Der ver­pass­te K.o.-schlag

Ob­schon die ZSC Li­ons ge­gen Lu­ga­no das sechs­te Spiel do­mi­nie­ren, ver­lie­ren sie 2:3. Am Frei­tag ent­schei­det nun ei­ne Fi­na­lis­si­ma in der Re­se­ga über den Ti­tel.

Der Bund - - SPORT - Si­mon Graf

So oft hat­ten in die­sem Play­off Zen­ti­me­ter für die ZSC Li­ons ent­schie­den. Doch als ges­tern der Po­kal in Griff­wei­te war, fehl­ten sie ih­nen. Es war ei­ne bit­te­re Nie­der­la­ge für die Zürcher, die so viel in­ves­tier­ten und am Schluss doch mit lee­ren Hän­den da­stan­den.

Zen­ti­me­ter wa­ren es, die der Puck in der 55. Mi­nu­te nach ei­nem Schuss Sut­ters übers Tor flat­ter­te – Merz­li­k­ins lag da­ne­ben und konn­te nicht mehr ein­grei­fen. Der Puck war noch ab­ge­lenkt wor­den. In der 57. Mi­nu­te traf La­ju­nen dann ganz prä­zi­se zwi­schen Freund und Feind hin­durch zum 3:2. La­pier­re hat­te Flüe­ler die Sicht ge­nom­men. Es war das Tor, das die­sen in­ten­si­ven Fight ent­schied und das ein sieb­tes Spiel am Frei­tag in der Re­se­ga nö­tig macht.

Pet­ters­sons spä­tes Frust­foul

Gut mög­lich, dass dann Zsc-tops­ko­rer Pet­ters­son nicht da­bei­sein wird. Denn der Schwe­de liess sei­nen Frust in der Schluss­mi­nu­te an La­pier­re aus, sprang ihn an der Ban­de von hin­ten an und wuch­te­te ihn so kopf­vor­an in die Ab­schran­kung. Der Ka­na­di­er lag kurz be­nom­men auf dem Eis, konn­te aber die Par­tie fer­tig­spie­len. An­ders als Pet­ters­son, der mit fünf Mi­nu­ten plus Spiel­dau­er un­ter die Du­sche muss­te.

Es kann gut sein, dass er für die­se Atta­cke ge­sperrt wer­den wird. Aber viel­leicht ist das für die Zürcher ja gar kein Han­di­cap. Denn Pet­ters­son ist in die­sem Fi­nal ein Schat­ten sei­ner sel­ber. Für ihn wür­de dann wohl Pel­le­tier zu­rück ins Team rü­cken, vor­aus­sicht­lich als Cen­ter zwi­schen Sho­re und Kor­pi­koski.

Fragt sich nur, wie die Zürcher die­sen Abend men­tal weg­ste­cken. Sie star­te­ten zwar er­neut schlecht, kas­sier­ten zum vier­ten Mal in Serie das ers­te Tor – Wal­ker traf in der 4. Mi­nu­te al­lei­ne vor Flüe­ler. Doch nach­dem sie das ers­te Drit­tel, in dem ih­re Hän­de ge­zit­tert hat­ten, mit ei­nem 0:1 über­stan­den hat­ten, über­nah­men sie die Kon­trol­le in die­sem Spiel. Und aus­ge­rech­net Kor­pi­koski, der das Ge­gen­tor mit­ver­schul­det hat­te, weil er wäh­rend ei­nes Lu­ga­no­an­griffs ge­wech­selt und so ei­ne Über­zahl­si­tua­ti­on er­mög­licht hat­te, traf in der 25. Mi­nu­te zum 1:1. Und zwar in Über­zahl nach ei­nem schö­nen Qu­er­pass von Kenins. Es war für den Fin­nen mit Nhl-ver­gan­gen­heit das ers­te Tor in die­sem Play­off über­haupt.

Die Zürcher über­roll­ten Lu­ga­no da­nach, ge­wan­nen nun fast al­le Zwei­kämp­fe, doch das 2:1 fiel ein­fach nicht. Im­mer wie­der ver­pass­ten sie bes­te Ge­le­gen­hei­ten da­zu, und so ent­ka­men die Tes­si­ner dem Mit­tel­drit­tel trotz gros­ser Nö­te mit nur ei­nem Ge­gen­tor. Die Bi­lanz von 16:2 in je­nem Ab­schnitt do­ku­men­tiert die Zürcher Über­le­gen­heit.

Wer die To­re nicht schiesst ...

Doch eben, wer die To­re nicht schiesst, der be­kommt sie. So traf Hof­mann (46.) in Über­zahl nach ei­nem Ab­pral­ler zur nächs­ten Lu­ga­no­füh­rung. Die­se hat­te in­des nur gut zwei Mi­nu­ten Be­stand, ehe Klein mit ei­nem wuch­ti­gen Hoch­eck­schuss wie­der auf 2:2 stell­te. Die Zürcher hat­ten da­nach wie­der kla­re Vor­tei­le, doch sie ver­moch­ten Merz­li­k­ins ein­fach nicht mehr zu be­zwin­gen. Und so war es La­ju­nen, der das gol­de­ne Tor schoss.

Ab­ge­se­hen vom wack­li­gen Start mach­ten die Zürcher an die­sem Abend nicht vie­les falsch. Aus­ser, na­tür­lich, im Ab­schluss. Erst­mals seit 2007 ver­lo­ren sie wie­der ein­mal ein Spiel 6 oder 7 im Hal­len­sta­di­on, ein Meis­ter­puck bleibt noch. Aber das Mo­men­tum spricht nun klar für Lu­ga­no, das ein­fach nicht un­ter­zu­krie­gen ist, auch den Aus­fall von San­nitz weg­steck­te und in Merz­li­k­ins ei­nen Go­a­lie in Hoch­form hat.

Doch viel­leicht än­dert sich die Psy­cho­lo­gie die­ses Schwer­ge­wicht­du­ells ja nun, da plötz­lich auch die Tes­si­ner et­was zu ver­lie­ren ha­ben, der Ti­tel von ih­nen er­war­tet wird. Dass es mög­lich ist, ein Spiel 7 in der Re­se­ga zu ge­win­nen, wis­sen die Zürcher. Stich­wort: Mor­gan Sa­mu­els­son 2001.

Foto: Patrick B. Kra­e­mer (Keysto­ne)

Die spä­te Ent­schei­dung: Lu­ga­nos Tops­ko­rer Ma­xim La­pier­re ju­belt, sein Team­kol­le­ge Ja­nu La­ju­nen (nicht im Bild) hat zum 3:2 ge­trof­fen.

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