Ho­tel Schwei­zer­hof muss Ber­ner Ar­chi­tek­ten viel Geld be­zah­len

Das Ber­ner Fünf­stern­ho­tel ist im Pro­zess ge­gen ein Ar­chi­tek­tur­bü­ro de­fi­ni­tiv un­ter­le­gen.

Der Bund - - WIRTSCHAFT - Adri­an Sulc

Vor sie­ben Jah­ren wur­de das Lu­xus­ho­tel Schwei­zer­hof am Ber­ner Bahn­hof­platz fei­er­lich wie­der­er­öff­net. Zu­vor hat­te der Staats­fonds von Ka­tar die Im­mo­bi­lie ge­kauft und to­tal sa­niert. Da­bei ging es chao­tisch zu und her: Wäh­rend des Um­baus wur­de das Pro­jekt lau­fend er­wei­tert, zu­dem wech­sel­ten die Be­sit­zer die Ar­chi­tek­ten aus. Statt der bud­ge­tier­ten 45 Mil­lio­nen Fran­ken kos­te­te der Um­bau schliess­lich 62 Mil­lio­nen Fran­ken.

Nach­dem Gen­fer Ar­chi­tek­ten im Ju­li 2010 das Hand­tuch ge­wor­fen hat­ten, kam das Ber­ner Ar­chi­tek­tur­bü­ro Spör­ri Graf Part­ner zum Zug. Die­se Zu­sam­men­ar­beit en­de­te im De­zem­ber 2016 vor Ge­richt: Die Ho­tel Schwei­zer­hof Bern AG wei­ger­te sich, den Ber­ner Ar­chi­tek­ten Rech­nun­gen in der Hö­he von 380 000 Fran­ken zu be­zah­len – weil die­se für Ver­spä­tun­gen und Kos­ten­über­schrei­tun­gen ver­ant­wort­lich sei­en.

Das ber­ni­sche Han­dels­ge­richt sah es hin­ge­gen an­ders: Die Mehr­kos­ten sei­en pri­mär auf zu­sätz­li­che Wün­sche der Ho­tel­be­sit­zer zu­rück­zu­füh­ren. Und für die Ver­spä­tun­gen könn­ten die Ar­chi­tek­ten nicht haft­bar ge­macht wer­den. Und so ur­teil­ten die Rich­ter da­mals, die Ho­tel Schwei­zer­hof Bern AG müs­se Spör­ri Graf Part­ner nicht nur das Ho­no­rar von 380 000 Fran­ken be­zah­len, son­dern auch ei­nen für frü­he­re Rech­nun­gen aus­ge­han­del­ten Ab­schlag von 80 000 Fran­ken er­stat­ten. Da­zu kom­men die An­walts­kos­ten der Ar­chi­tek­ten von 89 000 Fran­ken und Ge­richts­kos­ten von 82 000 Fran­ken.

170 000 Fran­ken Ver­zugs­zin­sen

Lan­ge blieb of­fen, ob die Ka­ta­rer das Ur­teil wei­ter­zie­hen wür­den. Denn das schrift­li­che Ur­teil lag erst die­sen März vor. Nun ist klar: Das Ur­teil ist rechts­gül­tig. Die Ar­chi­tek­ten muss­ten lan­ge auf ihr Geld war­ten – da­für wer­den sie nun mit ei­nem fürst­li­chen Zins von 5 Pro­zent be­lohnt. In­zwi­schen müs­sen die Ho­tel­be­trei­ber dem Bü­ro rund 170 000 Fran­ken an Zin­sen be­zah­len. Man neh­me «mit gros­ser Be­frie­di­gung» zur Kennt­nis, dass die Schwei­zer­hof­be­trei­ber von ei­nem Wei­ter­zug des Ur­teils ab­ge­se­hen hät­ten, teilt Micha­el Ba­der, der An­walt der Ber­ner Ar­chi­tek­ten, auf An­fra­ge mit.

Das Ho­tel Schwei­zer­hof woll­te nach der Er­öff­nung auch die Ho­no­ra­re di­ver­ser Hand­wer­ker und Bau­un­ter­neh­men nicht be­zah­len. Die­se gin­gen je­doch nicht vor Ge­richt, son­dern schlos­sen Ver­glei­che ab, in de­nen der Schwei­zer­hof Ra­bat­te aus­han­deln konn­te.

Die Ho­tel­be­trei­ber reich­ten je­doch so­ge­nann­te Streit­ver­kün­dungs­kla­gen ein, mit de­nen sie die in ih­ren Au­gen im­mer noch zu ho­hen Hand­wer­ker­rech­nun­gen von Spör­ri Graf Part­ner zu­rück­for­dern wol­len. Nach der Nie­der­la­ge vor Han­dels­ge­richt sind die Chan­cen auf Er­folg je­doch klein. Die Schwei­zer­hof­mut­ter­ge­sell­schaft Ka­ta­ra Ho­s­pi­ta­li­ty Swit­z­er­land AG will sich laut Spre­cher Jo­nas Reif nicht zu ei­nem all­fül­li­gen Rück­zug der Kla­gen äus­sern.

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