Neue Plä­ne für al­tes Reb­gut

Die Stadt Bern will ihr sa­nie­rungs­be­dürf­ti­ges Reb­gut in La Neu­ve­vil­le neu po­si­tio­nie­ren und teil­wei­se neu nut­zen. Im Vor­der­grund ste­hen Woh­nun­gen und Ho­tel­le­rie. Die Su­che nach In­ves­to­ren ver­läuft aber har­zig.

Der Bund - - BERN - Bern­hard Ott

Das Be­trei­ben ei­nes Wein­gu­tes ge­hört nicht zu den Kern­auf­ga­ben ei­ner Stadt. Aber Ge­mein­de­rat Micha­el Ae­ber­sold (SP) will die «Do­mai­ne de la Vil­le de Berne» in La Neu­ve­vil­le in städ­ti­schem Ei­gen­tum be­las­sen. «So et­was ver­kauft man doch nicht», sagt Berns obers­ter Lie­gen­schafts­ver­wal­ter und weist auf die al­te Vil­la und die sanf­ten Reb­hän­ge hin. Der Aus­blick vom leicht er­höht lie­gen­den An­we­sen «Les Lo­ret­tes» reicht über den Bie­ler­see und die grü­nen Hü­gel des Mit­tel­lan­des bis zu den weissen Gip­feln der Al­pen. Ae­ber­sold spricht von ei­nem «Bi­jou». Und wenn es tat­säch­lich die La­ge ist, die den Wert ei­ner Lie­gen­schaft aus­macht, dann hat die «Lo­ret­te» ein rie­si­ges Po­ten­zi­al.

«Ein klei­ner Lu­xus»

Die Sa­che hat aber ei­nen Ha­ken, und der of­fen­bart sich, wenn man den Blick von der Fer­ne löst. Die drei Ge­bäu­de des Guts ha­ben die bes­ten Zei­ten hin­ter sich. Vor al­lem das Öko­no­mie­ge­bäu­de zwi­schen der Kel­le­rei und der al­ten Vil­la ist in ei­nem schlim­men Zu­stand. Hin­ter der brö­ckeln­den Fas­sa­de sieht es aus, als ob je­mand die zwölf Räu­me vor lan­ger Zeit flucht­ar­tig ver­las­sen hät­te: schwe­re Mö­bel und Hän­gelam­pen, ver­gilb­te Ta­pe­ten, al­te Spann­tep­pi­che.

Ae­ber­sold schätzt die Kos­ten für die Sa­nie­rung des Öko­no­mie­ge­bäu­des und der üb­ri­gen Ge­bäu­lich­kei­ten auf fünf Mil­lio­nen Fran­ken. Ei­ne wei­te­re Mil­li­on müss­te in die Er­neue­rung des Ma­schi­nen­parks und der In­fra­struk­tur des Reb­guts in­ves­tiert wer­den. Die Er­trä­ge aus dem Reb­bau rei­chen aber seit je­her nicht aus, um die not­wen­di­gen In­ves­ti­tio­nen und Sa­nie­run­gen zu de­cken. «Das Wein­gut ist ein klei­ner Lu­xus, den wir uns im Mo­ment leis­ten. So­lan­ge es null zu null auf­geht, ist das in Ord­nung», sag­te die eins­ti­ge Gfl-stadt­rä­tin Da­nie­la Lutz-beck vor ei­ni­gen Jah­ren in ei­ner Rats­de­bat­te. Mit «null zu null»-er­geb­nis­sen kann der Be­trieb aber we­der sa­niert noch aus­ge­baut wer­den. «Es ist klar, jetzt muss man Geld in die Hand neh­men und ei­nen wei­te­ren Bu­si­ness­plan ent­wer­fen», sagt Ae­ber­sold.

«Jetzt muss man Geld in die Hand neh­men.» Micha­el Ae­ber­sold (SP), Fi­nanz­di­rek­tor

Der Traum von der Wein­do­mai­ne

Wer wie viel Geld in die Hand nimmt, ist noch of­fen. Zur De­bat­te stan­den bis vor kur­zem zwei un­ter­schied­li­che Sze­na­ri­en. Bei der Sa­nie­rung der Im­mo­bi­li­en oh­ne Nut­zungs­än­de­rung wür­de die Stadt al­lei­ni­ge Geld­ge­be­rin blei­ben. Das be­vor­zug­te Sze­na­rio war aber der Aus­bau des Reb­guts zur Wein­do­mai­ne mit Wohn­nut­zung, Ho­tel und Gas­tro­no­mie. Für ein sol­ches Pro­jekt hät­te ein In­ves­tor schät­zungs­wei­se zwan­zig Mil­lio­nen Fran­ken ein­set­zen müs­sen. Da­bei wä­re die Bil­dung ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft mit städ­ti­scher Be­tei­li­gung im Vor­der­grund ge­stan­den, wel­che die Lie­gen­schaf­ten im Bau­recht über­nom­men hät­te. Die Stadt hät­te ih­rer­seits rund zehn Mil­lio­nen Fran­ken in Form von Sach­ein­la­gen und Bau­rech­ten ein­ge­bracht. Die In­ves­to­ren­su­che ist in der ver­gan­ge­nen Le­gis­la­tur al­ler­dings er­geb­nis­los ver­lau­fen.

Die Stadt will nun wei­te­re Mög­lich­kei­ten mit ei­ner Stu­die ab­klä­ren. Da­für hat sie 200 000 Fran­ken im Fi­nanz­plan ein­ge­stellt. Die Ex­per­ti­se soll un­ter an­de­rem Klar­heit über die zo­nen­recht­li­chen Mög­lich­kei­ten ver­schaf­fen. Der Um­bau in ein Se­mi­nar­zen­trum dürf­te in der Land­wirt­schafts­zo­ne kaum mög­lich sein. Am ehes­ten ist wohl ei­ne Wohn­nut­zung oder die Ein­rich­tung ei­nes Bed and Bre­ak­fast mög­lich. Auf­grund der Er­geb­nis­se will die Fi­nanz­di­rek­ti­on ei­ne Aus­le­ge­ord­nung aus­ar­bei­ten. Die­se soll noch in die­ser Le­gis­la­tur dem Ge­mein­de­rat vor­ge­legt wer­den.

Für Bio fehlt das Geld

Was im­mer in der Do­mä­ne ge­schieht: Die Stadt will das Wein­gut im bis­he­ri­gen Rah­men wei­ter­be­trei­ben. Es um­fasst zwan­zig Hekt­aren rund um die Lo­ret­te so­wie fünf Hekt­aren auf der Sankt Pe­ter­sin­sel, die vor bald zehn Jah­ren von der Ber­ner Bur­ger­ge­mein­de in Pacht über­nom­men wur­den.

Die Win­zer­fa­mi­lie Lou­is ver­zich­tet bei der Pfle­ge der Re­ben seit neu­es­tem auf syn­the­ti­sche Hilfs­mit­tel und Her­bi­zi­de. Für die vom Stadt­rat ge­wünsch­te Um­stel­lung auf ei­nen Bio-be­trieb fehlt zur­zeit aber das Geld. Laut Win­zer Hu­bert Lou­is wür­de die Um­stel­lung rund sie­ben Jah­re dau­ern. Zu­dem müss­te der Per­so­nal­be­stand von heu­te sechs Voll­stel­len leicht auf­ge­stockt wer­den.

Co­op als Gross­kun­de

Das best­er­hal­te­ne Ge­bäu­de auf der Lo­ret­te ist wohl die 1970 er­rich­te­te Kel­le­rei. Im Kühl­raum kön­nen bis zu 180 000 Li­ter Wein in rie­si­gen Stahl­tanks la­gern. Klei­ne­re Holz­fäs­ser sind mit Pi­not noir Bar­ri­que ge­füllt. Der Wein geht zur Hälf­te an den Wein­han­del, wo­bei al­lein der Gross­ver­tei­ler Co­op jähr­lich 25 000 Fla­schen er­wirbt. Die Gas­tro­no­mie, die Stadt­ver­wal­tung und Pri­va­te sind wei­te­re Ab­neh­mer. Im La­ger­raum sind zur­zeit die Wein­kar­tons für den Tag der of­fe­nen Tür ge­sta­pelt. Wer von der Stadt­ver­wal­tung zum De­gus­tie­ren nach La Neu­ve­vil­le reist, wird den Wein wohl ken­nen. Denn die Ver­wal­tung «ist an­ge­hal­ten, bei Emp­fän­gen und Weih­nachts­fei­ern Stadt­wein aus­zu­schen­ken», hält die Fi­nanz­di­rek­ti­on auf An­fra­ge fest.

Mehr Bil­der Bie­ler­see.

vom Reb­gut der Stadt Bern am

reb­gut.der­bund.ch

Franziska Ro­then­büh­ler

Ge­mein­de­rat Micha­el Ae­ber­sold (SP, l.) und Win­zer Hu­bert Lou­is im Stadt­ber­ner Reb­berg über dem Bie­ler­see.

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