Wie das Aus­land die Prei­se treibt

Der Bund - - WIRTSCHAFT -

Letz­te Wo­che hat der Eu­ro erst­mals seit dem 15. Ja­nu­ar 2015 wie­der 1.20 ge­kos­tet. Da­mit en­det zu­min­dest vor­erst die Pha­se der star­ken Über­be­wer­tung der Schwei­zer Wäh­rung. Als Grund für die Be­kämp­fung des zu teu­ren Fran­kens mit Ne­ga­tiv­zin­sen und De­vi­sen­käu­fen hat die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank stets den Ein­fluss der Wäh­rung auf die in­län­di­sche Teue­rung ge­nannt. Im­mer­hin be­steht der Haupt­auf­trag der SNB dar­in, die Preis­sta­bi­li­tät zu wah­ren. Wer­tet sich der Fran­ken auf, zeigt sich das in ei­nem sin­ken­den Preis des Eu­ro und da­mit auch der im­por­tier­ten Gü­ter und Dienst­leis­tun­gen aus der Wäh­rungs­uni­on. Das um­ge­kehr­te ge­schieht, wenn der Fran­ken sich ab­schwächt.

Nun ge­hört es zu den heiss de­bat­tier­ten The­men un­ter Öko­no­men, war­um die Teue­rung in der ge­sam­ten in­dus­tria­li­sier­ten Welt aus­ser­ge­wöhn­lich tief bleibt, ob­wohl ge­mäss Lehr­buch Be­din­gun­gen vor­herr­schen, die ge­ra­de­zu In­fla­ti­ons­ängs­te schü­ren müss­ten: So ist die Geld­ver­sor­gung der No­ten­ban­ken trotz den Be­rich­ten über künf­tig hö­he­re Zin­sen noch im­mer äus­serst gross­zü­gig, und der Kon­junk­tur­mo­tor läuft welt­weit so heiss, wie schon lan­ge nicht mehr. Das gilt auch für die Schweiz – und selbst hier wird im lau­fen­den Jahr nur mit ei­ner Teue­rung von 0,7 Pro­zent ge­rech­net.

Die Im­por­te sind nicht schuld

In sei­nem neu­es­ten Wirt­schafts­aus­blick hat der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds un­ter­sucht, wel­che Rol­le der in­ter­na­tio­na­le Han­del für die Teue­rung spielt: Sin­ken­de Prei­se für Im­por­te sind nicht nur das Re­sul­tat von Än­de­run­gen in den Wäh­rungs­ver­hält­nis­sen, sie kön­nen auch aus ei­nem grös­se­ren in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb oder ei­ner tie­fe­ren In­fla­ti­on bei den Han­dels­part­nern re­sul­tie­ren, weil die­se in wich­ti­gen Be­rei­chen pro­duk­ti­ver sind oder weil dort die Ge­samt­nach­fra­ge lahmt.

Der Preis­druck nach oben wird auch ein­ge­schränkt, weil sich Gü­ter und Di­ens­te heu­te ein­fa­cher grenz­über­schrei­tend ver­kau­fen und Pro­duk­ti­ons­stät­ten ver­schie­ben las­sen. Das eher über­ra­schen­de Re­sul­tat der Iwf-un­ter­su­chung: Der Aus­sen­han­del ist nicht ver­ant­wort­lich für die tie­fen In­fla­ti­ons­ra­ten in den ent­wi­ckel­ten Län­dern. Zum ei­nen war die Teue­rung be­son­ders tief im Di­enst­leis­tungs­be­reich, der der Glo­ba­li­sie­rung nur we­nig aus­ge­setzt ist. Bei grenz­über­schrei­tend ge­han­del­ten Gü­tern wie Fahr­zeu­gen und Klei­dern da­ge­gen war sie hö­her.

Was heisst das nun für die Schweiz? En­det jetzt die Zeit der ex­tre­men Wäh­rungs­aus­schlä­ge der letz­ten Jah­re, dürf­te der Ein­fluss des Aus­sen­han­dels auf die Teue­rung deut­lich ge­rin­ger wer­den. Denn es lag vor al­lem an der dra­ma­ti­schen Auf­wer­tung des Fran­kens ab 2015, dass das Preis­ni­veau so­gar fiel. Seit der Ab­schwä­chung des Fran­kens im letz­ten Jahr ist die Teue­rung wie­der im Stei­gen be­grif­fen.

Mar­kus Diem Meier Chef­öko­nom und Au­tor

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