Ber­ner wol­len Ra­dio-weg­zug nach Zü­rich ver­hin­dern

Im Rah­men ei­nes Spar­pa­kets prüft die SRG den Um­zug der Ra­dio­re­dak­ti­on von Bern nach Zü­rich. Da­ge­gen for­miert sich Wi­der­stand, der lau­fend grös­ser wird.

Der Bund - - SCHWEIZ - Ca­mil­la Ala­bor

Die SRG will spa­ren, wie sie nach der No­bil­lag-ab­stim­mung be­kannt ge­ge­ben hat. Und zwar 100 Mil­lio­nen Fran­ken pro Jahr. Dies, weil der Bun­des­rat die Srg-ge­büh­ren bei 1,2 Mil­li­ar­den Fran­ken pla­fo­niert hat und gleich­zei­tig die Wer­be­ein­nah­men weg­bre­chen. Der Srg­ver­wal­tungs­rat prüft des­halb ei­ne ein­schnei­den­de Mass­nah­me: die Schlies­sung des Ra­dio­stu­di­os in Bern, wo die In­for­ma­ti­ons­ab­tei­lung ein­quar­tiert ist.

Rund 220 Jour­na­lis­ten und Tech­ni­ker sol­len nach Zü­rich ins Fern­seh­stu­dio Leut­schen­bach zie­hen. Be­trof­fen wä­ren die In­land-, Aus­land- und Nach­rich­ten­re­dak­tio­nen und Sen­dun­gen wie das «Echo der Zeit». In Bern ver­blie­ben ein­zig die Bun­des­haus­re­dak­ti­on so­wie das Re­gio­nal­jour­nal Bern/frei­burg/wal­lis.

Die Srg-spit­ze be­grün­det die Plä­ne mit Kos­ten­sen­kun­gen: 3 bis 3,5 Mil­lio­nen Fran­ken lies­sen sich da­mit pro Jahr ein­spa­ren, heisst es in ei­ner in­ter­nen Mit­tei­lung. Zu­dem könn­ten mit der Zu­sam­men­le­gung Ra­dio-, TV- und On­lin­ein­hal­te künf­tig am sel­ben Ort her­ge­stellt wer­den, was «kla­re pu­bli­zis­ti­sche Ge­win­ne» bräch­te. Denn auch in Zü­rich er­folgt ei­ne Zu­sam­men­le­gung: Spä­tes­tens 2024 wer­den die Mit­ar­bei­ter des Zürcher Ra­dio­stu­di­os Brun­nen­hof eben­falls am Leut­schen­bach ar­bei­ten.

Doch ge­gen die Schlies­sung des Ra­dio­stu­di­os in Bern for­miert sich brei­ter Wi­der­stand: so­wohl von den Ra­dio­leu­ten sel­ber als auch von na­tio­na­len Po­li­ti­kern al­ler Cou­leur, den Ber­ner Wirt­schafts­ver­bän­den und – mit Aus­nah­me von SVP und GLP – al­len Ber­ner Kan­to­nal­par­tei­prä­si­den­ten.

Srf-jour­na­lis­tin Pri­scil­la Im­bo­den ist Co-prä­si­den­tin des Syn­di­kats Schwei­zer Me­dien­schaf­fen­der im Stu­dio Bern und Mit­glied der Grup­pe Pro Ra­dio­stu­dio Bern. De­ren Mit­glie­der be­fürch­ten, dass ein Um­zug nach Zü­rich die Ra­dio­kul­tur mar­gi­na­li­siert, auf die man so stolz ist: Be­rich­te, die in die Tie­fe ge­hen, und die Re­le­vanz als zen­tra­les Kri­te­ri­um. Beim Fern­se­hen ste­he da­ge­gen das Bild im Vor­der­grund, bei der On­lin­ebe­richt­er­stat­tung die Klick­zah­len. «Es dro­hen Qua­li­täts­ein­bus­sen und ein Be­deu­tungs­ver­lust», sagt Im­bo­den. Da­zu wür­den auch die un­glei­chen Kräf­te­ver­hält­nis­se zwi­schen Ra­dio und Fern­se­hen bei­tra­gen, sind Per­so­nal und Bud­get beim TV doch um ein viel­fa­ches hö­her.

Zu­dem wür­de durch ei­ne Zu­sam­men­le­gung die strik­te Tren­nung zwi­schen Ra­dio und Fern­se­hen auf­ge­löst, glau­ben die Ra­dio­leu­te. «Heu­te wis­sen wir nicht, wel­che The­men die Kol­le­gen beim Fern­se­hen auf­grei­fen», sagt Im­bo­den. Man ste­he in ei­nem ge­sun­den Kon­kur­renz­ver­hält­nis, was zu ei­ner viel­fäl­ti­gen Me­dien­land­schaft bei­tra­ge.

Über­dies wür­de ei­ne Ver­le­gung die Me­di­en­kon­zen­tra­ti­on wei­ter ver­schär­fen. Be­reits heu­te ha­ben mit der Nzz­grup­pe, Rin­gier, dem Schwei­zer Fern­se­hen und Ta­me­dia (die die­se Zei­tung her­aus­gibt) vier na­tio­na­le Ak­teu­re ih­ren Sitz in Zü­rich. «Es be­steht die Ge­fahr, dass die na­tio­na­le Po­li­tik nur noch aus Zürcher Sicht wahr­ge­nom­men wird.»

«Kein The­ma bei No Bil­lag»

Die­se Angst tei­len auch Po­li­ti­ker, die sonst eher Srg-kri­tisch sind: Fdp-na­tio­nal­rat Chris­ti­an Was­ser­fal­len nennt die Um­zugs­plä­ne «be­frem­dend». «Wäh­rend der No-bil­lag-de­bat­te hat nie­mand ge­for­dert, beim Ra­dio zu spa­ren und die Stand­or­te zu­sam­men­zu­le­gen.» Bern neh­me ei­ne wich­ti­ge Brü­cken­funk­ti­on zur Ro­man­die wahr, so der Fdp-po­li­ti­ker. Das sieht auch Grü­nen-prä­si­den­tin Re­gu­la Rytz so. Sie hat nebst Was­ser­fal­len wei­te­re Po­li­ti­ker aus FDP, CVP, BDP und SP zu­sam­men­ge­bracht, um Kon­takt mit der Srg-spit­ze auf­zu­neh­men und die­se zu ei­nem Um­den­ken zu be­we­gen.

Ra­dio-chef­re­dak­to­rin Lis Bor­ner un­ter­stützt den Um­zug – und wi­der­spricht Im­bo­dens Kri­tik, die Qua­li­tät der Ra­dio-be­richt­er­stat­tung wer­de da­durch lei­den. «Re­le­vanz ist der Mass­stab an al­len Srf-stand­or­ten», schreibt Bor­ner in ei­ner Stel­lung­nah­me. Klar sei, dass «Qua­li­täts­und Pro­fil­si­che­rung» sehr ge­nau be­dacht wer­den müss­ten. «Aber ich bin über­zeugt von der Kom­pe­tenz der Ra­dio­in­fo­leu­te.» Zu­dem sei kei­ne Fu­si­on der Ra­dio- und Tv-ab­tei­lun­gen ge­plant.

Der Kri­tik an der Me­di­en­kon­zen­tra­ti­on in Zü­rich hält sie ent­ge­gen, dass ein Teil der In­land­re­dak­ti­on in Bern blei­be, eben­so die Bun­des­haus­re­dak­ti­on. «Im zen­tra­len Be­reich In­nen­po­li­tik wür­de die Bern-per­spek­ti­ve al­so ge­wahrt blei­ben.» Zu­dem ver­fü­ge das Ra­dio über Kor­re­spon­den­ten in der West­schweiz. Ge­ne­rell sei die Prü­fung des Stand­ort­wech­sels nur ein Teil der lau­fen­den Ab­klä­run­gen. Fakt sei aber: Die SRG müs­se spa­ren und das Ra­dio sei­nen Teil da­zu bei­tra­gen. «Ich per­sön­lich spa­re lie­ber bei den Im­mo­bi­li­en als bei den Leu­ten.»

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