UBS ver­langt Steu­er­nach­wei­se

Nun müs­sen auch be­stimm­te Schwei­zer Kun­den be­le­gen, dass ih­re Gel­der kor­rekt ver­steu­ert sind.

Der Bund - - WIRTSCHAFT - Hol­ger Alich

Das Ver­hält­nis der Schwei­zer Bank­kun­den zu ih­rem In­sti­tut ist nicht ein­fach nur ei­ne Ge­schäfts­be­zie­hung. Es ist ein Po­li­ti­kum. Vor die­sem Hin­ter­grund lässt ei­ne neue Pra­xis der UBS auf­hor­chen. Seit die­ser Wo­che müs­sen be­stimm­te Schwei­zer Kun­den der Bank ei­nen Nach­weis dar­über er­brin­gen, dass ih­re Gel­der kor­rekt ver­steu­ert sind. Die UBS be­stä­tig­te ei­nen ent­spre­chend Be­richt der «Fi­nanz und Wirt­schaft». Die Schwei­zer Markt­füh­re­rin ist mit der Pra­xis nicht al­lein.

Die neue Re­gel be­trifft Schwei­zer Kun­den, die ent­we­der ein Num­mern­kon­to ha­ben, die Post bankla­gern, oder Kun­den, die wirt­schaft­lich Be­rech­tig­te ei­ner Off­s­hore­struk­tur sind, zum Bei­spiel ei­nes Trusts ei­ner Ka­ri­bik­in­sel. Die­se Kun­den müs­sen neu­er­dings der Bank mit ei­nem Aus­zug der Steu­er­er­klä­rung oder durch ei­ne Be­stä­ti­gung ei­nes Steu­er­be­ra­ters be­le­gen, dass ih­re Gel­der kor­rekt de­kla­riert sind. Von die­ser neu­en Re­gel be­trof­fen sei­en rund hun­dert Kun­den, heisst es.

War­um die UBS aus­ge­rech­net jetzt die­se Pra­xis ein­führt, war nicht in Er­fah­rung zu brin­gen. Aus der Bank ist nur von «ei­nem nächs­ten Schritt» in Sa­chen Steu­er­trans­pa­renz zu hö­ren. Seit 2012 macht die UBS in ih­ren Ge­schäfts­be­din­gun­gen Kun­den dar­auf auf­merk­sam, dass ih­re Gel­der ver­steu­ert sein müs­sen.

Die UBS ist nicht al­lei­ne

Sol­che For­mu­lie­run­gen sind seit lan­gem Stan­dard bei Ban­ken. Doch Be­le­ge dar­über, dass die Gel­der ver­steu­ert sind, muss­ten bis­her pri­mär aus­län­di­sche Kun­den bei­brin­gen. Nun sind auch Schwei­zer Kun­den da­von be­trof­fen. Und nicht nur bei der UBS.

So er­klär­te Julius Bär auf An­fra­ge, ob die Bank eben­falls von Schwei­zer Kun­den Steu­er­be­le­ge ein­for­de­re: «Bei be­ste­hen­den Kun­den wird bei be­stimm­ten Ri­si­ko­fak­to­ren ei­ne Steu­er­kon­for­mi­täts­be­stä­ti­gung ver­langt. Die An­ge­mes­sen­heit die­ser für ei­ne Steu­er­kon­for­mi­täts­er­klä­rung re­le­van­ten Ri­si­ko­fak­to­ren wird lau­fend ge­prüft und bei Be­darf an­ge­passt.» Ähn­lich tönt es bei der Bank Von­to­bel: «Bei Kun­den mit hö­he­ren Kom­ple­xi­tä­ten stellt Von­to­bel grund­sätz­lich hö­he­re An­for­de­run­gen, die über die ob­li­ga­to­ri­sche Er­klä­rung zur Steu­er­ehr­lich­keit hin­aus­ge­hen.»

Von Cre­dit Suis­se hiess es nur: «Steu­er­kon­for­mi­tät ist Vor­aus­set­zung für ei­ne Ge­schäfts­be­zie­hung mit der Cre­dit Suis­se. Die Bank hält dies in ih­ren Kon­to­er­öff­nungs­ver­trä­gen und den AGB klar fest. Sie will Ge­schäf­te nur mit Kun­den tä­ti­gen, die ih­re Ver­mö­gens­wer­te voll­stän­dig de­kla­riert ha­ben.»

Kri­tik an neu­er Pra­xis

Svp-na­tio­nal­rat Tho­mas Mat­ter, der das in­län­di­sche Bank­ge­heim­nis per Ver­fas­sungs­än­de­rung schüt­zen woll­te, kri­ti­siert die­se Steu­er­kon­trol­len bei Schwei­zer Kun­den. Ban­ken sei­en zwar frei, sol­che Nach­wei­se zu ver­lan­gen, aber: «Die Kun­den sind es auch und soll­ten Kon­se­quen­zen zie­hen», sagt Mat­ter. Sprich, sie soll­ten die Bank ver­las­sen.

Der Svp-po­li­ti­ker be­klagt zu­dem die schlei­chen­de Ero­si­on des Bank­ge­heim­nis­ses im In­land, die Auf­wei­chung «ist längst Fakt», ur­teilt er. Er ver­weist dar­auf, dass Ban­ken ih­re All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen ge­än­dert ha­ben, «so­dass Ban­ken in­ und aus­län­di­schen Be­hör­den Aus­kunft er­tei­len dür­fen».

Hin­ter den Ge­schäfts­be­din­gun­gen ste­hen in­des we­ni­ger Steu­er­kon­trol­len, son­dern Mel­de­pflich­ten an aus­län­di­sche Be­hör­den. Dies vor al­lem mit Blick auf Wert­pa­pier­trans­ak­tio­nen. Ein Aus­lö­ser für Mel­de­pflich­ten an aus­län­di­sche Be­hör­den sind Eu-ver­ord­nun­gen. Sie ver­lan­gen un­ter an­de­rem Na­me, Ge­burts­da­tum und ei­ne Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer der Kun­den. Mit den neu­en Ge­schäfts­be­din­gun­gen si­chert sich ei­ne Bank beim Kun­den ab, dass die­ser mit der Da­ten­lie­fe­rung ein­ver­stan­den ist. Der Ge­setz­ge­ber hat­te mit dem neu­en Fi­nanz­markt­auf­sichts­ge­setz die­se so­ge­nann­te Di­rekt­über­mitt­lung der Da­ten ans Aus­land mög­lich ge­macht.

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