Mit Stopp-kle­bern ge­gen Blo­cher

Das gab es in Zü­rich noch nie: ei­nen Boy­kott­auf­ruf ge­gen das «Tag­blatt». Kle­ber am Brief­kas­ten sol­len Ver­trä­ger da­von ab­hal­ten, die Zei­tung hin­ein­zu­le­gen.

Der Bund - - SCHWEIZ - Wer­ner Schüepp Zü­rich

Die kri­ti­schen Stim­men zum Kauf des «Tag­blatts der Stadt Zü­rich» durch Svppo­li­ti­ker Christoph Blo­cher wol­len in Zü­rich nicht ver­stum­men. Sor­gen ma­chen sich vor al­lem Par­tei­en und Po­li­ti­ker. Al­len vor­an die Grü­nen. Sie be­fürch­ten, dass die «rechts­bür­ger­li­che Pres­se ih­ren Fuss in die Stadt Zü­rich setzt und sich mit dem Pres­ti­ge­ob­jekt ‹Tag­blatt› ein wei­te­res wich­ti­ges Stück Lo­kal­pres­se ein­ver­leibt», heisst es in ei­ner Mit­tei­lung. Ge­gen die­se Ent­wick­lung und aus Sor­ge dar­über, dass aus dem «Tag­blatt» ein Svp-pro­pa­gan­da­blatt wird, wehrt sich die Par­tei mit ei­ner ge­ziel­ten Ak­ti­on.

Seit we­ni­gen Ta­gen ver­schickt sie auf Wunsch kos­ten­los Stopp­kle­ber für die Brief­käs­ten mit der Auf­schrift «Kei­ne Svp-pro­pa­gan­da. Kein Tag­blatt! Stop.» Die Kle­ber­ak­ti­on rich­te sich an al­le, die auf ih­rem Brief­kas­ten klar­ma­chen wol­len, dass sie un­ter die­sen Um­stän­den kein «Tag­blatt» mehr le­sen wol­len, sagt Lu­ca Mag­gi, Vi­ze­prä­si­dent der Grü­nen Stadt Zü­rich. «Wir wur­den von den Be­stel­lun­gen re­gel­recht über­rollt. Al­lein in den ers­ten zwei Ta­gen ha­ben wir 1500 Kle­ber ver­schickt», sagt er, «täg­lich tref­fen neue Be­stel­lun­gen ein». Die Par­tei muss­te so­gar ihr Se­kre­ta­ri­at per­so­nell ver­stär­ken, um den Ver­sand be­wäl­ti­gen zu kön­nen.

Re­dak­ti­on nicht er­freut

So neu ist die Ak­ti­on der Grü­nen al­ler­dings nicht. Die SP hat in Win­ter­thur im letz­ten Jahr ähn­li­che Kle­ber ver­teilt, nach­dem Christoph Blo­cher den Zehn­der-ver­lag und da­mit den Gra­tis­ti­tel «Win­ter­thu­rer Zei­tung» über­nom­men hat­te.

Für Lu­ca Mag­gi ist noch of­fen, ob und wie Blo­cher auf den In­halt des «Tag­blatts» Ein­fluss neh­men wer­de. «Wir wer­den die Ent­wick­lung in den kom­men­den Mo­na­ten ge­nau be­ob­ach­ten.» Nur schon die Tat­sa­che, dass das städ­ti­sche Amts­blatt fest in SVP-HAND sei, sei für ihn kei­ne be­ru­hi­gen­de Vor­stel­lung.

Kei­ne Freu­de an den Kle­bern hat Lu­cia M. Epp­mann, die Chef­re­dak­to­rin des «Tag­blatts». Für sie stellt das Han­deln der Grü­nen ein Miss­trau­ens­vo­tum ge­gen ih­re Re­dak­ti­on dar. Das «Tag­blatt» ha­be schon ei­ni­ge Hand­än­de­run­gen durch­ge­macht, aber noch nie sei ein sol­cher Wir­bel ver­an­stal­tet wor­den wie jetzt nach dem Blo­cher-kauf. «Mei­ne Re­dak­ti­on und ich ar­bei­ten al­ler­dings ge­nau­so wei­ter wie ge­wohnt. Es sind die glei­chen Re­dak­to­rin­nen und Re­dak­to­ren mit dem­sel­ben Qua­li­täts­ver­ständ­nis», sagt sie. Und weist dar­auf hin, dass Rolf Boll­mann, Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent der neu­en Be­sit­ze­rin Zei­tungs­haus AG, ihr ver­si­chert ha­be, der neue Ei­gen­tü­mer wer­de kei­ne Bei­trä­ge an ihr vor­bei in die Zei­tung brin­gen.

Das «Tag­blatt» (Auf­la­ge: 126 000 Ex­em­pla­re) ist gleich­zei­tig auch städ­ti­sches Amts­blatt und hat mit der Stadt ei­nen Ver­trag auf fünf Jah­re bis En­de 2022, der eben erst er­neu­ert wur­de. Für die Stadt­schrei­be­rin Clau­dia Cu­che-cur­ti be­steht für die Kle­ber­ak­ti­on der­zeit noch kein An­lass. «Das ‹Tag­blatt› ist ver­trag­lich ver­pflich­tet, al­le Haus­hal­te in der Stadt zu be­lie­fern. Es ist jetzt schon so, dass je­de Zürche­rin und je­der Zürcher sel­ber be­stimmt, ob sie oder er ein Ex­em­plar der Zei­tung nimmt oder nicht», sagt sie.

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