Was die Voll­geld­in­itia­ti­ve an der Ge­winn­ver­tei­lung än­dert

Nach ei­nem Re­kord­ge­winn im letz­ten Jahr weist die Nationalbank im ers­ten Quar­tal ei­nen Ver­lust aus. Mit der An­nah­me der Voll­geld­in­itia­ti­ve hät­ten die Er­geb­nis­se für ih­re Aus­schüt­tun­gen kaum mehr Be­deu­tung.

Der Bund - - WIRTSCHAFT - Mar­kus Diem Mei­er

6,8 Mil­li­ar­den Fran­ken: Auf die­se Sum­me be­läuft sich der Ver­lust der Schwei­ze­ri­schen Nationalbank (SNB) im ers­ten Quar­tal. Die gros­se Zahl ist Fol­ge der ex­trem auf­ge­bla­se­nen Bi­lanz der SNB: Sie hat ge­gen­wär­tig ei­nen Um­fang von 821,3 Mil­li­ar­den Fran­ken. Es braucht an­ge­sichts die­ser Sum­me nur ge­rin­ge Kurs­än­de­run­gen von An­la­gen wie An­lei­hen, Ak­ti­en oder Gold in der Snb-bi­lanz – oder bei den Wäh­run­gen, auf die die An­la­gen lau­ten –, da­mit es zu ho­hen Be­wer­tungs­ge­win­nen oder eben Ver­lus­ten kom­men kann. So macht der ges­tern pu­bli­zier­te ho­he Ver­lust we­ni­ger als 1 Pro­zent der Snb-an­la­gen aus.

Der Ver­lust ist auch Be­wer­tungs­än­de­run­gen ge­schul­det: 3,9 Mil­li­ar­den Fran­ken sind die Fol­ge der im letz­ten Quar­tal ge­stie­ge­nen Zin­sen. Sie be­deu­ten, dass die Kur­se von Staats­an­lei­hen in den Be­stän­den der SNB ge­fal­len sind. Wei­te­re 3,3 Mil­li­ar­den des Ver­lusts ge­hen auf ge­sun­ke­ne Kur­se von Ak­ti­en­an­la­gen zu­rück und 2,8 Mil­li­ar­den auf Wäh­rungs­ver­lus­te.

Fo­kus­siert man auf der an­de­ren Sei­te al­ler­dings auf das tat­säch­lich ge­flos­se­ne Geld, so hat die SNB im ers­ten Quar­tal 2,4 Mil­li­ar­den an Zin­sen auf ih­ren An­lei­hen ein­ge­nom­men und 0,6 Mil­li­ar­den an Di­vi­den­den auf den Ak­ti­en. Ei­ne hal­be Mil­li­ar­de hat sie zu­dem durch die Ne­ga­tiv­zin­sen auf den Ein­la­gen der Ban­ken ver­dient. Die Wäh­rungs­ver­lus­te be­zie­hen sich im ers­ten Quar­tal vor al­lem auf den ge­gen­über dem Fran­ken ab­ge­schwäch­ten Dol­lar. Das hat­te auf die Er­folgs­rech­nung der SNB ei­nen grös­se­ren Ef­fekt als die Auf­wer­tung des Fran­kens ge­gen­über dem Eu­ro im glei­chen Zei­t­raum.

Vor­stel­lun­gen der Voll­geld­ler

Die Ge­win­ne oder Ver­lus­te der SNB stos­sen in der Öf­fent­lich­keit auf ein sehr gros­ses In­ter­es­se, weil stets ein Teil des Er­geb­nis­ses an die Öf­fent­lich­keit aus­be­zahlt wird. Ein Drit­tel des Aus­be­zahl­ten geht da­bei je­weils an den Bund, zwei Drit­tel an die Kan­to­ne. Mit der am 10. Ju­ni an­ste­hen­den Ab­tim­mung über die Voll­geld­in­itia­ti­ve wür­den die Zah­lun­gen der Nationalbank an die Öf­fent­lich­keit aber auf ei­ne gänz­lich neue Grund­la­ge ge­stellt.

Der wich­tigs­te Un­ter­schied be­steht dar­in, dass jetzt nur der aus den An­la­gen der Nationalbank er­ziel­te Ge­winn für Aus­zah­lun­gen in­fra­ge kommt. Und auch hier ist ex­akt ge­re­gelt, wel­cher An­teil das ist, und selbst im bes­ten Fall sind es nie mehr als 2 Mil­li­ar­den Fran­ken. Das galt auch beim Jah­res­ge­winn von 54,4 Mil­li­ar­den Fran­ken im letz­ten Jahr. Der Rest wird den Re­ser­ven und Rück­stel­lun­gen zu­ge­wie­sen.

Mit der Voll­geld­in­itia­ti­ve wür­de die Geld­ver­tei­lung an die Öf­fent­lich­keit deut­lich aus­ge­wei­tet, und sie be­trifft nicht nur die Ge­win­ne. Das zeigt vor al­lem der ver­lang­te neue Ver­fas­sungs­ar­ti­kel 99a, Ab­satz 3, der ver­langt, dass die SNB im Rah­men ih­res ge­setz­li­chen Auf­trags neu ge­schaf­fe­nes Geld über den Bund, die Kan­to­ne oder di­rekt über Bür­ge­rin­nen und Bür­ger schuld­frei in Um­lauf bringt. Wei­ter­be­ste­hen soll aber die Mög­lich­keit, den Ban­ken be­fris­te­te Dar­le­hen zu ge­wäh­ren.

Die schuld­freie Zu­tei­lung an Bür­ger und Staat be­deu­tet, dass die SNB frisch von ihr ge­schaf­fe­nes Geld ver­schenkt. Wie viel das sein soll, re­gelt die Initia­ti­ve nicht. Im Be­gleit­text zum Ar­ti­kel nennt sie den Be­trag von et­wa 5 Mil­li­ar­den Fran­ken jähr­lich, wenn die Schwei­zer Wirt­schaft rund 1 Pro­zent wächst. Für das lau­fen­de Jahr wird ein mehr als dop­pelt so ho­hes Wachs­tum er­war­tet. Wie das Geld kon­kret ver­teilt wird, soll das Par­la­ment nach An­nah­me der Initia­ti­ve bei der dann nö­ti­gen Über­ar­bei­tung des Na­tio­nal­bank­ge­set­zes re­geln.

Das Par­la­ment kann laut dem Be­gleit­text zum Ar­ti­kel be­schlies­sen, «in­wie­weit die­se all­fäl­li­gen Mehr­ein­nah­men je­weils für Schul­den­til­gung, zu­sätz­li­che öf­fent­li­che Pro­jek­te oder Steu­er­sen­kun­gen ver­wen­det wer­den». Zur Ver­tei­lung von ge­schenk­tem Geld an die Bür­ger – im Text ist die Re­de von ei­ner Bür­ger­di­vi­den­de – schrei­ben die Initi­an­ten: «Pro Jahr und Kopf der Be­völ­ke­rung dürf­te dies in der Grös­sen­ord­nung von ei­ni­gen Hun­dert Fran­ken lie­gen.»

In den ers­ten Jah­ren nach An­nah­me der Initi­ta­ti­ve sind deut­lich hö­he­re Zah­lun­gen vor­ge­se­hen. Weil das ge­plan­te Voll­geld der Nationalbank die bis­he­ri­gen Gut­ha­ben der Be­völ­ke­rung auf Bank­kon­ten er­set­zen soll, wür­den die Ban­ken das jetzt ih­ren Kun­den ge­schul­de­te Geld neu der Nationalbank schul­den. Weil aber al­les auf Schul­den ba­sier­te Geld nach ei­ner Über­gangs­pha­se – die Initi­an­ten spre­chen von 15 Jah­ren – durch Rück­zah­lun­gen ver­schwin­den soll, muss die Nationalbank zum Aus­gleich neu­es Voll­geld schaf­fen. Die Initi­an­ten rech­nen mit ma­xi­mal 300 Mil­li­ar­den Fran­ken, die eben­falls an den Staat oder die Bür­ger aus­be­zahlt wer­den sol­len. Das kön­ne dann pro Kopf der Be­völ­ke­rung zu ei­ner Zah­lung von ei­ni­gen Tau­send Fran­ken füh­ren.

«Er­freu­li­che Fol­ge­wir­kung»

Die­se Art der Geld­ver­tei­lung ge­hört zu den kon­tro­ver­ses­ten Be­lan­gen der Initia­ti­ve. Für Kri­ti­ker ver­schwimmt bei die­ser Geld­ver­tei­lung der Un­ter­schied zwi­schen der bis­he­ri­gen Aus­ga­ben- und Ein­nah­men­po­li­tik des Staa­tes und der Geld­schöp­fung der Nationalbank. Sie war­nen da­vor, dass die­se Geld­quel­le Be­gehr­lich­kei­ten von Po­li­ti­kern und Lob­by­grup­pen weckt und so die Un­ab­hän­gig­keit der SNB ge­fähr­det wird. Weil es über­dies sehr viel ein­fa­cher ist, die Geld­men­ge auf die­sem Weg aus­zu­deh­nen als sie wie­der ein­zu­schrän­ken, war­nen die Kri­ti­ker da­vor, dass es als Fol­ge da­von zu ei­ner hö­he­ren und schlech­ter kon­trol­lier­ba­ren Teue­rung kom­me.

Die Initi­an­ten ent­geg­nen dar­auf, die Nationalbank be­stim­me auch künf­tig al­lei­ne über ih­re Geld­po­li­tik. Über die Dar­le­hen an die Ban­ken kön­ne sie die Geld­men­ge wei­ter steu­ern, auch wür­de ihr die Mög­lich­keit blei­ben, Wert­pa­pie­re und frem­de Wäh­run­gen zu kau­fen oder zu ver­kau­fen, um die um­lau­fen­de Geld­men­ge aus­zu­deh­nen oder ein­zu­schrän­ken.

Die vor­ge­schla­ge­nen di­rek­ten Aus­zah­lun­gen an den Staat sei­en über­dies mit ei­nem An­teil von nur rund 3 Pro­zent des Bud­gets von Bund und Kan­to­nen zu ge­ring, um als Staats­fi­nan­zie­rung über die Geld­schöp­fung durch­zu­ge­hen. Das wer­de im Üb­ri­gen auch nicht an­ge­strebt. Die vor­ge­se­he­ne Aus­zah­lung von et­wa 300 Mil­li­ar­den Fran­ken nen­nen die Initia­nen ei­ne «er­freu­li­che Fol­ge­wir­kung der Voll­geld­re­form».

Die Voll­geld­in­itia­ti­ve, er­klärt in 240 Se­kun­den

Vi­deo voll­geld.der­bund.ch

Fo­to: Sa­mu­el Schalch

Ei­ne Bür­ger­di­vi­den­de: Die Initia­ti­ve will jähr­lich Geld ver­tei­len.

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