Kö­niz will spa­ren – und die Steu­ern er­hö­hen

Das De­fi­zit der Jah­res­rech­nung sei struk­tu­rell be­dingt. Dar­um will der Kö­ni­zer Ge­mein­de­rat nicht nur Steu­ern er­hö­hen, son­dern auch spa­ren.

Der Bund - - BERN - Nao­mi Jo­nes

Schon in sei­nem ers­ten Amts­jahr steht der neue Kö­ni­zer Ge­mein­de­rat vor ei­ner Her­ku­les­auf­ga­be. Er will dem Volk im No­vem­ber ei­ne Steu­er­er­hö­hung vor­le­gen, und gleich­zei­tig kün­digt er ei­ne wei­te­re Spar­run­de an. Vor zwei Jah­ren schei­ter­te die vom da­ma­li­gen Ge­mein­de­rat be­an­trag­te Steu­er­er­hö­hung im Par­la­ment. Wie da­mals sol­len die Steu­ern um ein hal­bes Steu­er­zehn­tel von 1,49 auf 1,54 an­ge­ho­ben wer­den. Da­mit wür­den die Kö­ni­zer gleich viel Steu­ern zah­len wie die Ber­ner.

Aber nicht nur das: Der Ge­mein­de­rat will im Rah­men des Bud­get­pro­zes­ses auch die Aus­ga­ben re­du­zie­ren. Die Ab­tei­lun­gen der Ver­wal­tung sei­en dar­an, Spar­mög­lich­kei­ten zu su­chen, sag­te Ge­mein­de­prä­si­den­tin An­ne­ma­rie Ber­lin­ger (SP) ges­tern vor den Me­di­en. Ins­be­son­de­re bei den so­ge­nannt frei­wil­li­gen Leis­tun­gen ha­be die Ge­mein­de ei­nen ge­wis­sen Spiel­raum. Sie mach­ten et­wa 15 Pro­zent der Aus­ga­ben aus. «Wir müs­sen wohl oder übel auf ei­nen Teil da­von ver­zich­ten.» Der Rest sei­en ge­bun­de­ne Aus­ga­ben, die sich nicht ein­fach strei­chen lies­sen, und Schul­den, die ab­ge­baut wer­den müss­ten. Die Brut­to­schul­den der Ge­mein­de wer­den in die­sem Jahr auf 300 Mil­lio­nen Fran­ken an­stei­gen. Und ein En­de des An­stiegs ist nicht in Sicht. Denn Kö­niz plant wei­te­re gros­se In­ves­ti­tio­nen.

Weil Kö­niz stark ge­wach­sen ist und noch wei­ter wach­sen wird, muss die Ge­mein­de Schul­häu­ser bau­en, sa­nie­ren und aus­bau­en. Die Stras­sen müs­sen un­ter­hal­ten sein, und die Ge­mein­de be­nö­tigt mehr Per­so­nal, um ih­ren Auf­ga­ben nach­zu­kom­men. Ber­lin­ger woll­te aber noch nicht sa­gen, wo ge­spart wer­den soll. Ers­te Vor­schlä­ge könn­ten im Ju­ni öf­fent­lich wer­den. Bis im Au­gust muss das Par­la­ment über das Bud­get be­fun­den ha­ben. Denn dann will ihm der Ge­mein­de­rat den An­trag für die Steu­er­er­hö­hung vor­le­gen.

Dies­mal Chan­cen im Par­la­ment

Im Wahl­kampf letz­ten Herbst äus­ser­ten die Par­tei­en be­reits ih­re Hal­tung zu ei­ner mög­li­chen Steu­er­er­hö­hung. Vor al­lem die FDP war da­ge­gen. SVP und GLP wa­ren be­reit, un­ter Vor­be­halt zu­zu­stim­men. An­ge­sichts der nun prä­sen­tier­ten Rech­nung für das letz­te Jahr weicht auch die FDP ih­re Hal­tung auf. Wenn die Steu­er­er­hö­hung von Spar­mass­nah­men be­glei­tet wer­de und nur für ei­ne be­grenz­te Zeit gel­te, «dann dis­ku­tie­ren wir», sagt Par­tei­prä­si­den­tin Eri­ca Ko­bel auf An­fra­ge. Wo die Ge­mein­de spa­ren könn­te, kann Ko­bel aber nicht spon­tan sa­gen. Viel­leicht bei den Ge­büh­ren der Ta­ges­schu­le oder den Prei­sen des Schwimm­ba­des, sagt sie. Doch Ge­büh­ren zu er­hö­hen, tue weh. Oder bei den ver­schie­de­nen Be­ra­tungs­stel­len, die die Ge­mein­de an­bie­te.

Auch an­de­re Par­tei­en kön­nen kein fer­ti­ges Spar­pro­gramm prä­sen­tie­ren. Der Bdp-vi­ze­prä­si­dent Tho­mas Schnei­ter fin­det, die Ver­wal­tung könn­te an Ef­fi­zi­enz ge­win­nen und Kos­ten ein­spa­ren, wenn sie we­ni­ger An­ge­stell­te im Job­sha­ring hät­te. Die Leis­tun­gen der Ge­mein­de müss­ten hin­ter­fragt wer­den, und die ge­plan­ten Bau­pro­jek­te könn­ten «oh­ne Gold­rand», al­so et­was we­ni­ger lu­xu­ri­ös, aus­ge­führt wer­den.

Von den spon­tan ge­äus­ser­ten Spar­vor­schlä­gen dürf­te der­je­ni­ge von Glp­co-prä­si­dent Ca­si­mir von Arx am meis­ten zu Bu­che schla­gen. Zu­gleich ist es der um­strit­tens­te Vor­schlag: «Wir zwei­feln den Stand­ort Ler­ber­matt für Spez­sek-klas­sen an», sagt er. Wol­le der Ge­mein­de­rat ei­ne struk­tu­rier­te Spar­dis­kus­si­on füh­ren, müs­se er ei­ne Lis­te der frei­wil­li­gen Leis­tun­gen lie­fern.

Dass der Bau von neu­en Quar­tie­ren wie der Über­bau­ung Ried für rund 2000 Men­schen nicht nur gu­te Steu­er­zah­ler bringt, son­dern «ei­nen Rat­ten­schwanz an Kos­ten» nach sich zieht, wie Ber­lin­ger sagt, ha­ben die meis­ten Par­tei­en ge­merkt. So ste­hen vor al­lem die SVP und die BDP ei­nem wei­te­ren Wachs­tum der Ge­mein­de kri­tisch ge­gen­über. Aber auch der Ge­mein­de­rat tönt dies­be­züg­lich nicht mehr so eu­pho­risch. Das Wachs­tum spre­che zwar für die Qua­li­tät der Ge­mein­de, sagt Ber­lin­ger. «Aber es ist kei­ne Stra­te­gie.»

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