Meis­ter­li­che Mei­len­stei­ne

Morgen kann YB ge­gen Lu­zern ei­ne sehr er­folg­rei­che Sai­son mit dem Meis­ter­ti­tel krö­nen. Ih­ren Sturm­lauf be­gan­nen die Young Boys im letz­ten Som­mer mit ei­nem 2:0-Heim­sieg ge­gen Ba­sel.

Der Bund - - SPORT - Fa­bi­an Ruch

An­ge­fan­gen hat­te es En­de Ju­li 2017 ge­nau so, wie der Yb-meis­ter­t­raum viel­leicht am Sams­tag ge­gen Lu­zern rea­li­siert wird und die­se Sai­son am 27.Mai im Cup­fi­nal ge­gen Zü­rich ganz si­cher en­den wird – mit ei­nem aus­ver­kauf­ten Sta­de de Suis­se. 2:0 be­zwan­gen die Young Boys am 1. Spiel­tag den Se­ri­en­meis­ter Ba­sel. Es war ein ver­dien­ter Er­folg und ein Vor­bo­te der er­folg­rei­chen Spiel­zeit. «Wir ha­ben stark ge­spielt», sag­te Trai­ner Adi Hüt­ter vor neun Mo­na­ten, «aber ge­gen Ba­sel ha­ben wir oft gut aus­ge­se­hen. Wich­tig ist, dass wir auch die Spie­le ge­gen klei­ne­re Teams ge­win­nen.»

In den Sai­sons zu­vor hat­te YB oft ge­gen schwä­che­re Mann­schaf­ten ge­patzt. Das war im Som­mer 2017 zwar er­neut der Fall, et­wa beim er­staun­li­chen 0:4 zu Hau­se ge­gen Thun, aber gröss­ten­teils er­le­dig­ten die Young Boys ih­re Haus­auf­ga­ben kon­zen­triert, sou­ve­rän und zu­neh­mend stil­si­cher. Den er­neut gros­sen per­so­nel­len Um­bruch vor der Sai­son hat­ten sie stark mo­de­riert, die pro­mi­nen­ten Ab­gän­ge wie Goa­lie Yvon Mvo­go, Mit­tel­feld­spie­ler Denis Za­ka­ria und Of­fen­siv­kraft Yo­ric Ra­vet er­setz­ten sie mit ta­len­tier­ten, auf­stre­ben­den Fuss­bal­lern. Wie Tor­hü­ter Da­vid von Ball­moos. Auf­bau­er Dji­bril Sow. Flü­gel Chris­ti­an Fass­nacht.

Stren­ger Som­mer

Und so wuchs in Bern in be­mer­kens­wert schnel­ler Zeit ein jun­ges, hung­ri­ges, of­fen­siv star­kes Team zu­sam­men, an­ge­lei­tet von Rou­ti­niers wie Ste­ve von Ber­gen und den wie­der­er­stark­ten Sék­ou Sa­no­go und Mi­ra­lem Su­le­j­ma­ni. So­wie­so: Fast je­der Spie­ler ver­bes­ser­te sich in den letz­ten Mo­na­ten teil­wei­se ekla­tant. Wie Sow. Ver­tei­di­ger Ka­sim Nu­hu. Dau­er­läu­fer Ke­vin Mba­bu. Wirb­ler Ro­ger As­salé. Und vie­le an­de­re.

Im äus­serst stren­gen Som­mer und Herbst sah das noch nicht im­mer der­art traum­wand­le­risch über­zeu­gend aus wie im Früh­ling 2018. Doch die Young Boys lies­sen sich nach Rück­schlä­gen nicht aus dem Kon­zept brin­gen. Auf das 1:3 in der Cham­pi­ons-le­ague-qua­li­fi­ka­ti­on aus­wärts bei Dy­na­mo Kiew, als sie de­fen­siv sehr schwach agiert hat­ten und auch 1:6 hät­ten ver­lie­ren kön­nen, lies­sen sie im Rück­spiel ein über­ra­schen­des 2:0 fol­gen. Die Kö­nigs­klas­se ver­pass­ten sie zwar ge­gen ZSKA Moskau, als die un­er­fah­re­ne Trup­pe auch Lehr­geld zahl­te – aber durch ei­nen Tref­fer Nu­hus in der Nach­spiel­zeit zum 2:2 in St.gal­len ret­te­te sich YB En­de Au­gust nach enorm in­ten­si­ven Start­wo­chen in die ers­te Län­der­spiel­pau­se. Und da­nach un­ter­stri­chen vier Li­ga­sie­ge in Se­rie die ho­hen Am­bi­tio­nen.

Der wich­ti­ge Sieg in Lu­zern

Die Young Boys agier­ten auch in der Vor­run­de oft stark, fast im­mer so­lid, sel­ten schwach. Im Cup ge­lan­gen pro­blem­lo­se Pflicht­sie­ge ge­gen un­ter­klas­si­ge Ver­ei­ne, dies­mal leis­te­te sich YB kei­ne Pein­lich­keit. Und in der Li­ga lan­cier­te der zu Be­ginn schwä­cheln­de FC Ba­sel zwar sei­ner­seits bald ei­ne Sie­ges­se­rie, doch An­fang De­zem­ber lag der Ti­tel­ver­tei­di­ger im­mer noch sie­ben Punk­te zu­rück. Un­ter an­de­rem, weil die Young Boys eben müh­sa­me Be­geg­nun­gen wie ge­gen Zü­rich und in Lu­ga­no dank To­ren in der Schluss­pha­se 2:1 ge­wan­nen. Und in Ba­sel ein 1:1 er­reich­ten.

Kurz vor Weih­nach­ten al­ler­dings leis­te­ten sich die mü­den Young Boys zwei we­ni­ger ge­lun­ge­ne Par­ti­en. Sie ver­lo­ren er­neut ge­gen den klei­nen Nach­barn Thun, dies­mal aus­wärts 1:3, und ka­men ge­gen GC zu Hau­se nur zu ei­nem 1:1. «Das war die hei­kels­te Pha­se der Sai­son», sagt Trai­ner Adi Hüt­ter. Ba­sel ras­te auf der Über­hol­spur her­an, der Yb-vor­sprung be­trug auf ein­mal nur noch zwei Zäh­ler. Im letz­ten Spiel des ers­ten Halb­jah­res al­ler­dings setz­ten sich die Young Boys in Lu­zern 4:2 durch – und durf­ten den Jah­res­wech­sel auf Rang 1 ver­brin­gen. «Das war wohl der wert­volls­te Sieg», sagt Hüt­ter. «Es war ein wich­ti­ges Zei­chen, das Jahr als Ers­ter zu be­en­den und in der Win­ter­pau­se vor­ne zu lie­gen.»

Kei­ne Ab­gän­ge im Ja­nu­ar

Von En­de Ju­li bis Mit­te De­zem­ber be­strit­ten die Young Boys in fünf Mo­na­ten 33 Pflicht­spie­le. In der Eu­ro­pa Le­ague ent­täusch­ten sie nicht, schei­ter­ten aber knapp. «Da wur­den wir ein we­nig un­ter Wert ge­schla­gen», sagt Sport­chef Chris­toph Spy­cher. So aber konn­te sich YB im Früh­ling im Ge­gen­satz zu Ba­sel auf die na­tio­na­len Wett­be­wer­be kon­zen­trie­ren. Der FCB stand vor gross­ar­ti­gen Be­geg­nun­gen in den Cham­pi­ons-le­ague-ach­tel­fi­nals ge­gen den eng­li­schen Gi­gan­ten Man­ches­ter Ci­ty. Und im Ja­nu­ar dach­ten oh­ne­hin bei­na­he al­le Be­ob­ach­ter, der Schwei­zer Bran­chen­pri­mus wür­de die Young Boys mal wie­der lo­cker noch über­flü­geln.

Doch wäh­rend die Bas­ler An­fang Jahr er­neut er­staun­lich viel Per­so­nal aus­tausch­ten, ge­lang es YB, al­le um­wor­be­nen Kräf­te zu hal­ten. Es war die gröss­te Leis­tung von Sport­chef Spy­cher. Und Trai­ner Hüt­ter sag­te: «Wir wer­den in der Rück­run­de bes­ser sein, weil wir wie­der rich­tig trai­nie­ren kön­nen und nicht al­le drei Ta­ge ei­ne Par­tie be­strei­ten müs­sen.»

Kurz vor Wie­der­auf­nah­me der Su­per Le­ague An­fang Fe­bru­ar be­kann­ten sich

«Das war wohl der wert­volls­te Sieg. Es war ein wich­ti­ges Zei­chen, in der Win­ter­pau­se vor­ne zu lie­gen.» Yb-trai­ner Hüt­ter zum 4:2-Sieg in Lu­zern

die Young Boys of­fen zum Ziel Meis­ter­ti­tel. Und 2018 schau­ten sie nicht mehr zu­rück. Sie reih­ten Sieg an Sieg an Sieg, bis zum 2:2 ge­gen Ba­sel An­fang April im aus­ver­kauf­ten Sta­de de Suis­se wa­ren es 14. 8 in der Li­ga, 5 in Test­spie­len, ei­ner im Cup. Die­ses 2:0 im Halb­fi­nal an ei­nem eis­kal­ten Di­ens­tag­abend En­de Fe­bru­ar in Bern mar­kier­te eben­falls ei­nen Mei­len­stein die­ser tol­len Spiel­zeit. Es ver­lieh YB Flü­gel, weil der Ri­va­le deut­lich do­mi­niert wor­den war. Seit sie­ben Pflicht­spie­len üb­ri­gens ha­ben die Young Boys nicht mehr ge­gen Ba­sel ver­lo­ren.

Zwei­tes Dou­ble der His­to­rie?

Das 2:2 ge­gen ei­nen wie­der stär­ke­ren FCB in der Li­ga wie­der­um sorg­te für ei­ne wei­ter ent­spann­te Füh­rung in der Ta­bel­le. Die Rück­kehr des lan­ge ver­letzt ge­we­se­nen Tor­jä­gers Guil­lau­me Ho­arau er­wies sich nur als ein Fak­tor auf dem Weg zur fast si­che­ren Meis­ter­schaft. Das Yb-team ist ak­tu­ell auf bei­na­he je­der Po­si­ti­on bes­ser be­setzt als Ba­sel, es ist ein­ge­spielt, aus­ba­lan­ciert, selbst­be­wusst, die Spiel­wei­se ist meis­tens frisch, frech, at­trak­tiv, die Mi­schung aus Rou­ti­niers und Ta­len­ten ist erst­klas­sig.

Auf die trau­ri­ge Nach­richt des To­des ih­res Be­sit­zers An­dy Rihs letz­te Wo­che re­agier­ten die Young Boys am Sonn­tag mit ei­nem wei­te­ren schwung­vol­len Vortrag, zu­min­dest vor der Pau­se. Nach dem 4:1-Heim­sieg ge­gen Lausanne be­sit­zen sie fünf Match­bäl­le zur ers­ten Meis­ter­schaft des Clubs seit 32 Jah­ren. Und En­de Mai kön­nen sie die­se wun­der­ba­re Sai­son im Cup­fi­nal mit dem zwei­ten Dou­ble der 120-jäh­ri­gen Ver­eins­ge­schich­te ver­gol­den. Auch 1958 ge­wan­nen sie bei­de Be­wer­be.

Vor­erst soll aber morgen in Bern nach ei­nem Heim­sieg ge­gen Lu­zern die ers­te gros­se Yb-fe­te in die­sem Früh­ling stei­gen – und der zwei­te Meis­ter­ti­tel seit 1960 ge­fei­ert wer­den. 11662 Ta­ge nach dem 4:1-Sieg auf der Neu­en­bur­ger Ma­la­diè­re am 24.Mai 1986 ge­gen Xa­max, der den letz­ten und elf­ten Ti­tel der Ver­eins­ge­schich­te si­cher­stell­te. Oder, wer es noch ge­nau­er möch­te: 279 887 St­un­den da­nach. Oder 16 793 220 Mi­nu­ten. Oder 1 007 593 200 Se­kun­den.

Fo­to: Chris­ti­an Pfan­der

Star­ker Start: Die Young Boys schla­gen Ba­sel in der 1.Run­de 2:0.

Fo­to: Urs Flüe­ler (Keysto­ne)

Wich­ti­ger Sieg: 4:2 kurz vor Weih­nach­ten in Lu­zern.

Fo­to: Chris­ti­an Pfan­der

5 Match­bäl­le er­spielt: YB fei­ert nach dem 4:1 ge­gen Lausanne.

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