«Ve­ne­dig ist auf Was­ser ge­baut, Bern auf Wein»

Wie die Stadt Bern zu ih­rem Wein­gut kam Die Stadt nahm es von den Bur­gern und die­se einst von den Mön­chen: Das Stadt­ber­ner Reb­gut ist auch ein Stück Ber­ner Ge­schich­te.

Der Bund - - BERN - Bern­hard Ott

Vor dem Ein­marsch der Fran­zo­sen wur­de fast in je­dem Kel­ler der Stadt Bern Wein aus­ge­schenkt oder doch zu­min­dest ge­la­gert. «Ve­ne­dig ist auf Was­ser ge­baut, Bern auf Wein», hiess es da­mals in den Schen­ken der Stadt. Von die­ser Zeit zeugt heu­te noch der Wein­kel­ler im Er­la­cher­hof, wo ei­ni­ge Trop­fen der «Do­mai­ne de la Vil­le de Berne» la­gern, um bei Emp­fän­gen und Fei­er­lich­kei­ten der Stadt kre­denzt zu wer­den.

Der öno­lo­gi­sche Reich­tum des An­ci­en Ré­gime geht auf die Re­for­ma­ti­on zu­rück. Die Reb­ber­ge am Bie­ler­see ge­hör­ten einst di­ver­sen Klos­ter­ge­mein­schaf­ten, die 1528 ver­staat­licht wur­den. Mit dem Un­ter­gang der al­ten Re­pu­blik ging das Re­b­land 1802 an die Bur­ger­ge­mein­de Bern über, die es ih­rer­seits fünf­zig Jah­re spä­ter wie­der der Ein­woh­ner­ge­mein­de über­las­sen muss­te. Die Stadt Bern lässt das Gut seit über hun­dert Jah­ren durch die Fa­mi­lie Lou­is be­trei­ben.

Ste­ti­ge Ex­pan­si­on

Die heu­ti­gen Guts­ge­bäu­de in der «Lo­ret­te» hat die Stadt erst An­fang der Sech­zi­ger­jah­re er­wor­ben. Das dor­ti­ge Kel­ler­ge­bäu­de da­tiert aus dem Jahr 1970. Es er­setz­te das «Al­te Ber­n­er­haus» im Zen­trum von La Neu­ve­vil­le, das heu­te als Car­not­zet dient. Ein wei­te­rer Ex­pan­si­ons­schritt war die Über­nah­me der Pacht des Reb­gu­tes der Bur­ger­ge­mein­de auf der Sankt Pe­ter­sin­sel vor neun Jah­ren. Die Ver­ein­ba­rung mit der Bur­ger­ge­mein­de um­fass­te auch den Kauf der Re­ben, Ma­schi­nen und Ge­rät­schaf­ten.

Die letz­ten Jah­re der «Do­mai­ne de la vil­le de Berne» wa­ren er­trags­mäs­sig durch­zo­gen. Das Jahr 2014/2015 war auf­grund von Ha­gel­schä­den und des Ein­sat­zes feh­ler­haf­ter Pflan­zen­schutz­mit­tel de­fi­zi­tär. In den letz­ten bei­den Jah­ren hin­ge­gen wur­de «auf­grund von Son­der­ef­fek­ten» ein leich­tes Plus er­zielt, wie die Fi­nanz­di­rek­ti­on auf An­fra­ge fest­hält. Ein be­son­ders gu­ter Jahr­gang war 2016. Es wur­de ei­ne re­kord­ver­däch­ti­ge Men­ge von ge­gen 150 000 Li­tern Wein pro­du­ziert. An den Ta­gen der of­fe­nen Tür kann nun der letzt­jäh­ri­ge Trop­fen ge­kos­tet wer­den. Nebst Chas­sel­as und Pi­not noir ste­hen auch Spe­zia­li­tä­ten­wei­ne wie Char­don­nay, Pi­not gris, Sau­vi­gnon blanc oder Schaum­wein von der Sankt Pe­ter­sin­sel zur Aus­wahl.

Ta­ge der of­fe­nen Tür im Reb­gut der Stadt Bern, Che­min de Pou­d­eil­le 2, La Neu­ve­vil­le, Frei­tag, 27. April, 16–19 Uhr, Sams­tag, 28. April, 10–17 Uhr, Di­ens­tag, 1. Mai, 10–17 Uhr. Trans­port ab Bahn­hof La Neu­ve­vil­le un­ter 032/751 21 75 (bit­te 30 Mi­nu­ten vor­her an­ru­fen).

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.