Der Echo ist am En­de

Nach dem Eklat: Deutsch­land schafft den gröss­ten na­tio­na­len Mu­sik­preis ab. Und bei den Swiss Mu­sic Awards sol­len Text­kon­trol­len ein­ge­führt wer­den.

Der Bund - - KULTUR - Ane He­bei­sen, Jan Ked­ves, Jens-chris­ti­an Ra­be

Be­vor es am Abend des 12. April 2018 zum gros­sen Eklat um die Düs­sel­dor­fer Rap­per Kol­le­gah und Fa­rid Bang kam, war das In­ter­es­se am gröss­ten deut­schen Mu­sik­preis ähn­lich mau wie an ei­nem der in­fla­tio­när ver­ge­be­nen Fern­seh­prei­se Deutsch­lands. Vor zwei Jah­ren gin­gen die Echo-über­tra­gungs­rech­te von ARD zu Vox über, was eher nicht da­für spricht, dass es sich bei der Live-show um ei­nen aus­ser­or­dent­li­chen Quo­ten­ren­ner han­del­te.

Zu re­den gab in den letz­ten Jah­ren auch längst nicht mehr die Ver­tei­lung der Tro­phä­en, son­dern viel­mehr die Tat­sa­che, dass da auf ein­mal Bands un­ter den No­mi­nier­ten auf­tauch­ten, de­nen – wie im Fall der Grup­pe Frei. Wild im Jahr 2016 – na­tio­na­lis­ti­sches Ge­dan­ken­gut nach­ge­sagt wur­de. Oder die – wie Kol­le­gah und Fa­rid Bang – an­ti­se­mi­ti­sches Ge­ba­ren an den Tag leg­ten. So häuf­ten sich in den letz­ten Ta­gen die Meldungen über Mu­si­ker, die ih­re ge­won­ne­nen Echo-tro­phä­en zu­rück­ge­ben woll­ten.

Im Grun­de gab es nach den jüngs­ten Ne­ga­tiv­mel­dun­gen für den Pop-preis nur zwei Mög­lich­kei­ten: ihn ent­we­der am­bi­tio­niert neu er­fin­den – oder ab­schaf­fen. Der Veranstalt­er, der Bun­des­ver­band der deut­schen Mu­sik­in­dus­trie, hat sich nun für die zwei­te Mög­lich­keit ent­schie­den. Der deut­sche Pop-preis na­mens Echo ist nach 26 Jah­ren Ge­schich­te.

Die Mar­ke ist be­schä­digt

Eben­so klar ist al­ler­dings auch schon, dass es ei­nen Nach­fol­ger des Echo ge­ben soll. Es ste­he aus­ser Fra­ge, dass Deutsch­land als dritt­gröss­ter Mu­sik­markt der Welt wei­ter­hin Mu­sik­prei­se mit «Leucht­turm-cha­rak­ter» brau­che, tönt es vom Bun­des­ver­band der deut­schen Mu­sik­in­dus­trie. Man wol­le je­doch kei­nes­falls, dass ei­ner die­ser Prei­se als Platt­form für An­ti­se­mi­tis­mus, Frau­en­ver­ach­tung, Ho­mo­pho­bie oder Ge­walt­ver­harm­lo­sung wahr­ge­nom­men wer­de. Die Mar­ke Echo sei so stark be­schä­digt wor­den, dass ein «voll­stän­di­ger Neu­an­fang» not­wen­dig sei. Das be­deu­tet auch, dass es den Klas­sik-echo und den Jazz-echo nicht mehr in ih­rer bis­he­ri­gen Form ge­ben wird.

Man ha­be be­reits ers­te Schrit­te zur Pla­nung ei­ner neu­en Aus­zeich­nung ein­ge­lei­tet. Die über­fäl­li­ge und grund­sätz­lich zu­nächst er­freu­li­che Nachricht dürf­te sein, dass die Kri­te­ri­en der No­mi­nie­rung und der Preis­ver­ga­be of­fen­bar voll­stän­dig ver­än­dert wer­den. Zu­letzt gab es in den rund 20 Echo-ka­te­go­ri­en zwar bis zu 80-köp­fi­ge Fach­ju­rys, das we­sent­li­che Kri­te­ri­um wa­ren je­doch der kom­mer­zi­el­le Er­folg ei­nes Künst­lers, wo­mit der Echo ähn­lich funk­tio­nier­te wie die jähr­lich in Zü­rich statt­fin­den­den Swiss Mu­sic Awards.

Neu­an­fang auch in der Schweiz?

Es ist der Ge­burts­feh­ler des nun ab­ge­schaff­ten Prei­ses, der letzt­lich auch den Eklat zur Fol­ge hat­te. Das Al­bum «Jung, bru­tal, gut­aus­se­hend 3» von Kol­le­gah und Fa­rid Bang war die best­ver­kauf­te Hip-hop-plat­te des ver­gan­ge­nen Jah­res. Nach den bis­he­ri­gen Re­gu­la­ri­en war ei­ne Prä­mie­rung al­so im Grun­de un­ver­meid­bar. Beim ge­plan­ten neu­en Mu­sik­preis soll die Ju­ry nun «stär­ker in den Vor­der­grund rü­cken». Mög­lich, dass man sich da­bei an den Gram­mys ori­en­tiert und künf­tig nicht mehr die Ver­kaufs­zah­len, son­dern ei­ne gros­se Ju­ry ent­schei­den lässt, be­ste­hend aus ein paar Hun­dert Krea­ti­ven der ge­sam­ten deut­schen Pop­mu­sik-bran­che und al­len künf­ti­gen Preis­trä­gern.

Ein Mo­dell, das auch die Swiss Mu­sic Awards wie­der at­trak­ti­ver ma­chen könn­te. Hier wol­le man künf­tig Text­kon­trol­len ein­füh­ren, wie der Or­ga­ni­sa­tor Oli­ver Ro­sa ge­gen­über Ra­dio 1 ver­lau­ten liess. Ob das den Schwei­zer Mu­sik­preis tat­säch­lich auf­wer­ten wird, ist frag­lich.

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