«Man soll­te beim Brä­teln im Wald sehr vor­sich­tig sein»

Das schö­ne und tro­cke­ne Wetter führt zu er­heb­li­cher Wald­brand­ge­fahr in den ber­ni­schen Wäl­dern.

Der Bund - - BERN - In­ter­view: Nao­mi Jo­nes

Herr Schmidt, zur­zeit herrscht Wald­brand­ge­fahr. Wie viel Wald wur­de durch die Feu­er zer­stört?

Beim grös­se­ren Feu­er in La Neu­ve­vil­le sind gut fünf Hekt­aren Wald ver­brannt. Da­ne­ben gab es wei­te­re klei­ne­re Brän­de, wie ober­halb von Blu­men­stein, mit deut­lich we­ni­ger als ei­ner Hekt­are Brand­flä­che.

Wo ist die Ge­fahr am gröss­ten?

Die Wald­brand­ge­fahr ist im gan­zen Kan­ton Bern er­heb­lich. Be­son­ders kri­tisch ist sie über­all dort, wo die Son­ne di­rekt hin­scheint und es viel tro­cke­nes Laub vom Vor­jahr hat.

Nach den Win­ter­stür­men liegt viel Holz am Bo­den. Be­güns­tigt das die Wald­brän­de?

Das im Win­ter ge­fal­le­ne Holz ist ver­mut­lich noch nicht so tro­cken, dass ein Feu­er aus­bre­chen könn­te. Laub, Na­deln und dür­re Äs­te am Bo­den sind das grös­se­re Ri­si­ko. Wenn aber ein Brand aus­bricht, ist das Fall­holz ein Brenn­stoff, der das Feu­er ver­stärkt.

Was heisst dies für Spa­zier­gän­ger?

Für sie be­steht kei­ne un­mit­tel­ba­re Ge­fahr, denn ein Feu­er ent­steht sel­ten spon­tan. Man muss aber mit Feu­er im Wald und in Wald­nä­he vor­sich­tig sein.

Darf man noch ei­ne Zi­ga­ret­te im Wald rau­chen?

Ja, aber man darf die Kip­pe oder das Zünd­holz nicht ein­fach weg­wer­fen. Die Glut im tro­cke­nen Laub kann aus­rei­chen, um ei­nen Brand aus­zu­lö­sen.

Brä­teln soll­te man aber bes­ser sein las­sen.

Man soll­te beim Brä­teln im Wald sehr vor­sich­tig sein, nur be­fes­tig­te Feu­er­stel­len ver­wen­den, das Feu­er gut über­wa­chen und am Schluss zum Bei­spiel mit ge­nü­gend Was­ser gut lö­schen. Bei stär­ke­rem Wind soll­te ganz auf das Feu­ern ver­zich­tet wer­den.

Be­ein­flusst die Wald­brand­ge­fahr die Auf­räum­ar­bei­ten nach Stür­men?

Nur wenn da­bei Feu­er ein­ge­setzt wer­den soll. Das muss von den Wald­ab­tei­lun­gen be­wil­ligt wer­den, was nur in zwin­gen­den Aus­nah­me­fäl­len mög­lich ist.

Und was sind gu­te Grün­de für Aus­nah­men?

Wenn Äs­te und an­de­res Holz zum Bei­spiel bei ei­nem Ge­wit­ter ei­nen Bach stau­en, spre­chen wir von Ver­klau­sung. Wenn al­so die Ver­klau­sung ei­nes Ba­ches droht und das Holz nicht mit ver­nünf­ti­gem Auf­wand ab­trans­por­tiert wer­den kann, kann die Wald­ab­tei­lung das ge­ord­ne­te Ver­bren­nen be­wil­li­gen.

Wald­ar­bei­ten sind nach Stür­men noch ge­fähr­li­cher als sonst. Gab es bis­her Un­fäl­le?

Mir sind kei­ne töd­li­chen Un­fäl­le in Zu­sam­men­hang mit den Sturm­schä­den 2018 im Kan­ton Bern be­kannt.

Burg­lind, Evi und Frie­de­ri­ke ha­ben stär­ker ge­wü­tet als an­ge­nom­men. War­um?

Im Ober­land kam ein Föhn­sturm da­zu. Es win­de­te im Ja­nu­ar sehr viel. Im Mo­ment wer­den die Schä­den mit 470 000 Ku­bik­me­tern ge­fal­le­nem Holz knapp 20 Pro­zent hö­her ge­schätzt als zu Be­ginn an­ge­nom­men. Es sind aber wei­ter­hin Schät­zun­gen. In hö­he­ren La­gen kann erst jetzt mit den Auf­räum­ar­bei­ten be­gon­nen wer­den, weil vie­ler­orts noch Schnee liegt.

Was be­deu­tet das für die Wald­be­sit­zer im Kan­ton Bern?

Sturm­schä­den sind nie will­kom­men. Die Be­sit­zer kön­nen das ge­fal­le­ne Holz zwar noch ver­kau­fen, das Hol­zen ist aber auf­wen­di­ger. Und wenn die Bäu­me zum Bei­spiel ge­bro­chen sind, ent­steht auch ein Wert­ver­lust. Die Wald­be­sit­zer ha­ben al­so mehr Auf­wand und we­ni­ger Er­trag pro Ku­bik­me­ter Holz.

Las­sen sich die Schä­den in Fran­ken be­zif­fern?

Nein, da­zu ha­ben wir kei­ne Stu­di­en. Die Kos­ten für die Auf­räum­ar­bei­ten sind von den Stra­te­gi­en der Wald­be­sit­zer ab­hän­gig, al­so da­von, wie sie den Wald nut­zen. Dort wo der Schutz­wald vor ei­ner Bor­ken­kä­fer­ver­meh­rung ge­schützt wer­den muss, kann der Kan­ton Mass­nah­men an­ord­nen. In die­sen Fäl­len be­zahlt er ei­nen pau­scha­len Bei­trag. Un­ter ge­wis­sen Be­din­gun­gen leis­tet auch der Fonds­su­is­se, der bei Ele­men­tar­schä­den hilft, Bei­trä­ge.

Und wie viel ha­ben die Stür­me den Kan­ton Bern ge­kos­tet?

Der Re­gie­rungs­rat hat im Fe­bru­ar ei­nen Kre­dit von 7,2 Mil­lio­nen Fran­ken für dring­li­che Mass­nah­men be­wil­ligt. Da­mit sol­len das Ri­si­ko ei­ner Bor­ken­kä­fer­ver­meh­rung ge­senkt und Fol­ge­schä­den in wich­ti­gen Schutz­wäl­dern ver­hin­dert wer­den. Die wei­te­ren Kos­ten hän­gen vom Er­folg die­ser Mass­nah­men und der Wit­te­rung im Som­mer­halb­jahr ab.

Wie si­cher ist der Wald heu­te für Spa­zier­gän­ger?

Wer in die Na­tur geht, tut dies auf ei­ge­ne Ver­ant­wor­tung. Kein Wald­be­sit­zer kann ab­so­lu­te Si­cher­heit ga­ran­tie­ren, und es kann auch im Un­ter­land im­mer noch lo­se Äs­te in Kro­nen ge­ben. Aber wo die Ar­bei­ten ab­ge­schlos­sen sind, kön­nen die Wäl­der wie­der nor­mal be­gan­gen wer­den.

Vor bald 20 Jah­ren mach­te uns Lothar zu schaf­fen. Hat man dar­aus et­was ge­lernt?

Ja. Dank den Er­fah­run­gen von Lothar wis­sen wir, dass es sich lohnt, die Wäl­der ge­zielt auf­zu­räu­men, um Mas­sen­ver­meh­run­gen des Bor­ken­kä­fers vor­zu­beu­gen. Die­ser macht uns be­son­ders we­gen des Fich­ten­be­stan­des Sor­ge. Der Kä­fer nis­tet sich in der Rin­de von ge­fal­le­nen oder ge­schwäch­ten Fich­ten ein. Ver­mehrt er sich zu stark, kann er auch ge­sun­de Bäu­me be­fal­len, so­dass sie abst­er­ben. Dar­um müs­sen ge­schä­dig­te Fich­ten ent­fernt oder zu­min­dest ent­rin­det wer­den.

Nach Lothar liess man ei­nen Teil des Fall­hol­zes lie­gen, um die Wäl­der na­tur­na­her zu ge­stal­ten. Hat das et­was ge­bracht?

Der Bund schuf da­mals die Mög­lich­keit, so­ge­nann­te Wald­re­ser­va­te aus­zu­schei­den, sehr kurz­fris­tig. Im Kan­ton Bern ta­ten wir das bei Flä­chen, die sehr stark be­schä­digt wa­ren. Wenn wir den Wald pro­fes­sio­nell be­wirt­schaf­ten, brau­chen wir kei­ne Stür­me, um ihn na­tur­nah zu ge­stal­ten.

Und wird es neue Wald­re­ser­va­te ge­ben?

Der Kan­ton sucht ak­tu­ell Wald­be­sit­zer, die Wald­re­ser­va­te schaf­fen wol­len. Das kön­nen auch vom Sturm be­trof­fe­ne Flä­chen sein.

Fo­to: Fran­zis­ka Schei­deg­ger

In man­chen Wäl­dern im Kan­ton Bern sind – so wie hier im Bur­g­er­wald in Nie­der­bipp – die Sturm­schä­den noch gut sicht­bar.

Ro­ger Schmidt ist Vor­ste­her des Amts für Wald des Kan­tons Bern (Ka­wa)

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