Den «in­nigs­ten Wunsch» der Queen er­füllt

Der bri­ti­sche Thron­fol­ger Prinz Charles wird Ober­haupt des Com­mon­wealth wer­den.

Der Bund - - AUSLAND - Pe­ter Non­nen­ma­cher Lon­don

Auf dem Com­mon­wealth-gip­fel be­liess es die Queen nicht bei di­plo­ma­ti­schen Ar­tig­kei­ten. Nach der Be­grüs­sung von 53 Staats- und Re­gie­rungs­chefs kam Eliz­a­beth II. schnell zum sprin­gen­den Punkt. Was das Com­mon­wealth brau­che, er­klär­te das lang­jäh­ri­ge Ober­haupt der Or­ga­ni­sa­ti­on, sei «Sta­bi­li­tät und Kon­ti­nui­tät». Es sei dar­um ihr «in­nigs­ter Wunsch», dass «der Prinz von Wa­les ei­nes Ta­ges die wich­ti­ge Ar­beit fort­setzt, die mein Va­ter 1949 be­gann».

So di­rekt war die Kö­ni­gin kaum je ge­wor­den. Es gibt aber auch kaum et­was, das so wich­tig wä­re wie der Er­halt des Com­mon­wealth, die­ser Welt­büh­ne, die der bri­ti­schen Mon­ar­chie ein glo­ba­les Flair, ei­ne weit über die Küs­ten des ei­ge­nen Lan­des hin­aus rei­chen­de Auf­ga­be ver­schafft. Die Com­mon­wealth-chefs hat­ten in den letz­ten Jah­ren mehr­fach durch­bli­cken las­sen, dass es Zwei­fel an der Eig­nung von Prinz Charles für die­se Rol­le gibt. Op­po­si­ti­ons­füh­rer Je­re­my Cor­byn hat­te vor­ge­schla­gen, dass der Vor­sitz reih­um über­nom­men wer­den könn­te von den 53 Com­mon­wealth-mit­glie­dern. Ei­ner Um­fra­ge zu­fol­ge hält das auch ein Drit­tel der bri­ti­schen Be­völ­ke­rung für ei­ne gu­te Idee. Charles war des­halb sicht­lich er­leich­tert, als das Com­mon­wealth ges­tern die er­hoff­te Zu­sa­ge für die nach-eli­sa­be­tha­ni­sche Ära gab.

Staats­ober­haupt von 16 Staa­ten

Of­fen­bar wag­te es zu­letzt nie­mand, der Kö­ni­gin ih­ren «in­nigs­ten Wunsch» ab­zu­schla­gen: nicht der Frau, die die­se Rol­le 66 Jah­re lang mit viel Charme und Aus­dau­er ver­sah, und die heu­te 92 Jah­re alt wird. Der lo­cke­re Bund Gross­bri­tan­ni­ens mit vie­len sei­ner frü­he­ren Ko­lo­ni­en hat Eliz­a­beth im­mer ei­ne Men­ge be­deu­tet. Sie ist viel ge­reist in die­sem Ge­biet, das im­mer­hin ein Vier­tel der Land­mas­se der Er­de und fast ein Drit­tel der Welt­be­völ­ke­rung um­fasst.

Ka­na­da, Aus­tra­li­en und In­di­en ge­hö­ren dem Ver­band eben­so an wie win­zi­ge pa­zi­fi­sche In­seln wie Sa­moa oder Tu­va­lu. Die Queen ist bis heu­te Staats­ober­haupt von 16 Com­mon­wealth-län­dern, ob­wohl über­all re­pu­bli­ka­ni­sche Nei­gun­gen die Zu­kunft der Kro­ne in­fra­ge stel­len. Die in­ne­re Viel­falt des Ver­ban­des, mit dem die Bri­ten seit Em­pi­re-zei­ten ih­re kul­tu­rel­le und po­li­ti­sche Ein­fluss­sphä­re zu wah­ren such­ten, hat ge­mein­sa­mer Ak­ti­on frei­lich im­mer en­ge Gren­zen ge­setzt. Li­be­ral ge­stimm­te Com­mon­wealth-mit­glie­der woll­ten zum Bei­spiel beim Gip­fel er­neut die Le­ga­li­sie­rung von gleich­ge­schlecht­li­chen Be­zie­hun­gen dis­ku­tie­ren. In 36 Com­mon­wealth-staa­ten ver­stösst Ho­mo­se­xua­li­tät noch im­mer ge­gen das Ge­setz.

Ei­ne Al­ter­na­ti­ve zur EU

We­ni­ger um­strit­ten wa­ren an­de­re The­men, die auf der Ta­ges­ord­nung stan­den, wie Um­welt­ver­schmut­zung, Kli­ma­wan­del, Mala­ria, Ent­wick­lungs­po­li­tik. Über Welt­han­del wird beim Com­mon­wealth un­ent­wegt ge­spro­chen. Die­ses Jahr, im Jahr vor dem Br­ex­it, hat die bri­ti­sche Re­gie­rung be­son­de­res In­ter­es­se dar­an ge­zeigt. Denn schon vor dem Re­fe­ren­dum von 2016 hat­ten Br­ex­i­teers wie der heu­ti­ge Aus­sen­mi­nis­ter Bo­ris John­son das Com­mon­wealth als die Al­ter­na­ti­ve zur EU be­zeich­net. John­son nann­te den bri­ti­schen Bei­tritt zur Eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­ge­mein­schaft ein­mal ei­nen «Ver­rat» am Com­mon­wealth.

In­zwi­schen ver­si­chern Br­ex­it-hard­li­ner ih­ren Lands­leu­ten, ein Aus­bau des Han­dels mit den «auf­stre­ben­den Öko­no­mi­en» des Com­mon­wealth wer­de mög­li­che Ver­lus­te in Eu­ro­pa aus­glei­chen. Für bri­ti­sche Un­ter­neh­men bleibt die EU, mit der die Bri­ten die Hälf­te ih­res Han­dels ab­wi­ckeln, aber un­gleich wich­ti­ger als das Com­mon­wealth-ter­ri­to­ri­um, in das nur neun Pro­zent bri­ti­scher Ex­por­te ge­hen. Com­mon­wealth-re­gie­rungs­chefs ha­ben auch schon frei­mü­tig be­kun­det, sie sä­hen kei­nen Grund, Gross­bri­tan­ni­en aus nost­al­gi­schen Grün­den ir­gend­wel­che Vor­zugs­be­din­gun­gen bei neu­en Han­dels­ver­trä­gen ein­zu­räu­men.

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