«Zur­zeit heisst es rüs­ten, rüs­ten und noch­mals rüs­ten»

Der Bund - - EINSTEIGER - Text und Bild: Pe­ter Brand

Re­bec­ca Fru­ti­ger ist an­ge­hen­de Gärt­ne­rin Fach­rich­tung Zier­pflan­zen. Ihr Lehr­be­trieb, die Blu­men Ger­ber & Co. in St­ef­fis­burg, bie­tet ihr ein op­ti­ma­les Lern­um­feld. Zu­sam­men mit Be­rufs­bild­ner Ste­phan Nyffeler stellt sie ih­ren Ar­beits­all­tag nä­her vor.

Frau Fru­ti­ger, Sie ab­sol­vie­ren ei­ne Aus­bil­dung als Gärt­ne­rin Fach­rich­tung Zier­pflan­zen. Wie sind Sie zu Ih­rem Be­ruf ge­kom­men? Fru­ti­ger: Es war ein län­ge­rer Weg bis hier­her. Ur­sprüng­lich lern­te ich Kin­der­gärt­ne­rin und war ei­ni­ge Jah­re in die­sem Be­ruf tä­tig. Trotz ei­ner gu­ten Stel­le ent­schied ich mich in der Fol­ge für ei­ne Zwei­t­aus­bil­dung als Gärt­ne­rin. Die­ser Be­ruf hat mich schon im­mer fas­zi­niert. Nun ste­hen Sie be­reits kurz vor dem Lehr­ab­schluss. Wie ge­fällt Ih­nen der neue Be­ruf? Fru­ti­ger: Ich bin sehr zu­frie­den. Acht St­un­den kör­per­lich zu ar­bei­ten, war zu Be­ginn der Lehr­zeit ei­ne ziem­li­che Her­aus­for­de­rung. Ich muss­te mich um­stel­len. An­de­rer­seits tra­ge ich nicht mehr so viel Ver­ant­wor­tung wie frü­her. Das macht die Ar­beit un­be­schwer­ter.

Wie läuft die Aus­bil­dung im Lehr­be­trieb? Fru­ti­ger: Op­ti­mal. Wir Ler­nen­de wer­den sehr gut un­ter­stützt. Wenn nö­tig sitzt am Abend noch die Pra­xis­aus­bild­ne­rin mit uns zu­sam­men, um et­was zu er­klä­ren oder et­was zu­sam­men­zu­stel­len. Das ist al­les an­de­re als selbst­ver­ständ­lich. Der Be­trieb bie­tet durch sei­ne Grösse ei­ne brei­te Pa­let­te an Mög­lich­kei­ten. Das gibt span­nen­de und ab­wechs­lungs­rei­che Ein­bli­cke.

Wie muss man sich Ih­ren Ar­beits­all­tag vor­stel­len? Fru­ti­ger: Das ist sehr ab­hän­gig von der Sai­son. Am Mor­gen ver­sam­meln wir uns, in­for­mie­ren über die an­ste­hen­den Ar­bei­ten und tei­len die Teams ein. Zur­zeit heisst es rüs­ten, rüs­ten und noch­mals rüs­ten. Wir ho­len die Pflan­zen in der Pro­duk­ti­on, put­zen sie her­aus und stel­len die Lie­fe­run­gen be­reit. Wir be­lie­fern Pri­vat­kun­den, aber auch Blu­men­bör­sen und Gärt­ne­rei­en. Im Win­ter fal­len mehr Kul­tur­ar­bei­ten an: Sä­en, Pi­kie­ren und Ein­top­fen von Jung­pflan­zen.

Wel­ches sind die High­lights Ih­rer Ar­beit? Fru­ti­ger: Ei­gent­lich ma­che ich al­les ger­ne und kann nichts be­son­ders her­vor­he­ben. Mich über­zeugt viel­mehr das Ge­samt­pa­ket. Ich mag die Ar­beit in ei­nem coo­len Team, wenn al­le Hand in Hand ar­bei­ten. Man er­reicht zu­sam­men et­was und hat es gut da­bei.

Im Som­mer en­det Ih­re Aus­bil­dung. Was ma­chen Sie da­nach? Fru­ti­ger: Ich ha­be be­reits die Zu­si­che­rung, dass ich im Be­trieb blei­ben kann. Das ist nicht die Norm und da­her über­aus er­freu­lich. So kann ich im Be­ruf Fuss fas­sen und mich wei­ter ver­bes­sern.

Herr Nyffeler, wie be­ur­tei­len Sie die Aus­bil­dungs­si­tua­ti­on von Frau Fru­ti­ger? Nyffeler: Re­bec­ca ist gut un­ter­wegs. Ich bin sehr zu­frie­den und mer­ke, dass sie be­reits in ei­nem Be­ruf ge­ar­bei­tet hat und ge­wohnt ist, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Am An­fang mach­te ihr die Um­stel­lung auf die kör­per­li­che Ar­beit zu schaf­fen. Der Gärt­ner­be­ruf ist an­stren­gend. Er ver­langt auch hand­werk­li­che Flink­heit und Ge­schickt­heit. Das al­les muss zu­erst an­trai­niert wer­den.

Sie bil­den neun Ler­nen­de aus. Wel­che Be­ru­fe ge­nau? Nyffeler: Zur­zeit sind drei Flo­ris­tin­nen und sechs Gärt­ne­rin­nen Fach­rich­tung Zier­pflan­zen bei uns in Aus­bil­dung. Da es im­mer we­ni­ger Lehr­be­trie­be in un­se­rer Bran­che gibt, kom­men un­se­re Ler­nen­den mitt­ler­wei­le von weit her und nicht wie frü­her nur aus dem na­hen Um­kreis.

So vie­le Ler­nen­de aus­zu­bil­den, ist ein gros­ses En­ga­ge­ment für die Be­rufs­bil­dung. Was mo­ti­viert Sie da­zu? Nyffeler: Ler­nen­de aus­zu­bil­den, ist für ei­nen Be­trieb nach wie vor in­ter­es­sant. Ent­wi­ckeln sich die Jun­gen gut, sind sie spä­tes­tens im drit­ten Lehr­jahr pro­duk­ti­ve und leis­tungs­fä­hi­ge Ar­beits­kräf­te. Aus­ser­dem ist der Te­am­mix mit Ler­nen­den in der Re­gel ho­mo­ge­ner. Die Be­trie­be ha­ben al­so durch­aus ih­re Ge­gen­leis­tung. Die meis­ten un­se­rer Fach­leu­te sind ehe­ma­li­ge Ler­nen­de. Wir si­chern auf die­se Wei­se un­se­ren Nach­wuchs. Ab­ge­se­hen da­von ist es enorm span­nend, jun­ge Men­schen auf ih­rem Weg in die Be­rufs­welt zu be­glei­ten.

Wor­auf legt Ihr Be­trieb bei der Aus­bil­dung Wert? Nyffeler: Die In­hal­te und Zie­le rich­ten sich nach dem Bil­dungs­plan. Wir ach­ten dar­auf, dass wir mög­lichst viel da­von im Be­trieb ab­de­cken kön­nen. Dar­über hin­aus ver­su­chen wir, den Ler­nen­den Team­spi­rit zu ver­mit­teln. Wir ar­bei­ten mit­ein­an­der und hel­fen uns ge­gen­sei­tig. Wir ver­mit­teln auch Wert­schät­zung ge­gen­über der ge­leis­te­ten Ar­beit. Wie sieht die Ar­beits­markt­si­tua­ti­on in der Gärt­ner­bran­che aus? Nyffeler: Jun­ge Be­rufs­leu­te brau­chen et­was Ge­duld, um Fuss fas­sen zu kön­nen. Zu­kunft hat si­cher der Be­reich Di­enst­leis­tung. Das sind Ar­bei­ten, die wir zu­hau­se beim Kun­den aus­füh­ren. Auch der End­ver­kauf ist gut auf­ge­stellt. Al­ler­dings ist hier ei­ne Struk­tur­be­rei­ni­gung ab­seh­bar. Ei­ni­ge Be­trie­be wer­den sich be­haup­ten und da­mit eher er­star­ken, an­de­re wer­den sich zu­sam­men­schlies­sen und wie­der an­de­re ver­schwin­den. Ei­ne gros­se Her­aus­for­de­rung ist die Pro­duk­ti­on. Sie be­inhal­tet viel Hand­ar­beit. Da sind aus­län­di­sche Be­trie­be im Vor­teil. ein­stei­[email protected]

Bei der Rüst­ar­beit im Ge­wächs­haus: Re­bec­ca Fru­ti­ger mit Ste­phan Nyffeler.

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