Der prä­si­dia­le Mit­tel­fin­ger

Vo­le­ro ver­letzt im Vol­ley­ball­fi­nal ge­gen Aesch-pfef­fin­gen ei­ne Re­gel, Prä­si­dent Ja­co­bi ern­tet Hass so­wie ei­ne Bus­se über 20 000 Fran­ken – und re­agiert auf sei­ne Wei­se.

Der Bund - - SPORT - Re­né Hau­ri

Ein Mit­tel­fin­ger er­regt der­zeit die Ge­mü­ter in der Volleyball-sze­ne. Er ge­hört Stav Ja­co­bi, dem Prä­si­den­ten von Vo­le­ro Zü­rich, der mit sei­nem Club seit Jah­ren die Frau­en­meis­ter­schaft be­herrscht und des­halb oh­ne­hin nicht die gröss­ten Sym­pa­thi­en ge­niesst. Am Mitt­woch­abend er­gos­sen sich so­gar Fluch­ti­ra­den und Pfif­fe über ihn. Die ka­men von Fans aus Aesch­pf­ef­fin­gen, des Geg­ners Vo­le­ros im Play­off-fi­nal. Ja­co­bi lä­chel­te in die Zu­schau­er, zück­te dann eben­die­sen Mit­tel­fin­ger und strich sich da­mit mehr­fach über die Na­se.

Ein klei­ner Skan­dal war ge­bo­ren. Der Ver­band Swiss Vol­ley teil­te ges­tern mit: «In ei­nem Ver­fah­ren un­ter­sucht die Meis­ter­schafts­kom­mis­si­on ei­nen mög­li­chen Ver­stoss von Ja­co­bi ge­gen die Ethik-char­ta we­gen un­sport­li­chen Ver­hal­tens.» Nun ist es so ei­ne Sa­che mit die­sem Mit­tel­fin­ger. Ja­co­bi sagt, er be­nut­ze die­sen, um sich an sei­ner Na­se zu krat­zen. Doch: Es juck­te den 51-Jäh­ri­gen in die­sem Mo­ment nicht. Zu­min­dest nicht an sei­nem Riech­or­gan. Der Ju­rist sagt zu sei­ner Ges­te: «Es ist mei­ne Art, je­man­dem ei­ne lan­ge Na­se zu zei­gen.» Und: «Will man mich da­für büs­sen, ge­he ich vor Ge­richt. Be­kom­me ich un­recht, be­ste­he ich dar­auf, dass Fur­zen auf der Tri­bü­ne ver­bo­ten wird.»

Ei­ne Bus­se in Hö­he von 20 000 Fran­ken muss er aber auf je­den Fall be­zah­len. Denn dass der Mul­ti­mil­lio­när be­schimpft wur­de, hat­te sei­ne Ur­sa­che. Als Vo­le­ro der 2:2-Satz­aus­gleich droh­te, ver­stiess es ge­gen ei­ne Re­gel. Ei­ne bri­san­te Re­gel im Zu­sam­men­hang mit Vo­le­ro, das seit Jah­ren mit ei­ner Viel­zahl an Spit­zen­vol­ley­bal­le­rin­nen aus dem Aus­land ver­sucht, den eu­ro­päi­schen Gip­fel zu er­klim­men. Das des­halb in der Li­ga und im Cup nie ge­for­dert war, 13 Cup- und wohl bald auch 13 Meis­ter­schafts­ti­tel ge­won­nen ha­ben wird, ehe es nach Frank­reich zieht, um sich ei­ner grös­se­ren Auf­ga­be zu stel­len.

Bus­se als Nach­wuchs­för­de­rung

Die­ses Vo­le­ro al­so ver­stiess im zwei­ten Fi­nal­du­ell – das ers­te hat­te es ver­lo­ren – ge­gen die so­ge­nann­te Las-re­gel. LAS heisst: lo­kal aus­ge­bil­de­te Spie­le­rin­nen. Im Nor­mal­fall: Schwei­ze­rin­nen. Zwei müs­sen zu je­dem Zeit­punkt auf dem Spiel­feld ste­hen. Im vier­ten Satz er­setz­te Trai­ner Avi­tal Se­lin­ger aber so­wohl Lau­ra Un­ter­näh­rer als auch Ga­bi Schot­t­roff durch zwei Aus­län­de­rin­nen. Die Zürche­rin­nen sieg­ten 3:1, pro feh­len­de Las-spie­le­rin wer­den 10 000 Fran­ken fäl­lig. Der Club wer­de das über­neh­men, sagt Ja­co­bi. Weil der Be­trag im Ge­gen­satz zu sämt­li­chen an­de­ren Bus­sen nicht dem Ver­band, son­dern Ju­nio­rin­nen zu­gu­te­kommt, re­det er von «Nach­wuchs­för­de­rung».

Er sei zwar «auch nicht glück­lich» über den Wir­bel, der dar­um ent­stand, doch von Un­fair­ness will Ja­co­bi nichts wis­sen, «viel­leicht war es nicht sym­pa­thisch». Die Ge­schich­te könn­te für ihn so­gar Gu­tes ha­ben. Zum ei­nen wird über Volleyball ge­re­det – «das ist doch su­per!» Zum an­de­ren wird auch das Las-re­gle­ment the­ma­ti­siert, das er be­kämpft, seit es vor fünf Jah­ren ein­ge­führt wur­de. Von «Ar­ten­schutz» sprach Ja­co­bi dies­be­züg­lich auch schon, Schwei­ze­rin­nen stün­den nur we­gen ih­res Pas­ses auf dem Feld, das scha­de ih­nen selbst. «Und noch et­was», sagt er. «Die­se Re­gel kam, um das Na­tio­nal­team zu stär­ken. Doch die­ses ist viel schwä­cher als noch vor fünf Jah­ren. Die Re­ge­lung funk­tio­niert nicht. Sie ist so­gar ein Un­ding ge­gen­über den Clubs und de­ren wirt­schaft­li­chem Den­ken.» Er sagt: «Das ist das ei­gent­li­che Är­ger­nis.»

Stav Ja­co­bi.

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