Deut­sche Au­to­bau­er fürch­ten sich vor Trump

Es­ka­liert der Han­dels­streit zwi­schen den USA und der EU, dürf­te Do­nald Trump als Nächs­tes ei­ne der Säu­len der deut­schen Wirt­schaft an­grei­fen: die Au­to­bau­er.

Der Bund - - WIRTSCHAFT - Do­mi­ni­que Ei­gen­mann Ber­lin

Vor dem Be­such der deut­schen Kanz­le­rin An­ge­la Merkel beim Us-prä­si­den­ten Do­nald Trump heu­te in Washington ver­such­te de­ren En­tou­ra­ge, die Er­war­tun­gen zu dämp­fen. Man rech­ne da­mit, dass die Us-straf­zöl­le auf Stahl und Alu­mi­ni­um ab dem 1. Mai auch für die EU gel­ten wür­den, hiess es in Ber­lin.

Die EU hat be­reits an­ge­kün­digt, sie wer­de dar­auf re­agie­ren, in­dem sie ih­rer­seits aus­ge­wähl­te ame­ri­ka­ni­sche Pro­duk­te mit Zöl­len be­le­gen wer­de. Dies könn­te den Auf­takt zu ei­nem erns­ten Han­dels­kon­flikt bil­den, in dem als Nächs­tes ein sehr viel be­deu­ten­de­res Ziel in Trumps Vi­sier ge­ra­ten könn­te: die deut­schen Au­to­bau­er. Er­grei­fe die EU Ge­gen­mass­nah­men, so twit­ter­te Trump im März, wer­de er eben Au­to­ex­por­te mit Straf­zöl­len ver­teu­ern. Be­trof­fen wä­ren vor al­lem deut­sche Her­stel­ler. Dies kä­me Trump ge­le­gen, da ihn die ge­wal­ti­gen Han­dels­über­schüs­se Deutsch­lands be­son­ders er­zür­nen. Für die deut­sche Ex­port­wirt­schaft wie­der­um sind die Au­to­bau­er von gröss­ter Be­deu­tung. 1,8 Mil­lio­nen Ar­beits­plät­ze hän­gen di­rekt an der In­dus­trie, auch bei Schwei­zer Zu­lie­fe­rern ar­bei­ten 34000 Men­schen. Ex­per­ten schät­zen die mög­li­chen Ein­bus­sen bei ei­nem Straf­zoll von 35 Pro­zent Eu-weit auf min­des­tens 17 Mil­li­ar­den Eu­ro – jähr­lich.

Mehr­fach be­trof­fe­ne Mar­ken

Der Fall der deut­schen Au­to­bau­er lehrt viel über die kom­ple­xe Rea­li­tät der heu­ti­gen Han­dels­strö­me und Lie­fer­ket­ten. VW, Daim­ler und BMW könn­ten von Trumps Mass­nah­men gleich drei­fach be­trof­fen sein: als Ex­por­teur in die USA, als Ex­por­teur aus den USA – und zu­dem als Ex­por­teur aus dem be­nach­bar­ten Me­xi­ko. Gleich­zei­tig könn­ten die Straf­ak­tio­nen aber auch den USA sel­ber scha­den. Deut­sche Au­to­kon­zer­ne ha­ben im letz­ten Jahr rund ei­ne hal­be Mil­li­on Au­tos in die USA ex­por­tiert. Ver­g­li­chen da­mit, dass al­lein VW welt­weit mehr als 10 Mil­lio­nen Au­tos ver­kauft, ist das re­la­tiv we­nig. Die Mehr­zahl der Fahr­zeu­ge, die BMW, Daim­ler und VW in den USA ab­set­zen, pro­du­zie­ren sie im Land sel­ber; in Wer­ken in den struk­tur­schwa­chen Bun­des­staa­ten South Ca­ro­li­na, Ten­nes­see und Ala­ba­ma. 800 000 wa­ren es 2017. Im Lu­xus­seg­ment be­trägt der An­teil deut­scher Au­tos auf dem Us­markt 40 Pro­zent. Auf Ex­por­te an­ge­wie­sen sind vor al­lem Au­di und Por­sche.

Deut­sche Au­to­bau­er be­schäf­ti­gen in den USA nicht nur 36 000 Ar­bei­ter, BMW ist er­staun­li­cher­wei­se auch der gröss­te Au­to­ex­por­teur des Lan­des. Ford, Ge­ne­ral Mo­tors und an­de­re Us­her­stel­ler be­die­nen den Welt­markt vor al­lem aus Wer­ken aus­ser­halb der USA. BMW und Daim­ler wie­der­um ex­por­tie­ren vie­le Lu­xus-ge­län­de­wa­gen, die sie in den USA her­stel­len, auch nach Chi­na. Soll­te Chi­na, wie des­sen Re­gie­rung es an­ge­kün­digt hat, auf Us-straf­zöl­le mit ei­ge­nen Zöl­len auf Au­tos aus den USA re­agie­ren, wä­ren die deut­schen Her­stel­ler auch von die­ser Sei­te her be­trof­fen. Bei­de er­wä­gen, in die­sem Fall ei­nen Teil ih­rer Pro­duk­ti­on aus den USA nach Chi­na zu ver­la­gern – das ex­ak­te Ge­gen­teil des­sen, was Trump be­zweckt.

Gleich­zei­tig ste­hen die deut­schen Au­to­kon­zer­ne noch an ei­ner drit­ten Front un­ter Us-druck, in Me­xi­ko. Au­di, VW, neu auch Daim­ler und BMW, pro­du­zie­ren hier für den Us-markt. Trump droht, auch die­se Im­por­te – 2,5 Mil­lio­nen Au­tos jähr­lich – mit Straf­zöl­len von 35 Pro­zent zu be­le­gen. Da­ge­gen weh­ren sich nicht nur die deut­schen Kon­zer­ne, son­dern auch die Us-rie­sen Ge­ne­ral Mo­tors oder Ford, die ih­rer­seits in Me­xi­ko von ei­nem Lohn­ni­veau pro­fi­tie­ren, das zehn­mal tie­fer liegt als in den USA.

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