Li­be­ro-ver­bund senkt Prei­se nicht

Öv-kun­den im Raum Bern bringt die Sen­kung der Mehr­wert­steu­er kei­nen Vor­teil: Der Li­be­ro-ta­rif­ver­bund passt sei­ne Prei­se nicht an.

Der Bund - - BERN - Car­lo Senn

Die Ein­zel­bil­let­te der SBB sol­len auf­grund der um 0,3 Pro­zent ver­min­der­ten Mehr­wert­steu­er En­de 2018 sin­ken (der «Bund» be­rich­te­te). Sin­ken nun auch im Ber­ner Re­gio­nal­ver­kehr die Prei­se?

Der gröss­te Ver­kehrs­ver­bund im Kan­ton Bern ist der Li­be­ro­ta­rif­ver­bund. Ihm ge­hö­ren un­ter an­de­rem Bern­mo­bil, der RBS und die BLS an. Bei ei­nem Um­satz von 225,3 Mil­lio­nen Fran­ken (2017) führt ei­ne um 0,3 Pro­zent nied­ri­ge­re Mehr­wert­steu­er für ihn zu Mehr­ein­nah­men von jähr­lich knapp 700 000 Fran­ken. Im Li­be­ro­ge­biet kann man sich trotz­dem nicht über güns­ti­ge­re Ti­ckets oder Abon­ne­ments freu­en. Wie Da­ni­el Hirt, Ge­schäfts­lei­ter des Li­be­ro­ver­bunds, auf An­fra­ge mit­teilt, sei es nicht mög­lich, die Prei­se zu sen­ken, da «im Jahr 2017 ein Fehl­be­trag von fünf Mil­lio­nen re­sul­tier­te». Das um 700000 Fran­ken ver­min­der­te De­fi­zit von 4,3 Mil­lio­nen Fran­ken muss nun von den je­wei­li­gen Trans­port­un­ter­neh­men ge­tra­gen wer­den. Er kön­ne je­doch be­stä­ti­gen, dass es En­de De­zem­ber zu kei­ner Preis­er­hö­hung kom­men wer­de, sagt Hirt.

Auch im Ober­land kei­ne Sen­kung

Auch der Ta­rif­ver­bund Ber­ner Ober­land gibt die Sen­kung der Mehr­wert­steu­er nicht an die Kun­den wei­ter. Die­ser ist je­doch in ei­ner spe­zi­el­len Si­tua­ti­on: Der Re­gie­rungs­rat hat be­reits 2017 be­schlos­sen, die bei­den Ta­rif­ver­bün­de Li­be­ro und Ber­ner Ober­land bis En­de 2018 zu­sam­men­zu­füh­ren. Ob die­ser Zeit­plan ein­ge­hal­ten wird, ist noch un­klar.

In die­sem kur­zen Zei­t­raum die Prei­se an­zu­pas­sen, sei des­halb nicht sinn­voll, «da be­reits Er­hö­hun­gen zur Er­rei­chung des Preis­ni­veaus von Li­be­ro ge­plant sind», sagt Jürg Leh­mann, Ge­schäfts­füh­rer vom Ta­rif­ver­bund Ber­ner Ober­land. Leh­mann sagt, dass in Zu­kunft die Prei­se von Li­be­ro den Takt an­ge­ben wür­den.

Pi­kant: Der Preis­über­wa­cher Stefan Mei­er­hans hat­te sich in Ver­hand­lun­gen ex­pli­zit da­für ein­ge­setzt, die Kun­den soll­ten von der tie­fe­ren Mehr­wert­steu­er pro­fi­tie­ren. In an­de­ren Kan­to­nen plan­ten die Ta­rif­ver­bun­de Preis­sen­kun­gen, wie Mei­er­hans sagt.

So wer­de zum Bei­spiel der Zürcher Ver­kehrs­ver­bund (ZVV) den Schiffs­fünfli­ber ab­schaf­fen und der so­ge­nann­te di­rek­te Ver­kehr die Ein­zel­bil­let­te güns­ti­ger ma­chen. Die Hal­tung des Li­be­ro­ta­rif­ver­bunds sei von da­her «klar stos­send». Man blei­be mit den Ver­bün­den in Kon­takt und «prü­fe ih­re Ar­gu­men­ta­ti­on ge­nau».

Marcel Bur­let, Se­kre­tär vom In­ter­es­sen­ver­band Pro Bahn Schweiz, sagt, dass es «schon ein Fort­schritt ist, wenn die Prei­se nächs­tes Jahr nicht stei­gen». Ge­ne­rell sol­le der ÖV nicht im­mer teu­rer wer­den, da die Leu­te sonst wie­der auf das Au­to um­stei­gen. Die Po­li­tik im Kan­ton Bern sol­le jetzt ak­tiv wer­den und sich für güns­ti­ge­re Ti­ckets ein­set­zen.

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