sich das Ge­mein­de­prä­si­di­um von je­her in CVPHAND. An­fang Jahr gab nun der lang­jäh­ri­ge Ge­mein­de­prä­si­dent und Cvp-na­tio­nal­rat Leo Müller sei­nen Rück­tritt aus der kom­mu­na­len Po­li­tik be­kannt. Als sei­nen Nach­fol­ger no­mi­nier­te die CVP ein­stim­mig den Land­wirt und Orts­par­tei­prä­si­den­ten Franz­sepp Er­ni.

Ak­tu­ell setzt sich der Ge­mein­de­rat aus drei CVP- und je ei­nem FDP- und Sp­ver­tre­ter zu­sam­men. Mit­te März gab die SP be­kannt, dass sie mit ih­rer Ge­mein­de­rä­tin Lot­ti Sta­del­mann den CVP-SITZ an­grei­fen wer­de. Rein wahl­arith­me­tisch wä­re das ein chan­cen­lo­ses Un­ter­fan­gen: Die SP kommt in Rus­wil auf rund 8 Pro­zent Wäh­ler­an­teil, die CVP da­ge­gen auf fast 37 Pro­zent. Doch ver­gan­ge­ne Wo­che trat die SVP (knapp 30 Pro­zent) auf den Plan und gab ei­ne Wahl­emp­feh­lung für die Ge­nos­sin ab.

Die Sp-kan­di­da­tin sei volks­nah, po­li­tisch er­fah­ren und für die Volks­par­tei nicht so weit links an­zu­sie­deln, dass sie nicht wähl­bar wä­re, sag­te der Svp-orts­par­tei­prä­si­dent der «Lu­zer­ner Zei­tung». In die­ser Klar­heit sei die Un­ter­stüt­zung «ei­ne äus­serst sel­te­ne Kon­stel­la­ti­on», kom­men­tier­te das Blatt. Er­schwe­rend für die CVP kommt da­zu, dass die FDP mit rund 17 Pro­zent Wäh­ler­an­teil Stimm­frei­ga­be be­schloss. Die SP ist elek­tri­siert von der Aus­sicht, an die­sem sym­bo­li­schen Ort ei­nen Sieg er­rin­gen zu kön­nen. Kan­to­nal­prä­si­dent Da­vid Roth ver­mei­det aber jeg­li­chen Über­mut: «Lot­ti Sta­del­mann ist das Ge­gen­bild zu den lang­jäh­ri­gen po­li­ti­schen Macht­struk­tu­ren in Rus­wil, sie kommt dank ih­rer of­fe­nen und zu­gäng­li­chen Art gut an.»

CVP: «Das Ren­nen ist of­fen»

Schlecht kommt na­tur­ge­mäss die Al­li­anz bei den Christ­de­mo­kra­ten an, auch weil sich die CVP in der Ver­gan­gen­heit im­mer wie­der von der SVP an­hö­ren muss­te, sie sei nicht bür­ger­lich, da sie mit der Lin­ken stim­men wür­de, wie Ri­co De Bo­na sagt, Par­tei­se­kre­tär der kan­to­na­len CVP. De Bo­na stellt die Fra­ge der Glaub­wür­dig­keit und wirft der Volks­par­tei po­li­ti­sches Kal­kül vor. «Mit der Wahl der Sp-frau wür­de ein Sitz im Ge­mein­de­rat frei wer­den, den die SVP be­an­spru­chen wür­de.»

De Bo­na be­tont, dass der Fin­dungs­pro­zess äus­serst se­ri­ös durch­ge­führt wur­de und sich mit Franz­sepp Er­ni ein sehr qua­li­fi­zier­ter Kan­di­dat zur Wahl stel­le. Aber: «Vor 20 Jah­ren wä­re der Aus­gang völ­lig klar ge­we­sen, aber heu­te mit den vie­len Neu­zu­zü­gern in Rus­wil ist das Ren­nen of­fen.» Vor 20 Jah­ren hat­te die Lu­zer­ner CVP auch ei­nen Wäh­ler­an­teil von fast 40 Pro­zent, mitt­ler­wei­le sind es noch ak­tu­ell rund 30 Pro­zent.

Leo Müller Der Lu­zer­ner Cvp-na­tio­nal­rat gibt sein Amt als Ge­mein­de­prä­si­dent von Rus­wil ab.

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