Kein be­din­gungs­lo­ses Gr­und­aus­flip­pen

Wie klingt Hip-hop aus dem Agrar-mi­lieu? Die Ber­ne­rin 11Ä zeigt es uns.

Der Bund - - BERNER WOCHE VERANSTALT­UNGEN -

Man ist ja ge­ra­de froh um je­de gut­her­zi­ge Wort­mel­dung aus der Hip­hop­welt. Und dass die Ber­ner Sprech­sän­ge­rin 11Ä das Herz am rech­ten Fleck hat, er­schliesst sich dem Hö­rer ih­rer zwei­ten Ton­pro­duk­ti­on «Hie» re­la­tiv schnell.

Es geht hier um Le­bens­be­trach­tun­gen ei­ner 32­jäh­ri­gen Da­me, de­ren Blick wei­ter schweift als bis zur nächs­ten Fa­shionApp. Manch­mal schrammt sie da­mit haar­scharf an je­nen Denk­sprü­chen vor­bei, die sich ge­füh­li­ge Men­schen über das Steiss­bein tä­to­wie­ren las­sen («Mir hei nu­me eis Lä­bä – mir si nu­me einisch jung – mir tan­ze, bis d’sun­ne wie­der chunt»). Manch­mal skiz­ziert sie aber auch Bil­der, die auf ei­ne kom­ple­xe­re In­nen­welt schlies­sen las­sen und weit über die öf­ters von ihr be­müh­ten «Sch­pick mi furt vo hie»­flucht­fan­ta­sie hin­aus­ge­hen («was wä­re de Grän­ze, we nie­mer pro­bie­re würd, se z über­schrit­te?»).

In ei­nem In­ter­view hat 11Ä, die im rich­ti­gen Le­ben Ro­my Ei­gen­mann heisst, kürz­lich ein biss­chen mehr über sich ver­ra­ten: Sie lebt in Rap­pers­wil hin­ter Mün­chen­buch­see, hat in ih­rem Le­ben schon zwei Kin­der und drei Scha­fe gross­ge­zo­gen, und sie ha­be, da sie in kei­ner ty­pi­schen Hip­hop­nach­bar­schaft gross ge­wor­den sei, den Rap am Ra­dio ken­nen ge­lernt. Das merkt man der Mu­sik von 11Ä lei­der an: Be­son­ders ori­gi­nell ist die Pro­duk­ti­on nicht, wohl aber durch­aus viel­ge­stal­tig. So rappt sie mal zu aus­ge­borg­ten Gi­tar­ren­lo­ops von Tash Sul­ta­na («Him­mu»), mal zu Beats aus der Gross­raum­dis­co («1Lä­be»), und wenn sie dar­auf ver­zich­tet, mit lang­wei­li­gen Zeit­geis­tEf­fek­ten zu han­tie­ren, be­zirzt die­se 11Ä mit ei­ner so gar nicht el­fen­haft brum­mi­gen Sing­ und Rap­stim­me.

Zum be­din­gungs­lo­sen Gr­und­aus­flip­pen reicht das ir­gend­wie noch nicht. Aber im­mer­hin reicht es da­für, die Frau un­ter Be­ob­ach­tung zu stel­len. Es soll bald mehr Mu­sik nach­ge­scho­ben wer­den.

Maho­ga­ny Hall

Frei­tag, 27. April, 21 Uhr.

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