Düs­te­re Vor­ah­nun­gen

2010 hät­ten die Young Boys letzt­mals Schwei­zer Meis­ter wer­den kön­nen. Zu­erst aus­wärts ge­gen Lu­zern, spä­ter in ei­nem al­les ent­schei­den­den Spiel zu Hau­se ge­gen Ba­sel. Aber die Ber­ner schei­ter­ten auf bit­te­re Art und Wei­se.

Der Bund - - SPORT - Fa­bi­an Ruch

Acht Jah­re ist es her, dass die Young Boys letzt­mals ernst­haft um den Meis­ter­ti­tel kämpf­ten. Nach ei­nem Blitz­start in die Sai­son hat­ten sie im Spät­som­mer 2009 dank ei­nes 2:1-Siegs in Ba­sel in der 8.Run­de be­reits 13 Punk­te mehr auf dem Kon­to als der FCB. Die­ser Vor­sprung ver­rin­ger­te sich suk­zes­si­ve, doch auch zwei Spiel­ta­ge vor Sai­son­en­de lag YB auf Rang 1. Beim 2:1-Heim­sieg ge­gen St.gal­len in der 34. Run­de er­ziel­te Stür­mer Hen­ri Bi­en­venu an ei­nem Mitt­woch­abend in der 90.Mi­nu­te das Sie­ges­tor im Sta­de de Suis­se – und sorg­te für ei­ne Ex­plo­si­on der Ge­füh­le bei Ber­ner Spie­lern, Fans und Ra­dio­re­por­tern. Will­kom­men, Meis­ter­t­raum. Noch im­mer lag Ba­sel vor dem 35.Spiel­tag näm­lich 3 Punk­te zu­rück, theo­re­tisch hät­te YB am Don­ners­tag, dem 13.Mai 2010, aus­wärts ge­gen Lu­zern die ers­te Meis­ter­schaft seit 24 Jah­ren fei­ern kön­nen – wenn der Ber­ner Club an die­sem Abend mehr Punk­te ge­holt hät­te als Ba­sel zu Hau­se ge­gen Xa­max. Es war ein klei­ner Match­ball. Der FCL be­stritt sei­ne Heim­spie­le da­mals we­gen des Sta­di­on­neu­baus in Lu­zern in der Em­men­brü­cker Pro­vinz. YB wur­de von je­der Men­ge An­hän­gern be­glei­tet, zu Hau­se in Bern war al­les vor­be­rei­tet für ei­ne Fr­ei­n­acht. Und vor der Par­tie prä­sen­tier­te der Jour­na­list der «Ber­ner Zei­tung» Yb-mit­ar­bei­tern die präch­ti­ge Meis­ter­bei­la­ge, die im Fal­le ei­nes Ti­tel­ge­winns am Abend in Bern ver­teilt wor­den wä­re.

Coach Vla­di­mir Pet­ko­vic al­ler­dings ging in Em­men­brü­cke ein mu­ti­ges Auf­stel­lungs­po­ker ein – und er­litt Schiff­bruch. Der heu­ti­ge Schwei­zer Na­tio­nal­trai­ner ver­zich­te­te un­ter an­de­rem auf Ab­wehr­chef Emi­lia­no Du­dar und mal wie­der auf Stra­te­ge Gil­les Ya­pi, weil nicht ein­mal 72 St­un­den spä­ter das Heim­spiel ge­gen Ba­sel auf der Agen­da stand.

Shaqi­ri hin­ten links

Die Young Boys wa­ren der ho­hen Be­las­tung nicht ge­wach­sen. Nel­son Fer­rei­ra, der por­tu­gie­si­sche Ber­ner Ober­län­der, traf nach nicht ein­mal 100 Se­kun­den zum 1:0 für Lu­zern, zur Pau­se führ­te der FCL 3:0, am En­de sieg­te er 5:1. Und weil Ba­sel gleich­zei­tig ge­gen Xa­max 3:0 ge­wann, wur­de YB in der Ta­bel­le ei­ne Run­de vor Schluss erst­mals in der ge­sam­ten Sai­son 2009/10 vom Kon­kur­ren­ten über­holt. Der FCB be­sass das bes­se­re Tor­ver­hält­nis. Nun hat­te sich die Aus­gangs­la­ge nach ei­ner mo­na­te­lan­gen Auf­hol­jagd der Bas­ler end­gül­tig ver­än­dert – die Young Boys be­nö­tig­ten zum Ab­schluss zu Hau­se ge­gen den FCB ei­nen Sieg.

Im­mer­hin: Es war ein ech­ter Match­ball für YB.

Die Ner­ven im Ver­ein al­ler­dings la­gen blank. Be­reits die Fi­na­lis­si­ma 2008 in Ba­sel hat­ten die Young Boys ja ver­lo­ren, zu­dem wa­ren sie 2006 und 2009 als kla­re Fa­vo­ri­ten im Cup­fi­nal im Sta­de de Suis­se zwei­mal ge­gen Si­on un­ter­ge­gan­gen. Trai­ner Pet­ko­vic, seit Som­mer 2008 bei YB, lud in ei­ner denk­wür­di­gen Pres­se­kon­fe­renz am Frei­tag, we­ni­ge St­un­den nach dem 1:5 in Lu­zern, al­le Schuld auf sich. «Ich ha­be das Po­ker­spiel ges­tern ver­lo­ren», sag­te er, gab sich aber kämp­fe­risch und über­trie­ben selbst­si­cher. «Ich bin über­zeugt, dass wir am Sonn­tag­abend Meis­ter sein wer­den», sag­te Pet­ko­vic un­ter an­de­rem. Und: «Wir sind bes­ser als Ba­sel.»

Es kam al­so die­ser Sonn­tag, Fest­tags­stim­mung im Sta­de de Suis­se. Aber auch die düs­te­re Vor­ah­nung der Ber­ner Fuss­ball­ge­mein­de, dass es YB er­neut ver­mas­seln wür­de. Man war Ent­täu­schun­gen in be­deu­ten­den Be­geg­nun­gen aus den letz­ten Jah­ren ja ge­wohnt. Ba­sels Trai­ner Thors­ten Fink stell­te ei­nen ge­wis­sen Xher­dan Shaqi­ri, da­mals 18-jäh­rig, als Links­ver­tei­di­ger auf, um die Krei­se des über­ra­gen­den Yb-tor­jä­gers Sey­dou Do­um­bia zu stö­ren. Shaqi­ri, mitt­ler­wei­le seit vie­len Jah­ren vor al­lem vor­ne rechts zu fin­den, er­le­dig­te sei­nen Job aus­ge­zeich­net. Die ner­vö­sen Young Boys fan­den nie ins Spiel, der FCB agier­te sou­ve­rän, ab­ge­klärt, über­le­gen.

Und wie zwei Jah­re zu­vor beim ent­schei­den­den Spiel im St.-ja­kob-park traf Va­len­tin Sto­cker zum 1:0 für die Bas­ler. Dies­mal nicht früh, son­dern kurz vor der Pau­se. In der zwei­ten Halb­zeit ge­lang dem Aus­tra­li­er Scott Chip­per­field nach ei­ner St­un­de der zwei­te Tref­fer für die Gäs­te, die Yb-fans im aus­ver­kauf­ten Sta­di­on er­leb­ten ei­ne wei­te­re bit­te­re Nie­der­la­ge ih­rer Mann­schaft. Er­neut sieg­te Ba­sel im letz­ten Spiel 2:0. Dies­mal war die Nie­der­ge­schla­gen­heit be­son­ders gross, weil die Young Boys mo­na­te­lang gross­ar­tig agiert hat­ten.

Thea­ter um Ya­pi

YB liess sich auch we­gen des Stör­feu­ers aus Ba­sel aus der Ba­lan­ce wer­fen. Der wert­vol­le Gil­les Ya­pi et­wa hat­te sich im Ja­nu­ar ent­schie­den, YB nach der Sai­son ab­lö­se­frei Rich­tung FCB zu ver­las­sen. Die Ver­ant­wort­li­chen der Young Boys la­vier­ten in der Cau­sa Ya­pi, mal spiel­te er und mal nicht, das führ­te zu ei­ner gro­ben Desta­bi­li­sie­rung des Teams.

Es war da­mals, im Mai 2010, die ers­te von acht Meis­ter­schaf­ten in Se­rie für Ba­sel. De­ren Ver­ant­wort­li­che, Prä­si­dent Bern­hard Heus­ler und Sport­chef Ge­org Heitz, blick­ten zu je­ner Zeit durch­aus neid­voll auf die Struk­tu­ren in Bern, weil Sta­de-de-suis­se-ceo Ste­fan Nie­der­mai­er aus­ge­zeich­ne­te Ar­beit ge­leis­tet hat­te.

We­ni­ge Wo­chen spä­ter wur­de Nie­der­mai­er ent­las­sen, weil er ei­nen Macht­kampf ge­gen den in wei­ten Krei­sen un­be­lieb­ten Ver­wal­tungs­rats­prä­si­den­ten Ben­no Oer­tig ver­lo­ren hat­te. Es war der An­fang vom En­de als Ver­ein auf Fcb-au­gen­hö­he. Es ka­men schwie­ri­ge Jah­re für die Young Boys, die Pha­se 3 zün­de­te nie, bis 2016 folg­te ein jähr­li­cher Mil­lio­nen­ver­lust, Trai­ner, Sport­chefs und Spie­ler ka­men und gin­gen, die Young Boys aber ver­moch­ten den FCB in all den Jah­ren nie rich­tig zu for­dern.

Bis zur ak­tu­el­len Spiel­zeit. Der FCB ver­zich­te­te in der Win­ter­pau­se dar­auf, ei­nem der star­ken Yb-ak­teu­re wie Ke­vin Mba­bu, Ro­ger As­salé oder Ka­sim Nu­hu mit ei­nem reiz­vol­len An­ge­bot den Kopf zu ver­dre­hen. Und so kön­nen die Young Boys aus­ge­rech­net er­neut ge­gen Lu­zern, dies­mal aber zu Hau­se, am Sams­tag be­reits in der fünft­letz­ten Run­de den Meis­ter­ti­tel fei­ern. Und sonst ei­ne Wo­che spä­ter in Si­on – oder halt an ei­nem der drei letz­ten Spiel­ta­ge in Ba­sel, ge­gen Lu­ga­no oder in Zü­rich ge­gen GC.

Dies­mal ist ein Schei­tern von YB bei fünf Match­bäl­len prak­tisch aus­ge­schlos­sen. Und die Fcb-do­mi­nanz nach acht Jah­ren be­en­det.

Fo­to: Blat­ter

Frust nach der Fi­na­lis­si­ma: 72 St­un­den nach dem De­sas­ter in Lu­zern ver­spiel­ten die Young Boys auch den zwei­ten Match­ball – mit 0:2 zu Hau­se ge­gen den FCB.

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