Kri­tik an Kam­pa­gne der SBB

Um kei­ne Fern­ver­kehrs­li­ni­en ab­ge­ben zu müs­sen, ha­ben die SBB ein Vi­deo und ei­ne Bro­schü­re pro­du­ziert. Kos­ten: 200 000 Fran­ken.

Der Bund - - WIRTSCHAFT - Yvon­ne De­brun­ner

Äs­t­he­ti­sche Bil­der von fah­ren­den Zü­gen, glück­li­che Pas­sa­gie­re und lau­ni­ge Mu­sik: Der neue Image­film der SBB ist vor­bild­lich pro­du­ziert. Im Vi­deo ein­ge­blen­det wird gleich zu Be­ginn die Bot­schaft: «Der Fern­ver­kehr aus ei­ner Hand. Weil es für die Schweiz am bes­ten ist.»

Der Image­film ist auch ein Kam­pa­gnen­film. Die SBB lies­sen ihn pro­du­zie­ren, um zu ver­hin­dern, dass sie Fern­ver­kehrs­li­ni­en an die Kon­kur­renz ab­ge­ben müs­sen. Gänz­lich ge­lun­gen ist ih­nen das nicht. Wie letz­te Wo­che be­kannt wur­de, will das Bun­des­amt für Ver­kehr zwar nicht fünf, aber den­noch zwei Fern­ver­kehrs­li­ni­en an die BLS ab­ge­ben. Die von Bern nach Biel und die von Bern über Burg­dorf nach Ol­ten.

Die SBB ha­ben sich ve­he­ment ge­gen ei­ne Auf­split­tung der Fern­ver­kehrs­kon­zes­si­on ge­wehrt. Zu ve­he­ment, fin­det Manfred Büh­ler. Der Ber­ner Svp-na­tio­nal­rat hat­te im Fe­bru­ar ei­ne In­ter­pel­la­ti­on ein­ge­reicht. «Der Bund und die Mehr­heit im Par­la­ment sind für ei­nen mass­vol­len Wett­be­werb un­ter den Ei­sen­bahn­un­ter­neh­men», schreibt er dar­in. Die Do­mi­nanz der SBB sol­le durch die Ver­ga­be von Kon­zes­sio­nen an an­de­re Un­ter­neh­men leicht ab­ge­schwächt wer­den. Auch das Bun­des­amt für Ver­kehr er­ach­tet sei­ne Be­stre­bun­gen zu mehr Wett­be­werb als von der Po­li­tik ge­stützt.

Es sei stos­send, ar­gu­men­tiert Büh­ler, dass ein Un­ter­neh­men, das dem Bund ge­hört und von die­sem sub­ven­tio­niert wird, ge­gen die vom Bund ge­wünsch­te Ent­wick­lung zu mehr Wett­be­werb lob­by­ie­re. Vom Bun­des­rat woll­te er wis­sen, wie viel die­ser «Ab­wehr­kampf» die SBB ge­kos­tet ha­be.

Die Ant­wort des Bun­des­ra­tes ist ges­tern pu­bli­ziert wor­den. Er be­trach­tet das En­ga­ge­ment der SBB of­fen­sicht­lich als un­pro­ble­ma­tisch. In der Ant­wort hält er fest, der Bun­des­rat ge­be den Bun­des­bah­nen zwar Zie­le vor. Für das ope­ra­ti­ve Ge­schäft sei­en aber die SBB zu­stän­dig. Zu de­ren un­ter­neh­me­ri­schen Pflich­ten ge­hö­re auch, über Aus­wir­kun­gen von po­li­ti­schen Ent­schei­den aus Un­ter­neh­mens­sicht zu in­for­mie­ren. Um die Fra­ge zu den Kos­ten der Kam­pa­gne zu be­ant­wor­ten, greift der Bun­des­rat auf An­ga­ben der SBB zu­rück. Denn hier ge­he es um die ope­ra­ti­ve Tä­tig­keit des Un­ter­neh­mens.

BLS hat kein Lob­by­ing-bud­get

Die SBB ha­ben, ge­mäss ei­ge­nen An­ga­ben, im Zu­sam­men­hang mit der Fern­ver­kehrs­kon­zes­si­on ex­ter­ne Un­ter­stüt­zung für die Er­stel­lung des ge­nann­ten Films so­wie ei­ner Bro­schü­re bei­ge­zo­gen. Die Kos­ten: 200 000 Fran­ken. Gab es zu­sätz­li­che Aus­ga­ben für die Kam­pa­gne? Sbb­spre­cher Chris­ti­an Gin­sig ver­neint: «Film und Bro­schü­re wa­ren die ein­zi­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel, wel­che wir ein­setz­ten», teilt er mit. Zu­dem kön­ne bei­des wei­ter­hin als In­for­ma­ti­ons­ma­te­ri­al ge­nutzt wer­den, un­ab­hän­gig von der Fra­ge der Fern­ver­kehrs­kon­zes­si­on.

Lob­by­ier­te auch Kon­kur­ren­tin BLS? Spre­cher Stefan Dau­ner teilt mit, man ha­be auf Wunsch in­ter­es­sier­ten Kan­to­nen die ei­ge­nen Fern­ver­kehrs­plä­ne in kur­zen In­for­ma­ti­ons­ge­sprä­chen er­läu­tert. Die­se Auf­ga­be sei von BLS-CHEF Ber­nard Guil­lel­mon oder an­de­ren Mit­glie­dern der Ge­schäfts­lei­tung aus­ge­führt wor­den. Aber: «Für ex­ter­nes Lob­by­ing wird bei der BLS ge­ne­rell kein Bud­get ein­ge­setzt.»

Die Hö­he der ein­ge­setz­ten Gel­der bei den SBB will die BLS nicht kom­men­tie­ren – «da wir dies nicht ein­schät­zen kön­nen», so der Spre­cher. Die In­ter­pel­la­ti­on von Na­tio­nal­rat Büh­ler kam bei der BLS al­ler­dings gut an. Man be­grüs­se es, dass sich Po­li­ti­ker für ei­ne fai­re Aus­ge­stal­tung des Kon­zes­si­ons­ver­fah­rens ein­setz­ten, schreibt der Spre­cher. Als re­gio­na­les Bahn­un­ter­neh­men, das sich wie­der neu um ei­ne Fern­ver­kehrs­kon­zes­si­on be­wer­be, sei man auf gleich lan­ge Spies­se an­ge­wie­sen.

Na­tio­nal­rat Büh­ler zeig­te sich auf An­fra­ge er­staunt über die Ant­wort des Bun­des­ra­tes: «Sie kommt re­la­tiv harm­los da­her», sagt er. 200000 Fran­ken sei­en nicht un­be­deu­tend. Aber der Be­trag er­schei­ne ihm doch et­was ge­ring, wenn man be­trach­te, wie stark sich die SBB in der The­ma­tik en­ga­giert hät­ten.

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