Wel­che Zu­kunft hat die klas­si­sche Mu­sik in Bern?

Bso-chef­di­ri­gent Ma­rio Venz­ago tritt vor­zei­tig ab. Der Stif­tungs­rat will Re­for­men des Kon­zert­be­triebs.

Der Bund - - VORDERSEITE - Ma­ri­an­ne Müh­le­mann

Beim Ber­ner Sym­pho­nie­or­ches­ter (BSO) wird ein Ta­bu ge­bro­chen: Der Ver­trag von Chef­di­ri­gent Ma­rio Venz­ago wur­de vor kur­zem auf drei Jah­re be­fris­tet. Da­bei sind auf sol­chen Pos­ten of­fe­ne Ver­trä­ge auf Le­bens­zeit üb­lich. Dem Orches­ter wur­de die Än­de­rung be­reits mit­ge­teilt. Die Su­che nach ei­nem Nach­fol­ger be­gin­ne dem­nächst, sagt Marcel Brül­hart vom Stif­tungs­rat von Kon­zert Thea­ter Bern. Er gibt zu ver­ste­hen, dass die­se Mass­nah­me den Weg für grund­le­gen­de Re­for­men des Klas­sik­be­triebs frei ma­chen sol­le.

Aus­lauf­mo­dell Abo­kon­zert

Da­bei lei­tet Ma­rio Venz­ago, der in die­sem Jahr 70 wird, das Sym­pho­nie­or­ches­ter äus­serst er­folg­reich. Es ist zum gröss­ten Teil sein Ver­dienst, dass das BSO heu­te zu den Top-or­ches­tern der Schweiz ge­hört. Und we­gen des stark ver­jüng­ten Orches­ters ent­wi­ckelt sich auch das Mu­sik­thea­ter po­si­tiv.

Wie lan­ge die­ser Er­folg an­hält, ist al­ler­dings zu­neh­mend un­si­cher: Der klas­si­sche Mu­sik­be­trieb ist in Ge­fahr, nicht nur in Bern. Stu­di­en be­le­gen, dass die Nach­fra­ge nach klas­si­schen Kon­zer­ten in den nächs­ten Jah­ren dras­tisch zu­rück­ge­hen wird, weil sich die Be­dürf­nis­se des Pu­bli­kums än­dern. Abon­ne­ments­kon­zer­te sind ein Aus­lauf­mo­dell. Und Kon­zer­t­ri­tua­le aus dem 19. Jahr­hun­dert sor­gen da­für, dass die Klas­sik in mu­sea­len For­men er­starrt.

Alt­last aus der Ära vor der Fu­si­on

Schliess­lich kri­ti­siert Marcel Brül­hart auch den Um­stand, dass es un­ter dem Dach von Kon­zert Thea­ter Bern noch zwei Chef­di­ri­gen­ten gibt, näm­lich ei­nen für das BSO und ei­nen für die Oper. Als Alt­last aus der Zeit vor der Fu­si­on zum Vier­spar­ten­haus sieht er über­dies die weit­ge­hen­de Au­to­no­mie des Orches­ters.

Der Pu­bli­kums­schwund ist al­so ab­seh­bar, und er dürf­te zum Pro­blem wer­den, wenn es um die Le­gi­ti­ma­ti­on bis­he­ri­ger Sub­ven­tio­nen geht. Tat­säch­lich stellt sich die Fra­ge nach neu­en Ide­en und Kon­zert­for­ma­ten in Bern wohl ver­schärft. Kon­zert Thea­ter Bern soll 2021 ei­nen neu­en In­ten­dan­ten er­hal­ten, und wei­te­re Ab­gän­ge in der künst­le­ri­schen Di­rek­ti­on sind nicht aus­ge­schlos­sen.

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