Raiff­ei­sen ver­schickt Kon­to­aus­zü­ge an fal­sche Kun­den

Durch ei­ne Pan­ne bei ei­nem Ost­schwei­zer Di­enst­leis­ter ha­ben 114 Bank­kun­den feh­ler­haf­te Kon­to­aus­zü­ge er­hal­ten.

Der Bund - - WIRTSCHAFT - Hol­ger Alich

Die Raiff­ei­sen-ban­ken­grup­pe kommt nicht aus den ne­ga­ti­ven Nach­rich­ten raus. Ex-chef Pie­rin Vin­cenz sitzt nun seit fast zwei Mo­na­ten we­gen des Ver­dachts der un­treu­en Ge­schäfts­be­sor­gung in Un­ter­su­chungs­haft. Die Um­stel­lung des Kern­ban­ken­sys­tems be­rei­tet nach wie vor ei­ni­ge Pro­ble­me. Und nun wur­de be­kannt, dass es zu ei­ner Pan­ne beim Ver­sand von Kon­to­aus­zü­gen ge­kom­men ist.

114 Raiff­ei­sen-kun­den hät­ten ver­gan­ge­ne Wo­che fal­sche oder un­voll­stän­di­ge Kon­to­aus­zü­ge er­hal­ten, teil­te die Bank mit und be­stä­tig­te ei­nen Be­richt des In­ter­net­por­tals «In­si­de Pa­ra­de­platz». Zum Teil ha­ben Kun­den Be­le­ge von an­de­ren Kon­ten er­hal­ten. An­de­re wie­der­um hät­ten un­voll­stän­di­ge Kon­to­aus­zü­ge er­hal­ten. Vom Vor­fall sei­en Kun­den aus der gan­zen Schweiz be­trof­fen, teil­te ei­ne Spre­che­rin mit.

Die Ur­sa­che der Pan­ne liegt beim Di­enst­leis­ter Trend­com­mer­ce, ei­nem Druck- und Mar­ke­ting­un­ter­neh­men mit Sitz in St. Gal­len, das nach ei­ge­nen An­ga­ben rund 180 Mit­ar­bei­ter be­schäf­tigt. Das Un­ter­neh­men druckt und ver­schickt seit No­vem­ber 2012 al­le Bank­be­le­ge für Raiff­ei­sen. Laut Raiff­ei­sen sei die Ur­sa­che des feh­ler­haf­ten Ver­sands ei­ne «nicht ab­ge­schlos­se­ne Da­ten­be­rei­ni­gung» bei Trend­com­mer­ce. Dies ha­be dann zur Fehl­zu­ord­nung der Kun­den­da­ten ge­führt.

In­vest­net ist Ak­tio­när

Trend­com­mer­ce be­stä­tig­te per Stel­lung­nah­me den Vor­fall, woll­te aber zu De­tails auf An­fra­ge kei­ne Aus­kunft ge­ben. Nach An­ga­ben der Bank sei nicht ge­plant, dem Un­ter­neh­men nach der Pan­ne den Auf­trag zu ent­zie­hen.

In­ter­es­sant ist: Raiff­ei­sen ist nicht nur der wich­tigs­te Kun­de von Trend­com­mer­ce. Vor rund zwei Jah­ren über­nah­men In­ves­to­ren um die Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft In­vest­net AG auch ei­ne sub­stan­zi­el­le Be­tei­li­gung am St. Gal­ler Mar­ke­ting­dienst­leis­ter. Die In­vest­net AG wie­der­um ge­hör­te bis vor kur­zem mehr­heit­lich Raiff­ei­sen Schweiz und spielt in der Af­fä­re Vin­cenz ei­ne wich­ti­ge Rol­le.

Straf­an­zei­ge ge­gen un­be­kannt

Denn Vin­cenz hat­te die Mehr­heits­über­nah­me an der Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft als Raiff­ei­sen-chef ein­ge­lei­tet. Die Staats­an­walt­schaft geht nun der Fra­ge nach, ob er an die­sem Ge­schäft pri­vat in ver­bo­te­ner Wei­se ver­dient hat. Mitt­ler­wei­le hat Raiff­ei­sen die Mehr­heit an der Fir­ma In­vest­net wie­der ver­kauft. Mit­be­grün­der Pe­ter Wüst fun­giert wei­ter als Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent der Trend­com­mer­ce Schweiz AG.

Der Vor­fall hat den­noch Fol­gen: Weil Kun­den durch die Pan­ne frem­de Kon­to­be­le­ge be­kom­men ha­ben, wur­de das Bank­ge­heim­nis ver­letzt. Raiff­ei­sen hat da­her Straf­an­zei­ge ge­gen un­be­kannt bei der Staats­an­walt­schaft in Gos­sau ein­ge­reicht. Zu­dem wur­de die Fi­nanz­markt­auf­sicht über die Pan­ne in­for­miert. Ei­nen Falsch­ver­sand von Kon­to­be­le­gen in viel grös­se­rem Aus­mass hat es be­reits ein­mal im Jahr 2014 ge­ge­ben. Bei der Bank Co­op, die heu­te Bank Cler heisst, wur­den da­mals Aus­zü­ge von 43 000 Kun­den bei an­de­ren Adres­sa­ten bei­ge­legt. 31 000 Kun­den hat­ten Be­le­ge von an­de­ren Per­so­nen in der Post.

An­zei­ge oh­ne Fol­ge

Ur­sa­che der Pan­ne von da­mals war, dass die Bank ih­ren Kun­den auf ih­ren Bank­aus­zü­gen auch ei­ne Über­sicht über ih­re Ra­batt­punk­te an­zei­gen woll­te. Bei der Pa­ra­me­tri­sie­rung die­ser neu­en Kon­to­aus­zugs­bei­la­ge sei es zu ei­nem Feh­ler ge­kom­men, stell­te ein Be­richt des Wirt­schafts­prü­fungs­un­ter­neh­mens De­loit­te fest, wel­chen die Bank da­mals in Auf­trag ge­ge­ben hat­te.

Meh­re­re Kun­den hat­ten in­fol­ge der Pan­ne bei der Bank Co­op ei­ne Straf­an­zei­ge we­gen Ver­let­zung des Bank­ge­heim­nis­ses ein­ge­reicht. Doch im März 2015 ent­schied die Staats­an­walt­schaft Ba­sel-stadt schliess­lich, nicht auf die An­zei­ge ein­zu­tre­ten.

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