Abf luss­men­ge: 0,0 Ku­bik­me­ter

Im obe­ren Teil des Tösstals zieht sich ein Band aus Kies und Gesteins­bro­cken durch die Land­schaft. Für vie­le kein un­ge­wöhn­li­ches Bild in die­ser Jah­res­zeit. Doch et­was hat den­noch Sel­ten­heits­wert.

Der Landbote - - REGION - Tho­mas Mün­zel

In tro­cke­nen Mo­na­ten ge­hört das Bild der prak­tisch was­ser­lo­sen Töss in Bau­ma, Wi­la und Um­ge­bung zwar zum All­tag – wie auch der ver­gan­ge­ne Som­mer wie­der ein­drück­lich ge­zeigt hat. Den­noch weist die ak­tu­el­le Tro­cken­pe­ri­ode seit drei Ta­gen ei­ne Be­son­der­heit auf. Denn in den letz­ten Jahr­zehn­ten wur­de im Mo­nat No­vem­ber bei der Mess­sta­ti­on in Bau­ma fast im­mer ei­ne be­stimm­te Ab­fluss­men­ge re­gis­triert; wenn auch manch­mal nur ei­ne ge­rin­ge. Dass die Töss je­doch seit we­ni­gen Ta­gen kei­nen ein­zi­gen Trop­fen Was­ser mehr führt, ist aus­ser­ge­wöhn­lich – und kam seit den me­cha­ni­schen Auf­zeich­nun­gen im Jahr 1992 nur noch ein ein­zi­ges Mal vor: Im No­vem­ber 2015 mass man eben­falls nichts, sprich ei­ne Ab­fluss­men­ge von 0,0 Ku­bik­me­ter pro Se­kun­de.

Töss ist un­ter­ge­taucht

Klar ist aber auch: Ver­schwun­den ist die Töss nur ober­fläch­lich. Bei Tro­cken­heit ver­la­gert sie sich stets in den Un­ter­grund. Ein Teil des Flus­ses, auf durch­läs­si­gem Kies ge­le­gen, ver­si­ckert al­so stän­dig. Er speist so den gros­sen Grund­was­ser­strom im Töss­tal. Nach An­ga­ben des kan­to­na­len Am­tes für Ab­fall, Was­ser, En­er­gie und Luft (Awel) ist die­ser «von aus­ge­zeich­ne­ter Qua­li­tät». So be­zieht bei­spiels­wei­se die Gross­stadt Win­ter­thur ihr Trink­was­ser fast aus­schliess­lich aus dem Töss­tal. Un­ter­su­chun­gen zei­gen zu­dem: Selbst in aus­ser­ge­wöhn­li­chen Hit­ze­jah­ren nimmt die Grös­se des Stroms meist nur ge­ring­fü­gig ab. Doch laut dem Awel be­we­gen sich die Grund­was­ser­stän­de der­zeit im gan­zen Kan­ton auf aus­ser­or­dent­lich tie­fem Ni­veau. «Sie lie­gen aber im­mer noch über den his­to­ri­schen Tiefst­wer­ten», heisst es da­zu im ak­tu­el­len La­ge­be­richt zur ex­tre­men Tro­cken­heit im Kan­ton.

Rhein­fall wird zum Rinn­sal

Die mo­men­tan tie­fen Was­ser­stän­de in den Flüs­sen hän­gen nach An­sicht des Awel di­rekt mit der «an­hal­ten­den, sehr nie­der­schlags­ar­men Pe­ri­ode» zu­sam­men. Selbst der Rhein­fall ist in­zwi­schen zum Rinn­sal ge­wor­den. Am gröss­ten Was­ser­fall Eu­ro­pas fliesst der­zeit we­ni­ger als die Hälf­te der üb­li­chen Was­ser­men­ge. Bei mitt­le­rer Was­s­er­füh­rung des Rheins stür­zen im Rhein­fall 370 Ku­bik­me­ter Was­ser pro Se­kun­de über die Fel­sen. Mo­men­tan sind es gera­de mal 170 Ku­bik­me­ter pro Se­kun­de. Zwar soll es am Wo­chen­en­de et­was Re­gen ge­ben. Doch für ei­ne dau­er­haf­te Nor­ma­li­sie­rung brauch­te es laut Awel «in­ten­si­ve und lang an­hal­ten­de Re­gen­fäl­le».

Fo­to: Marc Da­hin­den

St­ein­wüs­te mit wu­chern­den Gras­bü­scheln bei Wi­la: Auf­grund der an­hal­ten­den Tro­cken­heit lädt das Fluss­bett der Töss im obe­ren Töss­tal der­zeit zum Wan­dern ein.

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