Hün­de­ler in Angst

Der Bund - - FINALE - Yann Che­rix

Auf ei­nem Bild sitzt sie auf dem hei­mi­schen So­fa und blickt treu­her­zig in die Ka­me­ra. Auf ei­nem an­de­ren prä­sen­tiert sich Char­ly auf ei­ner Wie­se als stol­ze Pelz­be­au­ty. Und da sind auch noch her­zi­ge Ba­by­fo­tos von ihr. Ein­bli­cke in das tie­ri­sche Fa­mi­li­en­al­bum ge­währt «20 Mi­nu­ten».

Klar ist, dass nach der Durch­sicht die­ser Jöö!­bil­der die Em­pö­rung der Le­ser­schaft noch be­deu­tend ak­zen­tu­ier­ter aus­fal­len dürf­te. Denn aus­ge­rech­net die­se her­zi­ge Char­ly soll Op­fer ei­ner fie­sen Mes­ser­at­ta­cke ge­we­sen sein.

Es ge­schah am ver­gan­ge­nen Sonn­tag­abend. R. H. war wie im­mer mit ih­rer Ber­ner Sen­nen­hün­din zum Abend­spa­zier­gang auf­ge­bro­chen. Das Ziel: ei­ne in der Re­gi­on be­lieb­te Hun­de­wie­se. Schnell merk­te die Hun­de­hal­te­rin aber, dass an die­sem Früh­lings­abend et­was nicht stimm­te. Char­ly ha­be, so wird sie in der Gra­tis­zei­tung zi­tiert, stän­dig ner­vös nach hin­ten ge­blickt. Denn da war ei­ne dunk­le Gestalt, die den bei­den ge­folgt war. Was da­nach genau und in wel­cher Ab­fol­ge pas­sier­te, bleibt un­klar. Je­den­falls scheint der Un­be­kann­te Char­ly auf der Hun­de­wie­se plötz­lich an­ge­grif­fen zu ha­ben.

Die Hal­te­rin, in die­sem Mo­ment of­fen­bar ge­ra­de mit der un­ap­pe­tit­li­chen Pflicht­auf­ga­be ei­nes je­den Hün­de­lers be­schäf­tigt, sah von wei­tem, wie ih­re Char­ly mit ei­nem Mes­ser an­ge­grif­fen wur­de.

Drei­mal ha­be der äl­te­re Mann in Rich­tung des Hun­des ge­fuch­telt. Als R. H. dann zu ih­rer Hün­din ge­lau­fen sei und die­se am Hals­band zu­rück­ge­zo­gen ha­be, hol­te der Mann zum vier­ten Schlag aus. «Er traf da­bei bei­na­he mich mit sei­nem Mes­ser – ich hat­te schreck­li­che Angst», so R. H. Der Mes­ser­ste­cher soll sich nach die­sem Dis­put dann von der Hun­de­wie­se ent­fernt und da­bei noch ge­droht ha­ben: «Nimm dei­nen blö­den Hund an die Lei­ne. Wenn ich das nächs­te Mal se­he, dass er wie­der nicht an­ge­leint ist, ste­che ich ihn ab.» Char­ly und ih­re Be­sit­ze­rin blie­ben un­ver­letzt, aber ge­schockt zu­rück.

Im Ap­pen­zel­ler­land sorgt die Atta­cke auf Char­ly für Auf­re­gung, in den so­zia­len Me­di­en wird ge­warnt und ge­strit­ten. Es ist die al­te De­bat­te: Ge­hö­ren Hun­de an die Lei­ne? Zu­dem er­in­nern sich nicht we­ni­ge User an den Fall Chic­co.

Eben­falls in He­ri­sau wars, als 2016 ein psy­chisch kran­ker Mann ei­nen Hund zu To­de trat. Und auch da­mals han­del­te es sich beim Op­fer um ei­nen Ber­ner Sen­nen­hund. Geht al­so gar ein Wie­der­ho­lungs­tä­ter her­um?

Die Po­li­zei er­mit­telt. Sie kann da­zu aber noch nichts Kon­kre­tes sa­gen. Auf viel kann sie nicht zu­rück­grei­fen. Denn die Per­so­nen­be­schrei­bung von R. H. sei lei­der et­was dürf­tig. In der Hit­ze des Ge­fechts und in der Dun­kel­heit ha­be die Hun­de­hal­te­rin schlecht ge­se­hen, so der Spre­cher der Ka­po. Ver­ständ­lich. Wer rech­net schon beim Gas­si­ge­hen mit ei­ner Mes­ser­at­ta­cke ei­nes Un­holds?

Schnell merk­te die Hun­de­hal­te­rin, dass an die­sem Früh­lings­abend et­was nicht stimm­te. Char­ly ha­be stän­dig ner­vös nach hin­ten ge­blickt. Denn da war ei­ne dunk­le Gestalt.

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