Die schwie­ri­ge Su­che nach Koch-pro­fis

Ob Spit­zen­koch oder Hilfs­per­so­nal: Bei­des fällt im künf­ti­gen In­län­der­vor­rang un­ter die Ka­te­go­rie Kü­chen­per­so­nal. Das sorgt in der Gas­tro­no­mie für Är­ger.

Der Bund - - WIRTSCHAFT - Ra­hel Guggisberg

We­ni­ge Wo­chen vor der Ein­füh­rung wird klar: Das Gast­ge­wer­be ha­dert mit dem «In­län­der­vor­rang light». Hin­ter den Ku­lis­sen ringt der Wir­te­ver­band Gas­tro Suis­se noch in letz­ter Mi­nu­te um Än­de­run­gen an der Re­ge­lung. Ge­sprä­che gab es jüngst gar auf obers­ter Ebe­ne: zwi­schen dem Gas­tro-su­is­se­prä­si­den­ten Ca­si­mir Plat­zer und Wirt­schafts­mi­nis­ter Jo­hann Schnei­der-am­mann, wie Plat­zer ge­gen­über die­ser Zei­tung ein­räum­te.

Der «In­län­der­vor­rang light», der die Zu­wan­de­rung aus­län­di­scher Ar­beit­neh­mer brem­sen soll, ver­pflich­tet Un­ter­neh­mer ab dem 1. Ju­li, den Re­gio­na­len Ar­beits­ver­mitt­lungs­zen­tren (RAV) of­fe­ne Stel­len zu mel­den, wenn die Ar­beits­lo­sen­quo­te lan­des­weit in ei­ner Be­rufs­art 8 Pro­zent be­trägt. 75 000 Jobs sind jähr­lich da­von be­trof­fen, schätzt das zu­stän­di­ge Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft (Se­co). Nach ei­ner Über­gangs­frist sinkt der Schwel­len­wert im Jahr 2020 auf 5 Pro­zent. Das Ziel ist, Ar­beits­su­chen­den in der Schweiz ei­nen Vor­sprung ge­gen­über Be­wer­bern aus dem Aus­land zu ge­wäh­ren.

Vor­erst kei­ne An­pas­sung

«Der In­län­der­vor­rang mit Stel­len­mel­de­pflicht an die Re­gio­na­len Ar­beits­ver­mitt­lungs­zen­tren be­deu­tet für un­se­re Bran­che ins­be­son­de­re im Kü­chen­be­reich ei­nen to­ta­len Leer­lauf und viel Mehr­auf­wand», sag­te Gas­tro-suis­se-prä­si­dent Ca­si­mir Plat­zer ges­tern in Bern. Das Pro­blem liegt in der Be­griffs­de­fi­ni­ti­on für die Gas­tro­no­mie, wo es bis jetzt nur die Ka­te­go­rie Kü­chen­per­so­nal gibt. Dar­un­ter fal­len ei­ner­seits die Hilfs­kräf­te, aber auch die Spit­zen­kö­che. Plat­zer for­dert, dass die Be­rufs­art Kü­chen­per­so­nal in rea­li­täts­na­he Ka­te­go­ri­en auf­ge­teilt wer­de. «Hilfs­kräf­te kön­nen wir re­la­tiv rasch fin­den», sagt er. Ganz an­ders se­he es bei den aus­ge­bil­de­ten Kö­chen aus. «Kö­che sind ex­trem ge­sucht. Es herrscht Man­gel auf dem Ar­beits­markt», sagt Plat­zer, der sel­ber in Kan­der­steg ein Ho­tel führt. Dass Kö­che ein Man­gel­be­ruf sind, ha­be auch das Se­co be­stä­tigt.

Se­co-spre­cher Fa­bi­an Mai­en­fisch stellt klar, man müs­se sich an die Vor­ga­ben des Par­la­ments hal­ten. Man sei sich der Un­zu­frie­den­heit von Gas­tro Suis­se be­wusst und sei der­zeit auch mit an­de­ren Bran­chen im Gespräch, die nicht zu­frie­den sei­en mit den neu­en Re­ge­lun­gen. Es sei aber un­mög­lich, für al­le ei­ne in­di­vi­du­el­le Lö­sung zu fin­den.

«Wir kön­nen der­zeit den ‹Be­griff Kü­chen­per­so­nal› nicht an­pas­sen. Soll­te sich in der Pra­xis zei­gen, dass es Pro­ble­me gibt, kom­men wir dar­auf zu­rück», sagt der Se­co-spre­cher. Da das Se­co nicht die Kom­pe­tenz hat, die­se man­gel­haf­te Ein­tei­lung im Gast­ge­wer­be zu kor­ri­gie­ren, for­dert Gastrosuis­se nun den Bun­des­rat auf, die­sen Miss­stand zu be­he­ben.

Fünf Ar­beits­ta­ge ex­klu­siv

Die mel­de­pflich­ti­gen of­fe­nen Stel­len blei­ben in­län­di­schen Stel­len­su­chen­den für 5 Ar­beits­ta­ge ex­klu­siv vor­be­hal­ten. Für Plat­zer ist das ein Pro­blem: «We­gen die­ser Re­ge­lun­gen dür­fen wir Kö­che erst auf dem frei­en Markt su­chen, wenn die Sperr­frist ab­ge­lau­fen ist.» Kün­di­ge ein Koch vor Weih­nach­ten, kön­ne es we­gen der Fei­er­ta­ge und der Mel­de­be­stä­ti­gung bis zwei Wo­chen dau­ern, bis der Ar­beit­ge­ber ak­tiv wer­den kön­ne. Im Ja­nu­ar sei dann die Hoch­sai­son vor­bei.

Der­zeit er­mit­telt das Se­co, in wel­chen Be­ru­fen ei­ne Ar­beits­lo­sen­quo­te von min­des­tens 8 Pro­zent vor­liegt. Die Er­geb­nis­se sol­len En­de April auf der Web­site www.ar­beit.swiss auf­ge­schal­tet wer­den. Ar­beit­ge­ber kön­nen dann her­aus­fin­den, ob ei­ne frei wer­den­de Stel­le mel­de­pflich­tig ist oder nicht. Je nach­dem, wie ei­ne Ka­te­go­rie de­fi­niert wird, fällt sie un­ter die Mel­de­pflicht. Die Ar­beit­ge­ber ha­ben we­gen des Auf­wands ein In­ter­es­se dar­an, dass we­ni­ge Be­ru­fe be­trof­fen sind. Se­co-spre­cher Mai­en­fisch sagt: «Wer ei­ne mel­de­pflich­ti­ge Stel­le vor­sätz­lich nicht mel­det, muss mit ho­hen Bus­sen von 40 000 Fran­ken rech­nen.»

Foto: Va­len­tin Flauraud (Keysto­ne)

Hilfs­kräf­te gibt es vie­le, Spit­zen­kö­che wie Franck Gio­van­ni­ni (rechts) sind da­ge­gen rar.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.