Die Schweiz und Deutsch­land mö­gen sich wie­der

Die Schweiz emp­fängt das deut­sche Staats­ober­haupt Frank-wal­ter St­ein­mei­er und ze­le­briert die en­ge Freund­schaft bei­der Län­der.

Der Bund - - SCHWEIZ - Ca­mil­la Ala­bor

Die Fah­nen flat­tern im Wind, die Mi­li­tär­mu­si­ker schmet­tern die Na­tio­nal­hym­ne, und die bei­den Staats­ober­häup­ter lau­fen ge­mes­se­nen Schrit­tes an den stramm­ste­hen­den Sol­da­ten vor­bei, die sich vor dem Ber­ner Müns­ter auf­ge­reiht ha­ben. Es ist Staats­be­such.

Der Be­su­cher heisst Frank-wal­ter St­ein­mei­er, sei­nes Zei­chens deut­scher Bun­des­prä­si­dent und lang­jäh­ri­ger Aus­sen­mi­nis­ter un­ter Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel. Ein stil­ler, un­spek­ta­ku­lä­rer Schaf­fer, der ge­ra­de des­we­gen in Deutsch­land äus­serst po­pu­lär ist. Emp­fan­gen wird er von Bun­des­prä­si­dent Alain Ber­set – wie St­ein­mei­er ein So­zi­al­de­mo­krat und Eu­ro­pa­freund – und vom Ge­samt­bun­des­rat. Es folgt der Trans­fer ins Bun­des­haus, wo Ber­set ei­ne lau­ni­ge An­spra­che hält. In sei­ner Re­de geht es um Schweiz-kli­schees (Hei­di-welt) und die Wirk­lich­keit (Ur­ba­ni­tät), die sich manch­mal ver­mi­schen – «moi­tié-moi­tié so­zu­sa­gen, wie ein Fon­due aus Gruyè­re und Va­che­rin». Dar­um, dass für das klas­si­sche Schweiz-bild ein Deut­scher mass­geb­lich ver­ant­wort­lich sei: Fried­rich Schil­ler mit sei­nem Wil­helm Tell. Oder dar­um, dass die Be­zie­hun­gen zu Deutsch­land hof­fent­lich auch dann so gut blie­ben, wenn die Schwei­zer die Deut­schen an der Fussball-welt­meis­ter­schaft in Russ­land be­sie­gen soll­ten.

St­ein­mei­er schlägt ei­nen erns­te­ren Ton an. «Es ist mit der Selbst­ver­ständ­lich­keit der De­mo­kra­tie in al­ler Welt ei­ne zwei­fel­haf­te Sa­che ge­wor­den», zi­tiert er den deut­schen Schrift­stel­ler Thomas Mann, der in Kilch­berg ZH be­gra­ben liegt und des­sen Gr­ab er heu­te Don­ners­tag be­su­chen wird. Die De­mo­kra­tie sei kein ge­si­cher­tes Gut, und «Ge­gen­mo­del­le» wie Chi­na oder Russ­land trä­ten im­mer selbst­be­wuss­ter auf. Sein Wunsch sei es des­halb, dass die «Selbst­be­sin­nung als De­mo­kra­ten» Deut­sche und Schwei­zer aufs Neue zu­sam­men­schweis­se.

Auf die Fra­ge an der an­schlies­sen­den Me­di­en­kon­fe­renz, ob Deutsch­land die Schweiz bei den Eu-ver­hand­lun­gen zum Rah­men­ab­kom­men un­ter­stüt­zen wer­de, ant­wor­tet St­ein­mei­er mit un­ver­bind­li­chen Flos­keln. Ber­set wie­der­um meint, es kön­ne «nur hel­fen, wenn die Schweiz gut ver­stan­den wird».

Flug­lärm harrt ei­ner Lö­sung

Tat­säch­lich sind die Be­zie­hun­gen zu Eu­ro­pa har­mo­ni­scher als auch schon, die gröss­ten Stol­per­stei­ne im deutsch­schwei­ze­ri­schen Ver­hält­nis aus dem Weg ge­räumt. Die ge­stoh­le­nen CDS mit Da­ten von Steu­er­sün­dern sind Schnee von ges­tern und die Dro­hung des frü­he­ren Fi­nanz­mi­nis­ters Peer St­ein­brück, die Ka­val­le­rie in die Schweiz zu schi­cken, nur­mehr ei­ne blas­se Er­in­ne­rung. Ein­zig der Streit um den Flug­ha­fen­lärm harrt noch ei­ner Lö­sung, seit Deutsch­land den 2012 ge­mein­sam aus­ge­han­del­ten Staats­ver­trag nicht ra­ti­fi­ziert hat.

Doch die­ser Pro­blem-über­rest ver­mag die fest­li­che Stim­mung nicht zu trü­ben, die ei­nen Staats­be­such ja aus­zeich­net. Statt­des­sen ver­si­chern sich die So­zi­al­de­mo­kra­ten Ber­set und St­ein­mei­er ge­gen­sei­tig der Freund­schaft bei­der Staa­ten. St­ein­mei­er: «Wir sind mehr als nur gu­te Nach­barn. Was uns ver­bin­det, ist ei­ne wirk­lich gu­te Freund­schaft.»

Foto: Keysto­ne

Alain Ber­set und Ehe­frau Mu­ri­el Ze­en­der Ber­set emp­fan­gen Frank-wal­ter St­ein­mei­er und Gat­tin El­ke Bü­den­be­n­der.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.