Der Zinsentscheid der No­ten­bank

Der Bund - - WIRTSCHAFT -

Aus Schwei­zer Sicht gibt es gu­te Grün­de, die Geld­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) ge­nau zu ver­fol­gen. Erst wenn die­se von ih­ren aus­ser­ge­wöhn­li­chen Mass­nah­men Ab­stand nimmt und ei­ne Er­hö­hung der Leit­zin­sen ab­seh­bar wird, kann die Schwei­ze­ri­sche Nationalbank (SNB) ih­re ei­ge­ne Geld­po­li­tik nach­hal­tig nor­ma­li­sie­ren. Sonst droht der Fran­ken er­neut zu­zu­le­gen.

Die Er­läu­te­run­gen von EZB-CHEF Ma­rio Draghi ges­tern ge­gen­über den Me­di­en sind vor die­sem Hin­ter­grund eher ent­täu­schend. Noch vor kur­zem liess das star­ke Wirt­schafts­wachs­tum in der Eu­ro­zo­ne ers­te Si­gna­le ei­ner Po­li­ti­k­än­de­rung er­war­ten. Ges­tern aber wies Draghi viel­mehr auf ei­ne ab­ge­schwäch­te Wirt­schafts­dy­na­mik hin und auf Ri­si­ken we­gen ei­nes auf­kom­men­den Pro­tek­tio­nis­mus. Ei­ne früh­zei­ti­ge Straf­fung der Geld­ver­sor­gung in der Eu­ro­zo­ne wird da­durch we­ni­ger wahr­schein­lich. Kon­kre­te Än­de­run­gen der Geld­po­li­tik wur­den aber ges­tern oh­ne­hin nicht er­war­tet.

Min­des­tens bis zum Sep­tem­ber will die EZB wei­ter pro Mo­nat An­lei­hen im Um­fang von 30 Mil­li­ar­den Eu­ro kau­fen, um so Geld in die Wirt­schaft zu pum­pen. Auch die Leit­zin­sen be­lässt sie auf ih­rem ak­tu­ell aus­ser­ge­wöhn­lich tie­fen Ni­veau: Der Haupt­re­fi­nan­zie­rungs­satz für Ban­ken bleibt bei 0 Pro­zent, der Ein­la­gen­satz auf Ezb-kon­ten bei –0,4 Pro­zent.

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