«Mit Chas­sel­as und Pi­not noir lockt man nie­man­den mehr»

Der Bund - - BERN -

Ist das Wein­gut der Stadt Bern auf dem Schwei­zer Wein­markt ein Be­griff ?

Nein. Auch ich bin den Wei­nen der Do­mai­ne

Ga­b­ri­el Tin­gue­ly Her­aus­ge­ber und Re­dak­tor von Wein­land­schweiz.ch, der Da­ten­bank zum Schwei­zer Wein.

de la Vil­le de Berne noch nie be­geg­net.

Gibt es vie­le Ge­mein­we­sen in der Schweiz, die Reb­gü­ter be­sit­zen?

Ja, es gibt ei­ni­ge. Bei­spie­le sind et­wa die Do­mai­ne Hôpi­tal de So­leu­re, die Re­ben in Le Lan­de­ron be­sitzt, der Staat Frei­burg mit der Do­mai­ne des Fa­ver­ges im La­vaux oder die Bur­ger von Mur­ten mit dem Cru de l’hôpi­tal.

Ist das Füh­ren ei­nes Reb­gu­tes nicht ei­ne pri­va­te Auf­ga­be? Was wä­ren die Vor- und Nach­tei­le ei­nes Ver­kaufs?

Das Füh­ren ei­nes Reb­guts ist nicht die Auf­ga­be des Staa­tes oder der Stadt. Die­se müs­sen ih­ren Be­sitz je­doch nicht ver­kau­fen. Sie kön­nen ih­ren Be­trieb ver­pach­ten oder ei­nen Win­zer ein­stel­len. Es gibt vie­le jun­ge und in­no­va­ti­ve Be­rufs­leu­te, die sol­che Her­aus­for­de­run­gen su­chen. Ist die In­fra­struk­tur in ei­nem de­so­la­ten Zu­stand und ei­ne Re­no­va­ti­on wirt­schaft­lich nicht ver­tret­bar, gibt es im­mer noch die Mög­lich­keit, dass ein­zel­ne Par­zel­len an Win­zer ver­pach­tet wer­den.

Wie ist der Markt? Ist es er­staun­lich, dass die Stadt Bern kei­nen In­ves­tor fin­den konn­te?

Grund­sätz­lich ist die Si­tua­ti­on für den Schwei­zer Wein sehr po­si­tiv. Die Schwei­zer Wein­lieb­ha­ber ha­ben er­kannt, dass die ein­hei­mi­schen Ge­wäch­se enorm an Qua­li­tät zu­ge­legt ha­ben. Das zeigt auch der Blick in die Sta­tis­tik des Bun­des. Schwei­zer Kon­su­men­ten blei­ben dem Schwei­zer Wein treu. Nach­dem es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer ge­heis­sen hat, dass die Schwei­zer we­ni­ger Schwei­zer Wein kon­su­mier­ten, ist das ei­ne po­si­ti­ve Mel­dung. Erst­mals wird auch die rich­ti­ge Ur­sa­che aus der Sta­tis­tik her­aus­ge­le­sen: In den er­trags­schwa­chen Jah­ren 2013 bis 2015 wur­de we­ni­ger Schwei­zer Wein ge­kel­tert, als der Markt hät­te auf­neh­men kön­nen. 2017 wie­der­um wird es we­gen des Fros­tes nur ei­ne 60- bis 70-pro­zen­ti­ge Ern­te ge­ben.

Wie könn­te man ei­nen 24-Hekt­ar-be­trieb wie das Stadt­ber­ner Reb­gut «zum Flie­gen» brin­gen?

Das ist ein har­ter Bro­cken Ar­beit. Mit klas­si­schem Chas­sel­as und Pi­not noir lockt man heu­te nie­man­den mehr hin­ter dem Ofen her­vor. Le­ben­di­ge, trink­freu­di­ge Wei­ne, von de­nen man ei­ne gan­ze Fla­sche trin­ken mag, sind ge­fragt. Da gibt es vie­le in­no­va­ti­ve An­sät­ze wie re­du­zier­te Er­trä­ge zur Qua­li­täts­stei­ge­rung, Weiss­wei­ne oh­ne bio­lo­gi­schen Säu­re­ab­bau, Rot­wei­ne, die nicht in Bar­ri­ques, son­dern in Am­pho­ren rei­fen, Ganz­trau­ben­pres­sung, Spon­tan­ver­gä­rung und so wei­ter. Wenn die Stadt ei­nen Win­zer fin­det, der ein durch­dach­tes Kon­zept prä­sen­tiert, wird sie die Fi­nan­zen für ei­ne Un­ter­stüt­zung in den ers­ten Jah­ren frei­ma­chen kön­nen.

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