Hel­ve­tia-ma­na­ger ge­schäf­te­ten pri­vat mit Vin­cenz

Zwei ehe­ma­li­ge Ka­der­leu­te des Ver­si­che­rers ha­ben Be­tei­li­gun­gen mit dem Ex-raiff­ei­sen-chef ge­hal­ten. Laut der Hel­ve­tia gab es da­bei kei­ne In­ter­es­sen­kon­flik­te.

Der Bund - - WIRTSCHAFT - Ernst Mei­er

Seit fast zwei Mo­na­ten sitzt der ehe­ma­li­ge Raiff­ei­sen­chef und Ex­prä­si­dent des Ver­si­che­rers Hel­ve­tia, Pie­rin Vin­cenz, in Un­ter­su­chungs­haft. Die Er­mitt­ler wer­fen ihm un­treue Ge­schäfts­be­sor­gung vor: Er soll pri­vat an Über­nah­men ver­dient ha­ben, die er als Bank­chef in­iti­ier­te. Nun wird be­kannt: Auch zwei ehe­ma­li­ge Hel­ve­tia­ma­na­ger ha­ben ge­mein­sam mit Ex­raiff­ei­sen­Chef Vin­cenz Un­ter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen ge­hal­ten.

Beim ers­ten Fall geht es um die Comm­train, die 2007 von der Adu­n­oG­rup­pe, an der Raiff­ei­sen be­tei­ligt war, über­nom­men wur­de. Der An­bie­ter von Zahl­ter­mi­nals für Kre­dit­kar­ten ist der Start­punkt der Af­fä­re. Denn Vin­cenz war zum Zeit­punkt der Über­nah­me pri­vat an Comm­train be­tei­ligt.

400 000 Fran­ken er­hal­ten

Nun wird be­kannt, dass auch Her­mann Sut­ter An­tei­le an Comm­train hielt. Sut­ter be­gann 1988 bei Hel­ve­tia und stieg auf bis zum Kon­zern­lei­tungs­mit­glied und Lei­ter des Be­reichs Nicht­le­ben. Laut dem Por­tal «In­si­de Pa­ra­de­platz» soll Sut­ter über 400 000 Fran­ken durch den Ver­kauf er­hal­ten ha­ben.

Auf An­fra­ge nimmt Hel­ve­tia zum Fall wie folgt Stel­lung: «Her­mann Sut­ter hat sei­ne Be­tei­li­gung ge­gen­über Hel­ve­tia of­fen­ge­legt.» Es hät­ten wäh­rend der gan­zen Zeit kei­ne In­ter­es­sen­kon­flik­te mit der Tä­tig­keit bei Hel­ve­tia be­stan­den. «Es gilt bei Hel­ve­tia die Re­ge­lung, dass Be­tei­li­gun­gen of­fen­ge­legt wer­den müs­sen, so­bald In­ter­es­sen­kon­flik­te mit der Tä­tig­keit beim Un­ter­neh­men be­ste­hen oder ent­ste­hen könn­ten», heisst es wei­ter. Dies sei im «Co­de of Com­p­li­an­ce» des Ver­si­che­rungs­kon­zerns ge­re­gelt und gel­te für sämt­li­che Mit­ar­bei­ter der Hel­ve­tia­grup­pe.

Be­tei­li­gung des Ex-prä­si­den­ten

Der Na­me Hel­ve­tia taucht auch in ei­nem wei­te­ren Fall auf, der ak­tu­ell zu re­den gibt. Erich Wal­ser – lang­jäh­ri­ger Hel­ve­tia­prä­si­dent, mitt­ler­wei­le ver­stor­ben – war mit Pie­rin Vin­cenz am Fi­nanz­dienst­leis­ter Fortu­na Fi­nan­ce AG be­tei­ligt. Die­se er­warb nach 2012 das St. Gal­ler Dru­cke­rei­un­ter­neh­men Ty­po­tron, das auch Druck­auf­trä­ge für Raiff­ei­sen und Hel­ve­tia aus­führ­te. Laut «In­si­de Pa­ra­de­platz» soll die Kauf­sum­me in­klu­si­ve Good­will 605 000 Fran­ken be­tra­gen ha­ben. Erich Wal­ser war laut dem Be­richt in den Ty­po­tronKauf in­vol­viert und ge­währ­te der Fortu­na Fi­nan­ce ein Dar­le­hen von 400 000 Fran­ken.

Be­steht ein In­ter­es­sen­kon­flikt, wenn der Hel­ve­tia­prä­si­dent pri­va­tes Geld in ei­ne Fir­ma in­ves­tiert, die gleich­zei­tig für sei­nen Ar­beit­ge­ber tä­tig ist? «Zu die­sem Zeit­punkt war Erich Wal­ser nicht voll­amt­li­cher Prä­si­dent von Hel­ve­tia und hat­te auch an­de­re Äm­ter im Teil­pen­sum aus­ser­halb», schreibt der Ver­si­che­rungs­kon­zern. Das rein pri­va­te En­ga­ge­ment von Erich Wal­ser an Ty­po­tron sei be­kannt ge­we­sen. «Hel­ve­tia war bei die­sem Ge­schäft aber nicht in­vol­viert», heisst es. Ty­po­tron sei ei­ner von vie­len Lie­fe­ran­ten von Hel­ve­tia. «Auf­trä­ge an Lie­fe­ran­ten wer­den nach ei­nem ge­ord­ne­ten Aus­schrei­be­pro­zess ver­ge­ben», schreibt Hel­ve­tia.

Ein Ex­per­te für gu­te Un­ter­neh­mens­füh­rung, der lie­ber an­onym blei­ben will, meint: «Es spricht grund­sätz­lich nichts da­ge­gen, dass ein Ka­der­mit­ar­bei­ter ei­ner bör­sen­ko­tier­ten Fir­ma sich an an­de­ren Un­ter­neh­men be­tei­ligt. Hei­kel ist es je­doch, wenn das Un­ter­neh­men, für das die Per­son tä­tig ist, sel­ber in das Rechts­ge­schäft in­vol­viert ist.»

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