Sün­den­fall im Fe­ri­en­pa­ra­dies

Die phil­ip­pi­ni­sche In­sel Bora­cay ist seit ges­tern für Tou­ris­ten ge­schlos­sen – un­ge­klär­te Ab­wäs­ser aus Ho­tels und Ge­schäf­ten ha­ben die In­sel zur Kloa­ke ge­macht.

Der Bund - - PANORAMA - Ar­ne Per­ras Sin­ga­pur

Wenn meh­re­re Hun­dert­schaf­ten Po­li­zei am Strand auf­mar­schie­ren, mit Hel­men auf dem Kopf und Schlag­stö­cken in der Hand, muss et­was faul sein im Pa­ra­dies. Die Fe­ri­en­in­sel Bora­cay auf den Phil­ip­pi­nen er­leb­te ge­ra­de ei­nen sol­chen Auf­marsch der Staats­macht. Strän­de, Ho­tels, Re­stau­rants, Tauch­shops, Ver­gnü­gungs­parks muss­ten ges­tern schlies­sen. Und 600 Po­li­zis­ten sol­len die In­sel­blo­cka­de durch­set­zen.

Tou­ris­ten aus al­ler Welt dür­fen Bora­cay vor­erst nicht mehr be­tre­ten, weil Prä­si­dent Ro­d­ri­go Du­ter­te das so be­foh­len hat. Der Staats­chef ist wü­tend über die Zu­stän­de auf Bora­cay: Die In­sel sei zu ei­ner «Kloa­ke» ver­kom­men, des­halb müss­ten jetzt erst mal Rei­ni­gungs- und Bau­trupps aus­rü­cken.

Als Sehn­suchts­ort für Son­nen­hung­ri­ge hat­te die klei­ne Tro­pen­in­sel 300 Ki­lo­me­ter süd­lich von Ma­ni­la schon vie­le re­gio­na­le Kon­kur­ren­ten aus dem Feld ge­schla­gen. Bora­cay war der Fe­ri­en­ren­ner in Asi­en. Und die In­sel lock­te Jahr für Jahr auch Zehn­tau­sen­de Eu­ro­pä­er und Ame­ri­ka­ner an.

Be­droh­li­che Was­ser­wer­te

Wa­ren es vor 15 Jah­ren noch 250 000 Be­su­cher, ka­men 2017 be­reits 2,1 Mil­lio­nen, um in den Buch­ten zu ba­den. Doch Dut­zen­de Ho­tels, Re­stau­rants und Ge­schäf­te auf Bora­cay sol­len ih­re Ab­wäs­ser jah­re­lang weit­ge­hend un­ge­klärt ins Meer ge­lei­tet ha­ben. Be­son­ders un­ap­pe­tit­lich wirk­te zu­letzt ein Vi­deo vom Bola­bog Beach, der bei Ki­tesur­fern be­liebt ist. Dar­auf war zu se­hen, wie sich schwar­ze Brü­he aus ei­nem Rohr ins fla­che Was­ser er­goss, wäh­rend da­hin­ter Fe­ri­en­gäs­te über die Wel­len flitz­ten.

Um­welt­mi­nis­ter Roy Ci­ma­tu er­klär­te, dass sich die be­droh­li­chen Was­ser­wer­te, die am Sur­fer­st­rand ge­mes­sen wur­den, zu­letzt schon er­heb­lich ver­bes­sert hät­ten. Die Be­las­tung mit Bak­te­ri­en ist aber im­mer noch sechs­mal hö­her als der emp­foh­le­ne Grenz­wert. Nun sol­len Häu­ser und Be­trie­be an Klär­an­la­gen an­ge­schlos­sen und vie­le il­le­ga­le Bau­ten ab­ge­ris­sen wer­den. Du­ter­te hat die Schlies­sung für sechs Mo­na­te an­ge­ord­net. Le­dig­lich Fe­ri­en­gäs­te, die vor dem 26. April an­reis­ten, dür­fen noch blei­ben.

So­sehr vie­le Phil­ip­pi­ner es be­grüs­sen, dass der Staat bei Um­welt­sün­dern hart durch­greift, so ir­ri­tiert sind vie­le über die Wi­der­sprü­che von Du­ter­tes Po­li­tik: Ei­ner­seits will er, dass Bora­cay ge­sun­det, an­der­seits seg­ne­te er den Plan für ein Me­ga-ca­si­no ab, das ein In­ves­tor aus Ma­cao auf der In­sel aus dem Bo­den stamp­fen will und das wohl eher ei­nen ge­gen­tei­li­gen Ef­fekt ha­ben wird.

Die 30 000 In­sel­be­woh­ner ha­ben der­weil kei­ne Ah­nung, wie es oh­ne Tou­ris­ten, al­so oh­ne Ein­kom­men wei­ter­ge­hen soll. Du­ter­te ver­spricht Hil­fe aus ei­nem Not­fall­fonds, aber nie­mand weiss, wer et­was be­kom­men soll, wann und wie viel.

Fo­to: Be­noit Tes­sier (Reu­ters)

Fo­to: Reu­ters

Be­waff­ne­ter Sol­dat am (Alb-)traum­strand auf Bora­cay.

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