Te­he­ran droht Prä­si­dent Trump

Eu­ro­pa ringt mit den USA wei­ter um den Fort­be­stand des Iran-ab­kom­mens.

Der Bund - - AUSLAND - Hu­bert Wet­zel Wa­shing­ton

Das Atom­ab­kom­men zwi­schen dem Wes­ten und dem Iran steht auf der Kip­pe. Dem fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Em­ma­nu­el Ma­cron ist es bei sei­nen Ge­sprä­chen in Wa­shing­ton of­fen­bar nicht ge­lun­gen, sei­nen ame­ri­ka­ni­schen Kol­le­gen Do­nald Trump da­zu zu über­re­den, den Ver­trag nicht wie an­ge­droht zu kün­di­gen. Es sei be­kannt, sag­te Ma­cron am Di­ens­tag, dass er das Ab­kom­men un­ter­stüt­ze und Trump es ab­leh­ne. «Und wir sind bei­de nicht da­für be­kannt, dass wir un­se­re Mei­nun­gen än­dern», füg­te er hin­zu.

Zu­vor hat­te Trump das Ab­kom­men er­neut als «lä­cher­lich» und «wahn­sin­nig» be­zeich­net. «Es hät­te nie ab­ge­schlos­sen wer­den dür­fen», sag­te er. Zwar be­ton­te er nicht aus­drück­lich, dass er aus dem Ver­trag aus­stei­gen wer­de. Er liess je­doch kaum ei­nen Zwei­fel dar­an, dass er wil­lens ist, am 12. Mai die Aus­set­zung der Wirt­schafts­sank­tio­nen ge­gen den Iran nicht noch ein­mal zu ver­län­gern. Das kä­me ei­ner Auf­kün­di­gung des Ab­kom­mens gleich.

Das Atom­ab­kom­men, das Trumps Vor­gän­ger Ba­rack Oba­ma ab­ge­schlos­sen hat, friert Tei­le des ira­ni­schen Nu­kle­ar­pro­gramms für ei­ne be­fris­te­te Zeit ein. Da­nach darf Te­he­ran wie­der Atom­for­schung be­trei­ben – wenn auch kei­ne Nu­kle­ar­waf­fen her­stel­len. Trump und vie­le Re­pu­bli­ka­ner im Kon­gress üben seit Jah­ren schar­fe Kri­tik an dem Ab­kom­men. Die Eu­ro­pä­er, die mit Oba­ma an den Ver­hand­lun­gen be­tei­ligt wa­ren, wol­len es hin­ge­gen um je­den Preis er­hal­ten. Das mach­te Ma­cron auch klar: Das Ab­kom­men sei in sei­ner jet­zi­gen Form «nicht aus­rei­chend», aber es sei «wich­tig», um Te­he­ran kurz­fris­tig vom Bau von Atom­waf­fen ab­zu­hal­ten. Und er schlug vor, das Ab­kom­men um wei­te­re Ver­trä­ge zu er­gän­zen. Die­se sol­len Te­he­rans Ra­ke­ten­bau­pro­gram­me so­wie das ag­gres­si­ve Ver­hal­ten des Iran im Na­hen Os­ten ein­däm­men, vor al­lem in Sy­ri­en. Zu­dem soll dem Iran lang­fris­tig ver­bo­ten wer­den, Atom­waf­fen zu ent­wi­ckeln. So soll die Be­fris­tung im ur­sprüng­li­chen Atom­ab­kom­men aus­ge­he­belt wer­den, die Trump be­son­ders stört.

Ob die­se Er­gän­zun­gen Trump am En­de um­stim­men kön­nen, ist aber of­fen. Eben­so, ob Te­he­ran ge­willt ist, sich ei­ner Än­de­rung des Ab­kom­mens zu un­ter­wer­fen. Der Us-prä­si­dent zeig­te sich ges­tern je­den­falls we­nig kom­pro­miss­be­reit. Ein neu­es Ge­samt­ab­kom­men mit dem Iran, das auf ei­nem «so­li­den Fun­da­ment» ste­he, sei denk­bar, sag­te er. Das Atom­ab­kom­men ste­he aber auf ei­nem «ver­rot­ten­den Fun­da­ment». «Es bricht in sich zu­sam­men.»

Te­he­ran hat da­mit ge­droht, sei­ne Uran­an­rei­che­rung wie­der hoch­zu­fah­ren und aus dem Atom­waf­fen­sperr­ver­trag aus­zu­stei­gen, soll­ten die USA das Nu­kle­arab­kom­men kün­di­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.