Ka­vi­ar im Eu­ro­pa­rat

Aser­bei­dschan hat an­geb­lich Par­la­men­ta­ri­er in Strassburg ge­schmiert. Auch Schwei­zer Ab­ge­ord­ne­te be­rich­ten von Kor­rup­ti­ons­ver­su­chen.

Der Bund - - AUSLAND - Vin­cen­zo Ca­po­di­ci

Geld, Ka­vi­ar, Tep­pi­che, Ein­la­dun­gen, Lu­xus­uh­ren: Mit Ge­schen­ken und Ge­fäl­lig­kei­ten hat Aser­bei­dschan jah­re­lang et­li­che Par­la­men­ta­ri­er des Eu­ro­pa­rats für sich ge­won­nen. Auf die­se Wei­se ge­lang es im­mer wie­der, kri­ti­sche Be­rich­te über Wah­len oder die Men­schen­rechts­la­ge im ei­ge­nen Land zu ver­hin­dern. Seit Jah­ren kur­sie­ren Ge­schich­ten um die so­ge­nann­te Ka­vi­ar-di­plo­ma­tie der öl­rei­chen ehe­ma­li­gen So­wjet­re­pu­blik. Vie­le Vor­wür­fe wur­den nun durch ei­ne ex­ter­ne Un­ter­su­chung be­stä­tigt.

Ge­mäss dem am Sonn­tag­abend ver­öf­fent­lich­ten über 200 Sei­ten lan­gen Un­ter­su­chungs­be­richt gibt es den «star­ken Ver­dacht», dass sich ei­ni­ge ge­gen­wär­ti­ge und frü­he­re Mit­glie­der der par­la­men­ta­ri­schen Ver­samm­lung des Eu­ro­pa­rats «kor­rup­ten Ak­ti­vi­tä­ten zu­guns­ten Aser­bei­dschans» hin­ge­ge­ben hät­ten. Na­ment­lich er­wähnt wer­den mehr als ein Dut­zend Par­la­men­ta­ri­er, die ge­gen die Ver­hal­tens­re­geln und Ethik­stan­dards des Eu­ro­pa­rats ver­stos­sen ha­ben sol­len. Dem Par­la­ment in Strassburg ge­hö­ren 324 na­tio­na­le Ab­ge­ord­ne­te aus 47 Staa­ten an. Die Schwei­zer De­le­ga­ti­on be­steht aus 12 Bun­des­par­la­men­ta­ri­ern. Der Eu­ro­pa­rat in Strassburg ist ei­ne wich­ti­ge In­sti­tu­ti­on, die sich als Hü­te­rin von Men­schen­rech­ten, De­mo­kra­tie und Rechts­staat ver­steht.

Dick Mar­ty am Guck­loch

Das au­to­ri­tär re­gier­te Aser­bei­dschan ver­sucht seit sei­ner Auf­nah­me im Jahr 2001, die Ar­beit des Eu­ro­pa­rats zu be­ein­flus­sen. Von Be­ste­chungs­ver­su­chen be­rich­ten auch Schwei­zer Po­li­ti­ker, wie aus dem Be­richt der Son­der­er­mitt­ler her­vor­geht. Der frü­he­re Eu­ro­pa­rats­ab­ge­ord­ne­te Dick Mar­ty er­zähl­te den Er­mitt­lern von mut­mass­li­chen Pro­sti­tu­ier­ten­diens­ten, die ihm an­ge­bo­ten wor­den wa­ren. Bei ei­ner of­fi­zi­el­len Mis­si­on in Ba­ku ha­be nachts um 1 Uhr je­mand an der Tür sei­nes Ho­tel­zim­mers ge­klopft. Durch das Guck­loch sah Mar­ty zwei leicht be­klei­de­te jun­ge Frau­en mit ei­ner Fla­sche Cham­pa­gner. Er ha­be die Tür aber nicht auf­ge­macht.

Auch von Fdp-na­tio­nal­rä­tin Do­ris Fia­la, die der ak­tu­el­len Schwei­zer Eu­ro­pa­rats­de­le­ga­ti­on an­ge­hört, ist ein mut­mass­li­cher Be­ste­chungs­ver­such von Aser­bei­dschan über­lie­fert. Ge­mäss dem Be­richt er­hielt sie bei ei­ner Ar­beits­vi­si­te in Ba­ku nach ei­nem Mit­tag­es­sen ein Ge­schenk. Da­bei han­del­te es sich um ei­ne wert­vol­le Gold­ket­te mit Per­len und Dia­man­ten. Fia­la gab das Ge­schenk zu­rück.

Als ei­ne der Schlüs­sel­fi­gu­ren der Aser­bei­dschan-con­nec­tion in Strassburg gilt der ita­lie­ni­sche Christ­de­mo­krat Lu­ca Vo­lon­te. Er soll Be­ste­chungs­gel­der aus Aser­bei­dschan in der Hö­he von fast 2,4 Mil­lio­nen Eu­ro er­hal­ten ha­ben. Vo­lon­te am­tier­te als Frak­ti­ons­chef der christ­de­mo­kra­ti­schen Eu­ro­päi­schen Volks­par­tei im Eu­ro­pa­rat. Ge­gen Vo­lon­te hat­te die Staats­an­walt­schaft in Mai­land En­de 2016 ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren we­gen Kor­rup­ti­on und Geld­wä­sche ein­ge­lei­tet.

Ei­ne wei­te­re Schlüs­sel­fi­gur ist der frü­he­re deut­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Edu­ard Lint­ner. Der Csu-po­li­ti­ker er­hielt zwi­schen 2012 und 2014 über 800 500 Eu­ro aus Aser­bei­dschan. Die Zah­lun­gen lie­fen über Brief­kas­ten­fir­men in Grossbrita­nnien. Die­sel­ben Fir­men wur­den für die Trans­ak­tio­nen zu­guns­ten von Vo­lon­te ge­nutzt. Mit sei­ner Be­ra­ter­fir­ma Li­ne M-tra­de be­trieb Lint­ner die von Ba­ku be­zahl­te Lob­by­ar­beit für Aser­bei­dschan, das seit zwei Jahr­zehn­ten vom Fa­mi­li­en­clan der Ali­je­ws mit har­ter Hand re­giert wird.

Wie ein­fluss­reich die Aser­bei­dsch­an­lob­by im Eu­ro­pa­rat im­mer noch ist, zeigt die Beur­tei­lung der Prä­si­den­ten­wah­len vor zwei Wo­chen, bei der es laut den in­ter­na­tio­na­len Be­ob­ach­tern zu gra­vie­ren­den Un­re­gel­mäs­sig­kei­ten ge­kom­men war. «Die Ma­ni­pu­la­tio­nen wa­ren klar sicht­bar», sag­te Al­f­red Heer, Zürcher Svp-na­tio­nal­rat und Mit­glied des Eu­ro­pa­rats, der als Wahl­be­ob­ach­ter in Aser­bei­dschan war.

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