25 Mil­li­ar­den Dol­lar her­bei­ge­zau­bert

«Har­ry Pot­ter»-au­to­rin J. K. Row­ling baut ihr Wirt­schafts­im­pe­ri­um mit ei­ner re­kord­teu­ren Broad­way-show in New York wei­ter aus. Wie lan­ge kann der Hy­pe noch dau­ern?

Der Bund - - WIRTSCHAFT - Wal­ter Nie­der­ber­ger San Fran­cis­co

Die gröss­te Her­aus­for­de­rung ist, die Mar­ke Har­ry Pot­ter nicht so zu stra­pa­zie­ren, dass sie ver­lei­det. Trotz der ho­hen Kos­ten steht der Er­folg schon fest. Die Vor­stel­lun­gen sind bis zum kom­men­den März prak­tisch aus­ver­kauft.

Für das ers­te Har­ry-pot­ter-buch er­hielt die Au­to­rin ein Ho­no­rar von 2500 bri­ti­schen Pfund. 21 Jah­re und 6 Bän­de spä­ter ist das Zau­ber­wun­der­kind zu ei­nem glo­ba­len Wirt­schaftsphä­no­men ge­wor­den. Mehr als 500 Mil­lio­nen Pot­terbü­cher wur­den ver­kauft, die Film­rech­te spie­len ge­gen 8 Mil­li­ar­den Dol­lar ein, und Au­to­rin J. K. Row­ling ist nicht mehr al­lein­er­zie­hen­de Mut­ter und Aus­hilfs­leh­re­rin, son­dern Mil­li­ar­dä­rin.

Am Wo­che­n­en­de fiel ein wei­te­rer Re­kord: Das Stück «Har­ry Pot­ter and the Cur­sed Child» hat­te Pre­mie­re am New Yor­ker Broad­way. Har­ry tritt nicht mehr als Ma­gier auf, son­dern als drei­fa­cher Fa­mi­li­en­va­ter und über­ar­bei­te­ter Be­am­ter des «Mi­nis­te­ri­ums für Ma­gie». Die über 5 Stun­den lan­ge Thea­ter­vor­stel­lung kos­te­te 68,5 Mil­lio­nen Dol­lar – mehr als je­de an­de­re ver­gleich­ba­re Show in New York.

Broad­way-stück aus­ver­kauft

Trotz der ho­hen Kos­ten steht der Er­folg schon fest. Die Vor­stel­lun­gen sind bis zum kom­men­den März prak­tisch aus­ver­kauft. J. K. Row­ling be­kommt 31 Pro­zent und mit fort­lau­fen­der Spiel­zeit so­gar 41 Pro­zent der Net­to­ein­nah­men – ein Viel­fa­ches des­sen, was Au­to­ren für ihr Ur­he­ber­recht üb­li­cher­wei­se er­war­ten kön­nen.

Noch rei­cher zu wer­den, sei nicht ihr Ziel, sagt sie. Micha­el Jack­son woll­te sie sei­ner­zeit für ei­ne Pot­ter-show auf sei­ner Ne­ver­land Ranch ge­win­nen, doch sie sag­te ab. «Ich woll­te nicht, dass Har­ry auf die Büh­ne geht. Ich woll­te kein Mu­si­cal. Ich hat­te das Ge­fühl, ge­nug ge­tan zu ha­ben», er­klär­te sie dem Tv-sen­der CBS. Für den Broad­way mach­te sie ei­ne Aus­nah­me, al­ler­dings erst nach lan­gem Zu­re­den der Pro­du­zen­ten.

Ein Grund für ih­re Ein­wil­li­gung war die Zu­sam­men­ar­beit mit Jack Thor­ne, der den Pot­ter-stoff wei­ter­ge­spon­nen und für die Büh­ne auf­be­rei­tet hat. Row­ling schreibt nun sel­ber Dreh­bü­cher und schätz­te die en­ge Kol­la­bo­ra­ti­on mit ei­nem Pro­fi. Mehr als das: Die Pot­terauf­füh­rung in Lon­don zeig­te, dass 60 Pro­zent der Be­su­cher zu­vor noch nie ei­nem Thea­ter ge­we­sen wa­ren. «Es ist wun­der­bar, wenn gan­ze Fa­mi­li­en kom­men: die 20-Jäh­ri­gen genau­so wie Kin­der und die Gros­s­el­tern», so Row­ling.

Die Pro­du­zen­ten er­war­ten, dass die Show ein Rie­sen­hit wird und über meh­re­re Jah­re hin­weg das Thea­ter fül­len wird. «Das Ding hat zwar ei­ne Men­ge Geld ge­kos­tet», sagt Tom Vier­tel, Di­rek­tor des Com­mer­ci­al Thea­ter In­sti­tu­te, «aber schliess­lich geht es um Har­ry Pot­ter, ei­nen der po­pu­lärs­ten Na­men in der lan­gen Ge­schich­te von po­pu­lä­ren Mar­ken­zei­chen.» Wie gross der Na­me ist, zeig­te sich schon An­fang April, als das Stück in ei­ner Vor­pre­mie­re in ei­ner Wo­che 2,1 Mil­lio­nen Dol­lar ein­spiel­te. So viel hat noch kein Broad­way-stück in nur ei­ner Wo­che ein­ge­spielt.

Selbst die Ar­tis­tik­show des Cir­que du So­leil muss­te das Feld räu­men. Ihr «Pa­ra­mount»-mu­si­cal im Ly­ric Thea­ter schloss im April 2017 vor­zei­tig, um den Auf­bau der Pot­ter-pro­duk­ti­on zu er­mög­li­chen. Es war das ers­te Mal in der lan­gen Ge­schich­te des ka­na­di­schen Un­ter­neh­mens, dass ei­ne er­folg­rei­che Show ab­ge­bro­chen wer­den muss­te. Das von aussen we­nig an­sehn­li­che Thea­ter wur­de to­tal um­ge­baut und die Sitz­zahl um 200 auf 1622 re­du­ziert. Dies er­mög­lich­te den Ein­bau ei­nes Kup­pel­ge­wöl­bes.

Es dau­er­te 16 Wo­chen, bis die Büh­nen­aus­stat­tung ins Ge­bäu­de ge­hievt und in­stal­liert war. Die Pro­ben für die 60Schau­spie­ler dau­er­ten dop­pelt so lan­ge wie üb­lich, weil die Show in zwei Tei­len von je mehr als zwei­ein­halb Stun­den ge­zeigt wird. Die Schluss­ab­rech­nung ist noch nicht er­stellt, aber bis­her lie­fen Kos­ten von 68,5 Mil­lio­nen Dol­lar an, wo­von der Um­bau mehr als die Hälf­te ver­schlang. Auch die Kos­ten bre­chen al­so Re­kor­de – we­cken aber da­her ge­wis­se Sor­gen. So­nia Fried­man, ei­ne der Pro­du­zen­tin­nen, sag­te der «New York Ti­mes», es sei schwer zu fas­sen, war­um das Spek­ta­kel so teu­er ge­wor­den sei. «Aber eben, das ist New York.»

Die gröss­te Her­aus­for­de­rung ist nach An­sicht von Mar­ke­ting­ex­per­ten, die Mar­ke Har­ry Pot­ter nicht so zu stra­pa­zie­ren, dass sie ver­lei­det. Ein war­nen­des Bei­spiel ist «Lord of the Rings». Drei Fil­me und zu­sätz­lich drei Hob­bit-fil­me wa­ren zu viel, die Mar­ke ist fast voll­stän­dig ver­schwun­den. «‹Lord of the Rings› wur­de zu kom­pli­ziert und zu er­wach­sen», sagt Ga­ry Po­pe, Di­rek­tor der Mar­ke­ting­agen­tur Kids In­dus­tries. Das soll­te ei­ne Leh­re sein. «‹Har­ry Pot­ter› ist das ein­zi­ge Kin­der­buch, das so er­folg­reich wur­de und auch Er­wach­se­ne an­spricht.»

Schon 2016 wur­de der Wert des Pot­ter-im­pe­ri­ums auf 25 Mil­li­ar­den Dol­lar ge­schätzt. Der Ver­kauf der Bü­cher und der von Spiel­zeu­gen so­wie die Fil­me steu­ern je über 7 Mil­li­ar­den Dol­lar bei. Da­zu kom­men ne­ben der Broad­way­show ei­ne sie­ben­tei­li­ge Fern­seh­se­rie so­wie vier Ver­gnü­gungs­parks in Flo­ri­da, in Hol­ly­wood und in Os­a­ka ( Ja­pan). Da­ne­ben ver­zeich­net Ebay mit Har­ry-pot­termer­chan­di­se-wa­ren fast 4 Mil­li­ar­den Um­satz.

Ex­port­schla­ger Pot­ter

Pot­ter ist ne­ben Ja­mes Bond und den Beat­les ver­mut­lich das gröss­te Ex­port­pro­dukt der bri­ti­schen Un­ter­hal­tungs­in­dus­trie ge­wor­den. Das Phä­no­men be­schäf­tig­te selbst die re­nom­mier­te Lon­don Schools of Eco­no­mics. Sie schätzt den Bei­trag Har­ry Pot­ters zur bri­ti­schen Wirt­schaft auf 4 Mil­li­ar­den Pfund.

J. K. Row­ling sieht ihr Werk als voll­endet an. Zwar ist nach New York im kom­men­den Jahr das glei­che Mu­si­cal noch in Mel­bourne ge­plant. Da­nach ist aber Schluss. «Har­ry wird nur noch in ei­nem wei­te­ren Stück auf­tre­ten», sagt sie. «Nichts kann das (Thea­ter) über­tref­fen.» Wenn je­mand an­ders als sie selbst ver­su­chen soll­te, die Ge­schich­te wei­ter­zu­dre­hen, so droht ihm Un­ge­mach. «Wenn es sein muss, keh­re ich in hun­dert Jah­ren als Ge­spenst zu­rück und ver­fol­ge die Per­son, die es wagt», sagt Row­ling und meint das wohl nicht nur als Scherz.

Fo­to: zvg

Pot­ter-mu­si­cal in New York: Die Vor­stel­lun­gen sind über lan­ge Zeit aus­ver­kauft.

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